Der julianische Kalender

Diese Seite ist der zweite Teil einer dreiteiligen Reihe, die uns von den frühen römischen Kalendern über den julianischen Kalender bis zum heutigen gregorianischen Kalender führt.

Ein wenig Geschichte

Hinweis: Es gibt zahlreiche Bücher und ebenso viele Internetseiten, die die römische Geschichte von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende darstellen.

Unser kurzer geschichtlicher Abriss wird daher eher einer Chronologie gleichen als einer ausführlichen Darstellung. Er soll vor allem die zeitlichen Bezugspunkte liefern, die wir brauchen, um die Entwicklung unserer Kalender nachzuvollziehen.

Die Chronologie jeder Seite passt zu den Kalendern, die dort erklärt werden. Sie setzt sich also über die drei eingangs genannten Teile hinweg fort.

Setzen wir unsere knappe Chronologie der römischen Geschichte fort und springen wir an das Ende der Republik.

Porträt Julius Caesars, wohl im 1. Jahrhundert n. Chr. in Ägypten aus grünem Schiefer gearbeitet. - Dieses Werk wird im Deutschen als „Grüner Caesar“ bezeichnet und befindet sich heute im Alten Museum in Berlin.
Porträt Julius Caesars, wohl im 1. Jahrhundert n. Chr. in Ägypten aus grünem Schiefer gearbeitet.
Dieses Werk wird im Deutschen als „Grüner Caesar“ bezeichnet und befindet sich heute im Alten Museum in Berlin. Antikensammlung Berlin / Gemeinfrei, über Wikimedia Commons
Porträt Julius Caesars im Archäologischen Museum von Sparta, 1. Jahrhundert v. Chr.
Porträt Julius Caesars im Archäologischen Museum von Sparta, 1. Jahrhundert v. Chr. George E. Koronaios / CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons

Gaius Julius Caesar wird 100 oder 102 v. Chr. in Rom geboren und stirbt dort 44 v. Chr.

Marmorbüste des Octavian, ein zeitgenössisches Porträt des Herrschers, heute in den Kapitolinischen Museen in Rom.
Marmorbüste des Octavian, ein zeitgenössisches Porträt des Herrschers, heute in den Kapitolinischen Museen in Rom. Gautier Poupeau / CC BY 2.0, über Wikimedia Commons
Augustus in der Gestalt Jupiters, fotografiert in der Eremitage in Sankt Petersburg
Augustus in der Gestalt Jupiters, fotografiert in der Eremitage in Sankt Petersburg S. I. Sosnovsky / CC BY-SA 4.0

Octavian Augustus wird 63 v. Chr. in Rom, genauer in Velitrae, geboren und stirbt 14 n. Chr. in Nola.

Ein paar Worte noch zu Sosigenes und seinem Umfeld. Aus mehreren Gründen, unter anderem wegen Kleopatra, hatte Caesar Gefallen an Ägypten gefunden.

Dank Ptolemaios, einem General Alexanders des Großen, der sich 305 v. Chr. unter dem Namen Ptolemaios I. Soter zum König von Ägypten ausrief, wurde Alexandria zu einem Ort, an dem Gelehrte aus allen Regionen zusammenkamen. Er gründete die Große Bibliothek.

In Alexandria folgt eine lange Reihe namhafter Astronomen aufeinander:

Vielleicht begegnete Caesar Sosigenes auf einem von Kleopatra veranstalteten Fest, bei dem dieser ihm seine Vorstellungen vom Kalender darlegte. Da die Jahreslänge, die aus der Reform hervorgeht, ungenau sein wird, kann man sich durchaus fragen, warum, denn es ist schwer vorstellbar, dass Sosigenes die Arbeiten des Hipparch nicht gekannt haben soll.

Der oder die Kalender?

Caesars Reform des römischen Kalenders führt zu einem rein solaren Kalender.

Plutarch schreibt, Caesar habe für die Ausarbeitung dieses ersten Kalenders die besten Philosophen und Mathematiker seiner Zeit herangezogen. Sosigenes gehörte selbstverständlich dazu.

Im vorangegangenen Teil haben wir gesehen, dass das Jahr vor der Reform so aufgebaut war:

1-JANUARIUS: 29 j 4-APRILIS: 29 j 7-QUINTILIS: 31 j 10-OCTOBER: 31 j
2-FEBRUARIUS: 28 j 5-MAIUS: 31 j 8-SEXTILIS: 29 j 11-NOVEMBER: 29 j
3-MARTIUS: 31 j 6-JUNIUS: 29 j 9-SEPTEMBER: 29 j 12-DECEMBER: 29 j

Wir haben außerdem gesehen, dass der römische Kalender im Jahr 46 v. Chr. dem Sonnenlauf bereits um mehrere Monate hinterherhinkte, weil die Schaltmonate völlig ungeordnet verteilt worden waren. Auch Caesar selbst trug dazu bei, denn obwohl er seit 63 v. Chr. Pontifex Maximus war, soll er nur ein einziges Mal einen Schaltmonat angeordnet haben.

Die Reform musste zwei Probleme lösen:

1) Für das erste Problem wurde eine radikale Lösung gewählt: Caesar ordnete an, dem Jahr 46 v. Chr. zwischen November und Dezember zwei Schaltmonate von 33 und 34 Tagen hinzuzufügen. Dazu kam noch ein klassischer Schaltmonat im Februar. So wurden allein dem Jahr 46 v. Chr. 90 Tage hinzugefügt, sodass es auf 445 Tage kam. Mehr dazu steht auf der Seite über die Verwirrungen des julianischen Kalenders.

Macrobius, ein lateinischer Schriftsteller des 4. und 5. Jahrhunderts, bezeichnete dieses Jahr als ultimus annus confusionis, als letztes Jahr der Verwirrung.

2) Nachdem der kalendarische Rückstand beseitigt war, galt der neue Kalender ab 45 v. Chr.

Er lässt sich so beschreiben:

Nach Plinius, Naturalis historia XVIII, legte Caesar die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden auf den achten Tag vor den Kalenden des April, Juni, Oktober und Januar, also auf den 25. März, 24. Juni, 24. September und 25. Dezember.

A) Erste Deutung (historische Quellen unbekannt)

Zunächst hätte es einen strengen Wechsel von Monaten mit 31 und 30 Tagen gegeben, mit Ausnahme des Februarius, der 29 Tage gehabt hätte, 30 in Schaltjahren. Im Jahr 44 v. Chr. wurde Quintilis auf Vorschlag des Antonius zu Julius, zu Ehren Julius Caesars.

Zu diesem Zeitpunkt hätte das Jahr so ausgesehen:

1-JANUARIUS: 31j 4-APRILIS: 30 j 7-JULIUS: 31 j 10-OCTOBER: 30 j
2-FEBRUARIUS: 29 j (30 j) 5-MAIUS: 31 j 8-SEXTILIS: 30 j 11-NOVEMBER: 31 j
3-MARTIUS: 31 j 6-JUNIUS: 30 j 9-SEPTEMBER: 31 j 12-DECEMBER: 30 j

Hinweis: Wir lassen die Monatsnamen Januarius, Junius und Julius mit J stehen. Ob der Buchstabe J damals schon existierte, ist eine andere Frage; sonst müsste man Ianuarius, Iunius und Iulius schreiben.

Unter Augustus wollte der Senat seinen Kaiser aus einem Grund ehren, auf den wir weiter unten noch zurückkommen, und gab Sextilis seinen Namen, sodass daraus Augustus wurde. Natürlich durfte der Monat August nicht weniger Tage haben als Julius und erhielt daher 31 Tage. Dieser zusätzliche Tag des Augustus wurde durch einen Tag weniger im Februarius ausgeglichen, der damit auf 28 Tage sank, 29 in Schaltjahren. Um außerdem eine Folge von drei Monaten mit 31 Tagen zu vermeiden, änderte man die Länge von September, October, November und December, sodass das Jahr nun so aussah:

1-JANUARIUS: 31j 4-APRILIS: 30 j 7-JULIUS: 31 j 10-OCTOBER: 31 j
2-FEBRUARIUS: 28 j (29 j) 5-MAIUS: 31 j 8-AUGUSTUS: 31 j 11-NOVEMBER: 30 j
3-MARTIUS: 31 j 6-JUNIUS: 30 j 9-SEPTEMBER: 30 j 12-DECEMBER: 31 j

B) Zweite Deutung

Für diese Fassung gibt es Quellen, und ich nenne eine davon:

Censorinus, De Die Natali, Kap. XX: Zu den dreihundertfünfundfünfzig Tagen, aus denen das Jahr bestand, fügte er, also Caesar, zehn hinzu. Er verteilte sie auf die sieben Monate mit neunundzwanzig Tagen, sodass Januar, August und Dezember je zwei zusätzliche Tage erhielten und die übrigen nur einen. Diese Zusatztage wurden jeweils ans Monatsende gesetzt, damit die religiösen Feste jedes Monats an ihrem Datum blieben. Deshalb haben wir heute zwar sieben Monate mit einunddreißig Tagen, aber vier von ihnen unterscheiden sich von den anderen dadurch, dass bei ihnen die Nonen auf den 7. fallen, während sie bei den übrigen auf den 5. fallen.

Im Jahr 44 v. Chr. wurde Quintilis auf Vorschlag des Antonius zu Julius, zu Ehren Julius Caesars, und später wurde Sextilis zu Augustus.

Zu diesem Zeitpunkt hätte das Jahr so ausgesehen:

1-JANUARIUS: 31 j (+2) 4-APRILIS: 30 j (+1) 7-JULIUS: 31 j 10-OCTOBER: 31 j
2-FEBRUARIUS: 28 j (29 j) 5-MAIUS: 31 j 8-AUGUSTUS: 31 j (+2) 11-NOVEMBER: 30 j (+1)
3-MARTIUS: 31 j 6-JUNIUS: 30 j (+1) 9-SEPTEMBER: 30 j (+1) 12-DECEMBER: 31 j (+2)

Anmerkungen zu den beiden Deutungen: Beide Deutungen führen zum gleichen Ergebnis. Die zweite kommt jedoch ohne eine Neuordnung der Monatslängen in der Zeit des Augustus aus, weil das Jahr schon seit Caesar seine endgültige Form hätte.

Ein Papyrusfragment, pOxy 61.4175, dessen Analyse 1999 veröffentlicht wurde, erlaubt es, diese Frage genauer zu betrachten. Dieser Papyrus ist ein Sternkalender sowohl nach ägyptischem als auch nach römischem Kalender. Er dürfte aus dem Jahr 730 A.U.C., also 24 v. Chr., stammen. Die Entsprechung der beiden Kalender zeigt, dass Kal. Sex. = 8 Mesore und Kal. Sept. = 4 Thot ist.

Damit hatte der Monat Sextilis schon lange vor Augustus 31 Tage, was für die zweite Deutung spricht.

Die Umbenennung von Sextilis in Augustus dürfte bei der Reform des Augustus im Jahr 746 A.U.C., also 8 v. Chr., erfolgt sein.

Wie auch immer der genaue Ablauf war: Der julianische Kalender war geboren.

Lange ließ der erste Fehler nicht auf sich warten: Bereits 44 v. Chr., kurz nach Caesars Tod, ließ das Kollegium der Pontifices, wieder einmal sie, ein Schaltjahr alle drei statt alle vier Jahre zählen. Dieser Irrtum hängt sehr wahrscheinlich mit der römischen Gewohnheit zusammen, den Anfang eines Zählvorgangs bereits als eins mitzuzählen, wie wir schon gesehen haben. Sie zählten also wohl 1, 2, 3, 4 statt 0, 1, 2, 3, 4, was kaum anders möglich war, denn die Null existierte noch nicht.

Dieser Fehler blieb lange unbemerkt und wurde erst 8 v. Chr. festgestellt. In 36 Jahren wurden 12 statt 9 Tage eingeschoben.

Augustus korrigierte den Fehler, indem er verfügte, dass drei Schaltjahre ausgesetzt werden sollten, also über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Gerade diese Beteiligung am Kalender soll ihm den Monat eingebracht haben, der seinen Namen trägt.

Mehr über den holprigen Start des julianischen Kalenders und die Korrekturen des Augustus steht auf der Seite über die Verwirrungen des julianischen Kalenders.

Nachfolger des Augustus, oder übereifrige Anhänger dieser Nachfolger, versuchten vergeblich, ihren Namen ebenfalls im Kalender unterzubringen: Neronius im April, Claudius im Mai, Germanius im Juni, Tiberius im September. Im letzten Fall war es Tiberius selbst, der sich dagegen stellte.

Dieser julianische Kalender mit seiner festen Gliederung der Monate ließ sich Jahr für Jahr unverändert wiederholen. Seine Struktur sieht so aus:

Aufbau eines Monats

Nehmen wir als Beispiel den Monat Januar, Januarius oder Ianuarius.

1 Kalendis Januariis Kurze Erinnerung an Kalenden, Iden und Nonen:

Drei Tage strukturierten den Monat und teilten ihn in ungleich lange Abschnitte:

- Die Kalenden: Das war der erste Tag des Monats. Der Name soll von calare, ausrufen, stammen, weil an diesem Tag die wichtigen Daten bekanntgegeben wurden.

- Die Iden: vom etruskischen Wort iduare, teilen. Sie markieren die Monatsmitte, am 15. in Martius, Maius, Julius und October, am 13. in den übrigen Monaten. Vergessen wir nicht die Abneigung der Römer gegen gerade Zahlen.

- Die Nonen: der neunte Tag vor den Iden. Da der erste Tag der Zählung mitgerechnet wurde, fielen sie je nachdem, ob die Iden auf den 13. oder den 15. fielen, auf den 5. oder 7.

Die Römer bezeichneten jeden Tag in Bezug auf die nächste „Marke“, zum Beispiel „drei Tage vor den Kalenden des März“ oder „sechs Tage vor den Iden des August“.

Der Tag vor einer solchen „Marke“ hieß Pridie, etwa Pridie Nonas für den Tag vor den Nonen. Natürlich war der Tag vor dem Pridie nicht der zweite Tag vor der „Marke“, weil diese selbst mitgezählt wurde. Der Tag vor den Nonen heißt also Pridie Nonas, und der Tag davor ist bereits ... der dritte Tag vor den Nonen. Dasselbe tun wir heute noch, wenn wir sagen „in acht Tagen“, obwohl die Woche nur sieben Tage hat.

Der Tag nach den Kalenden, den Nonen und den Iden hieß postridie kalendas, postridie nonas und postridie idus.
2 ante diem quartum Nonas Januarias
oder postridie kalendas Januarias
3 Ante diem tertium Nonas Januarias
4 Pridie Nonas Januarias
5 Nonis januariis
6 Ante diem octavum Idus Januarias
oder postridie Nonas Januarias
7 Ante diem septimum Idus Januarias
8 Ante diem sextum Idus Januarias
9 Ante diem quintum Idus Januarias
10 Ante diem quartum Idus Januarias
11 Ante diem tertium Idus Januarias
12 Pridie idus Januarias
13 Idibus Januariis
14 ante diem undevicesimum Kalendas Februarias
oder postridie idus Januarias
15 ante diem duodevicesimum Kalendas Februarias
16 ante diem septimum decimum Kalendas Februarias
17 ante diem sextum decimum Kalendas Februarias
18 ante diem quintum decimum Kalendas Februarias
19 ante diem quartum decimum Kalendas Februarias
20 ante diem tertium decimum Kalendas Februarias
21 ante diem duodecimum Kalendas Februarias
22 ante diem undecimum Kalendas Februarias
23 ante diem decimum Kalendas Februarias
24 ante diem nonum Kalendas Februarias
25 ante diem octavum Kalendas Februarias
26 ante diem septimum Kalendas Februarias
27 ante diem sextum Kalendas Februarias
28 ante diem quintum Kalendas Februarias
29 ante diem quartum Kalendas Februarias
30 ante diem tertium Kalendas Februarias
31 Pridie Kalendas Februarias

Für die übrigen Monate gilt entsprechend:

Monat Monatsname Tag der Kalenden Nonen oder Iden Andere Tage
Januar Ianuarius oder Januarius Kalendis Ianuariis
Nonis Ianuariis
Idibus Ianuariis
ante diem ... (oder pridie) Nonas Ianuarias
ante diem ... (oder pridie) Idus Ianuarias
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Februarias
Februar Februarius Kalendis Februariis
Nonis Februariis
Idibus Februariis
ante diem ... (oder pridie) Nonas Februarias
ante diem ... (oder pridie) Idus Februarias
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Martias
März Martius Kalendis Martiis
Nonis Martiis
Idibus Martiis
ante diem ... (oder pridie) Nonas Martias
ante diem ... (oder pridie) Idus Martias
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Apriles
April Aprilis Kalendis Aprilibus
Nonis Aprilibus
Idibus Aprilibus
ante diem ... (oder pridie) Nonas Apriles
ante diem ... (oder pridie) Idus Apriles
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Maias
Mai Maius Kalendis Maiis
Nonis Maiis
Idibus Maiis
ante diem ... (oder pridie) Nonas Maias
ante diem ... (oder pridie) Idus Maias
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Iunias
Juni Iunius oder Junius Kalendis Iuniis
Nonis Iuniis
Idibus Iuniis
ante diem ... (oder pridie) Nonas Iunias
ante diem ... (oder pridie) Idus Iunias
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Iulias
Juli Iulius oder Julius Kalendis Iuliis
Nonis Iuliis
Idibus Iuliis
ante diem ... (oder pridie) Nonas Iulias
ante diem ... (oder pridie) Idus Iulias
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Augustas
August Augustus Kalendis Augustis
Nonis Augustis
Idibus Augustis
ante diem ... (oder pridie) Nonas Augustas
ante diem ... (oder pridie) Idus Augustas
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Septembres
September September Kalendis Septembribus
Nonis Septembribus
Idibus Septembribus
ante diem ... (oder pridie) Nonas Septembres
ante diem ... (oder pridie) Idus Septembres
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Octobres
Oktober October Kalendis Octobribus
Nonis Octobribus
Idibus Octobribus
ante diem ... (oder pridie) Nonas Octobres
ante diem ... (oder pridie) Idus Octobres
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Novembres
November November Kalendis Novembribus
Nonis Novembribus
Idibus Novembribus
ante diem ... (oder pridie) Nonas Novembres
ante diem ... (oder pridie) Idus Novembres
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Decembres
Dezember December Kalendis Decembribus
Nonis Decembribus
Idibus Decembribus
ante diem ... (oder pridie) Nonas Decembres
ante diem ... (oder pridie) Idus Decembres
ante diem ... (oder pridie) Kalendas Ianuarias

Aufbau des Jahres

Vereinfachen wir etwas und betrachten nur die allgemeine Struktur.

Januarius Augustus December Aprilis Junius September November Martius Maius Julius October Februarius (normales Jahr) Februarius (Schaltjahr)
1 Kalendis Kalendis Kalendis Kalendis Kalendis
2 IV IV VI IV IV
3 III III V III III
4 Pridie Nonas Pridie Nonas IV Pridie Nonas Pridie Nonas
5 Nonis Nonis III Nonis Nonis
6 VIII VIII Pridie Nonas VIII VIII
7 VII VII Nonae VII VII
8 VI VI VIII VI VI
9 V V VII V V
10 IV IV VI IV IV
11 III III V III III
12 Pridie Idus Pridie Idus IV Pridie Idus Pridie Idus
13 Idibus Idibus III Idibus Idibus
14 XIX XVIII Pridie Idus XVI XVI
15 XVIII XVII Idibus XV XV
16 XVII XVI XVII XIV XIV
17 XVI XV XVI XIII XIII
18 XV XIV XV XII XII
19 XIV XIII XIV XI XI
20 XIII XII XIII X X
21 XII XI XII IX IX
22 XI X XI VIII VIII
23 X IX X VII VII
24 IX VIII IX VI VI *
25 VIII VII VIII V bis VI *
26 VII VI VII IV V
27 VI V VI III IV
28 V IV V Pridie Kalendas III
29 IV III IV 31 Pridie Kalendas
30 III Pridie Kalendas III 31 Alle 4 Jahre
31 Pridie Kalendas 31 Pridie Kalendas 31

* Mitunter findet man auch a. d. VI. Kal. Mart. posteriorem für den 24. und a. d. VI. Kal. Mart. priorem für den 25.

Was fehlte diesem Kalender noch, damit daraus der Kalender wurde, den wir heute kennen?

  1. Eine kleine Korrektur der Jahreslänge, die wir im letzten Teil sehen werden.
  2. Die Einführung der Wochen.

Diese letzte Veränderung sehen wir uns gleich an. Vorher aber entspannen wir uns kurz und versuchen, einen Kalender aus jener Zeit zu lesen.

Rekonstruierter Kalender von Anzio (Fasti Antiates), ausgestellt im Museo del Teatro de Caesaraugusta (Saragossa, Spanien). Dieser Kalender wird auf die Zeit zwischen 84 und 55 v. Chr. datiert. - Die Originalfragmente werden im Museum der Diokletiansthermen in Rom aufbewahrt.
Rekonstruierter Kalender von Anzio (Fasti Antiates), ausgestellt im Museo del Teatro de Caesaraugusta (Saragossa, Spanien). Dieser Kalender wird auf die Zeit zwischen 84 und 55 v. Chr. datiert.
Die Originalfragmente werden im Museum der Diokletiansthermen in Rom aufbewahrt. Bauglir / CC BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons

Hier handelt es sich noch um einen vorjulianischen Kalender, doch die Darstellung bleibt nach der Reform dieselbe.

Oben stehen die Monatsnamen, JAN, FEB, MAR und so weiter, jeweils mit einem k für Kalendae. Am Rand läuft ein Zyklus von acht Buchstaben ohne Unterbrechung von einem Monat in den nächsten über, A, B, C, D, E, F, G, H; er entspricht dem Acht-Tage-Zyklus der Nundinen. In der Hauptspalte des Monats sind die Iden und Nonen vermerkt, NON, EIDVS.

Ebenfalls in der Monatsspalte steht ein F für einen dies fastus, ein N für einen dies nefastus und ein C für einen dies comitialis, also einen Tag, an dem in den Komitien abgestimmt werden kann.

Nach dieser kleinen Übung kehren wir zu dem zurück, was dem julianischen Kalender noch fehlt: die Woche.

Sie existierte bereits in den chaldäischen und hebräischen Kalendern. Die Christen griffen dieses Modell auf.

Im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ehrten die Christen noch den jüdischen Sabbat. Allmählich weihten sie stattdessen den Tag der Auferstehung, also den Tag nach einem Sabbat, dem Herrn, und im 2. Jahrhundert war das bereits üblich.

Kopf des Kolosses Konstantins; dieses Teilstück ist 2,60 Meter hoch. Die vollständige Statue dürfte etwa 12 Meter hoch gewesen sein. - Marmor, römisches Werk, 312-315 n. Chr.
Kopf des Kolosses Konstantins; dieses Teilstück ist 2,60 Meter hoch. Die vollständige Statue dürfte etwa 12 Meter hoch gewesen sein.
Marmor, römisches Werk, 312-315 n. Chr. Jean-Pol GRANDMONT, Capitoline Museums / CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons

Konstantin, Kaiser von 324 bis 337.
Mit dem Edikt von Mailand gewährt er der Kirche volle Kultfreiheit. 330 verlegt er den Sitz des Reiches nach Byzanz. 337 empfängt Konstantin die Taufe und stirbt noch im selben Jahr.

312 ordnet Kaiser Konstantin, inzwischen Christ geworden, das Ende der Christenverfolgungen an. Es sieht allerdings so aus, als wäre Konstantin durchaus bereit gewesen, jede Religion zu „übernehmen“, solange sie seinen politischen Interessen diente. Das sei dahingestellt. Tatsache bleibt, dass er die Religion in den julianischen Kalender einführte.

Ohne den Kalender selbst anzutasten, also weder die Jahreslänge noch die Einteilung in zwölf Monate, nahm er drei wichtige Änderungen vor:

Damit blieb nur noch ein Problem zu lösen, damit der julianische Kalender zu dem Kalender werden konnte, den man noch heute kennt: Die Jahreslänge musste langfristig an das tropische Jahr angepasst werden.

Genau das sehen wir in unserem letzten Teil.

Der Jahresbeginn in den römischen Kalendern

Wann begann das Jahr in den verschiedenen römischen Kalendern? Die Frage wäre einfach, wenn es nur eine einzige Art von Jahr gegeben hätte.

Die Römer kannten aber das religiöse Jahr, das Amtsjahr der Magistrate, das bürgerliche Jahr und vielleicht sogar ein landwirtschaftliches Jahr.

Joannes Laurentius Lydus, genannt Johannes Lydos, erste Hälfte des 6. Jahrhunderts, schreibt in De mensibus 3.22, dass die Römer zwischen dem „religiösen“ Jahr, das im Januar begann, und dem „traditionellen“ Jahr, das im März begann, unterschieden.

Diese Unterscheidung muss uns nicht überraschen. Wir selbst kennen ja ebenfalls das bürgerliche Jahr, das Schuljahr oder das parlamentarische Jahr.

Annette Flobert schreibt in ihrer Übersetzung der Römischen Geschichte des Titus Livius in der Anmerkung zu Buch III, 36:

Das bürgerliche Jahr begann bis 479 v. Chr. [275 A.U.C.] im September, an den Iden oder Kalenden, und wurde danach um einen Monat vorverlegt, auf die Iden oder Kalenden des August. Von 449 [305 A.U.C.] bis 401 [353 A.U.C.] war es auf die Iden des Dezember festgelegt; danach schwankte es zwischen März und Oktober, bis es 153 [600 A.U.C.] auf den 1. Januar gesetzt wurde.

Sehen wir uns dieses Jahr 600 genauer an. In seiner Römischen Geschichte, Buch IV, Kapitel 1, schreibt Mommsen über das Jahr 600:

Unter einem Anführer namens Punicus stürzten sich die Lusitaner auf die römische Provinz, schlugen die beiden vereinigten Prätoren und töteten viele ihrer Soldaten. Die Vettonen, zwischen dem Tajo und dem oberen Douro, nutzten sofort die Gelegenheit, sich mit ihnen zu verbünden; verstärkt durch diese neuen Verbündeten drangen die Barbaren bis ans Mittelmeer vor. Sie verheerten sogar das Land der bastulo-phönizischen Städte unweit der römischen Hauptstadt Neucarthago, also Cartagena. Ihre Angriffe erschienen in Rom so ernst, dass man beschloss, wieder einen Konsul an den Schauplatz zu schicken, etwas, das es seit 559 [195 v. Chr.] nicht mehr gegeben hatte. Weil Eile geboten war, traten die beiden Konsuln zweieinhalb Monate früher ihr Amt an. Darauf geht zurück, dass die Einsetzung der höchsten jährlichen Amtsträger fortan auf den 1. Januar und nicht mehr auf den 15. März fiel. Damit wurde auch der Beginn des Jahres auf dieses Datum gelegt, das seitdem bis heute in Gebrauch blieb.

Der Jahresbeginn wurde also tatsächlich seit dem Jahr 600 A.U.C. auf den 1. Januar festgelegt.

Weiter schreibt Mommsen: „Bis 600 lief das offizielle Jahr der höheren Magistrate, Konsuln, Prätoren, kurulischen Ädilen und später auch der plebejischen Ädilen vom 15. März bis zum 14. März; das der Volkstribunen dauerte vom 10. Dezember bis zum 9. Dezember, ohne dass dadurch das bürgerliche Jahr vom 1. März bis Ende Februar berührt worden wäre. Ab 601 aber bildete das neue offizielle Jahr der kurulischen Magistrate vom 1. Januar bis Ende Dezember zugleich auch das gewöhnliche bürgerliche Jahr. Präzise Hinweise zeigen, dass dies schon seit dem 7. Jahrhundert Roms so war; deshalb kann man diese Änderung nicht auf ein späteres Datum setzen, etwa auf die Kalenderreform Caesars.“

Traditionen halten sich jedoch hartnäckig, und Zeremonien, die sich auf das alte Neujahr im März beziehen, bestehen weiter: die Erneuerung des Feuers und der Lorbeerzweige im Tempel der Vesta oder das Abnehmen der heiligen Schilde, die an den Mauern des alten Königspalastes hingen.

Und wie wir weiter oben bereits geschrieben haben, musste Caesar die Abschaffung des Neujahrs des alten Kalenders am 1. März tatsächlich noch einmal bestätigen, um an seine Stelle endgültig den 1. Januar zu setzen.

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