Ein wenig Geschichte
Einer der ältesten bekannten Hominiden, Lucy, rund drei Millionen Jahre alt, wurde in Äthiopien entdeckt, das oft als eine der Wiegen der Menschheit gilt.
Äthiopien, auf Griechisch das „Land der verbrannten Gesichter“, ist die Übersetzung des semitischen Habesha, woraus später auch Abessinien wurde. Das Land war schon den Pharaonen bekannt und wird im Alten Testament erwähnt. Dort liest man auch, dass Menelik I., Sohn König Salomos und der Königin von Saba, das äthiopische Reich gegründet habe.
Das Königreich Aksum entstand um 500 v. Chr. und seine Macht erstreckte sich über ganz Nordäthiopien und den größten Teil des Zentrums.
Ezana, der um 320 n. Chr. den Thron bestieg, bekehrte sich zum Christentum und schloss sich derselben monophysitischen Tradition an wie die koptischen Christen Ägyptens. Das Reich blühte mehrere Jahrhunderte lang.
Im 7. Jahrhundert trat der Islam auf, breitete sich rasch aus, und im 10. Jahrhundert zerfiel das Reich.
1137 übernahm die Agau-Dynastie der Zagwe die Macht. 1270 wurde sie von Yekuno Amlak wieder verdrängt.
Im 15. Jahrhundert entstand ein politisches System, das sich bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts halten sollte: eine absolute Monarchie mit einem „Kaiser“ (Negus) an der Spitze.
Im 16. Jahrhundert geriet das Reich unter muslimische Vorherrschaft, und der Negus rief die Portugiesen zu Hilfe. Die Muslime wurden 1543 besiegt; damit war die Ausbreitung des Islam in Äthiopien vorerst gestoppt.
Es folgte eine lange Phase dynastischer Wirren und des Niedergangs, bis Menelik II. 1889 an die Macht kam, das Reich wieder einte und Addis Abeba zur Hauptstadt machte.
Lij Iyasu, ein Großneffe Meneliks II., bestieg nach dessen Abdankung den Thron und wurde 1916 abgesetzt.
Die Macht ging auf Tafari über, der am 2. August 1930 als Negus Nagast („König der Könige“) unter dem Namen Haile Selassie I. gekrönt wurde. Er gab Äthiopien seine erste Verfassung. 1936 marschierte Mussolinis Italien in das Land ein, und Viktor Emanuel III., König von Italien, wurde Kaiser. Haile Selassie floh und kehrte erst 1941 mit britischer Hilfe auf den Thron zurück.
1952 entschieden die Vereinten Nationen sich für eine Föderation aus Eritrea und Äthiopien. Eritrea wurde 1962 zur angegliederten Provinz. Unmittelbar danach entstand eine nationale Widerstandsbewegung, die Eritreische Befreiungsfront.
1963 wurde der Sitz der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in Addis Abeba eingerichtet.
Im Februar 1974 brach ein Aufstand in der Armee aus, nachdem Haile Selassie die inneren Probleme Äthiopiens ignoriert hatte: Ungleichheit, Unterentwicklung und Hungersnöte. Am 12. September wurde er von der Militärjunta gestürzt.
Nach einer Phase sozialer und politischer Unruhen wurde Oberstleutnant Mengistu Haile Mariam 1977 Präsident des Ministerrats und des Militärrats. Es folgte eine Zeit der Säuberungen und des Terrors. Zugleich musste er sich mit bewaffneten Aufständen im Ogaden, in Eritrea und in Tigray sowie mit einem Krieg gegen Somalia auseinandersetzen.
1984/85 löste eine große Dürre im Nordwesten des Landes eine verheerende Hungersnot aus. Das Regime Mengistus, das vor allem von Kuba und der Sowjetunion gestützt wurde, überlebte weder den Zusammenbruch der UdSSR noch die inneren Bewegungen, insbesondere die EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker) und die EPLF (Volksbefreiungsfront Eritreas).
Im Mai 1991 ging Mengistu ins Exil nach Simbabwe, und die EPRDF zog in Addis Abeba ein.
Die Unabhängigkeit Eritreas wurde am 3. Mai 1993 anerkannt. Die Wahlen von 1992 und 1994 gewann die EPRDF. Das Parlament wählte Negasso Gidada im August 1995 zum Präsidenten der Republik. Er ernannte Meles Zenawi, den Vorsitzenden der EPRDF, zum Regierungschef.
Die Grenzprobleme zwischen Eritrea und Äthiopien dauern bis heute an...
Der Kalender
Wie der koptische Kalender geht auch der äthiopische Kalender auf den ägyptischen Wandelkalender zurück, allerdings mit einer Regelung für Schaltjahre.
Er ähnelt daher stark dem julianischen Kalender.
Das Jahr besteht aus zwölf Monaten zu 30 Tagen, gefolgt von einem „kleinen Monat“ mit 5 oder 6 Epagomenen: 5 Tage in gewöhnlichen Jahren und 6 Tage in Schaltjahren.
| Monat | Name | Julianische Monate | Gregorianische Monate |
|---|---|---|---|
| 1 | Meskerem | August/September | September/Oktober |
| 2 | Tekemt | September/Oktober | Oktober/November |
| 3 | Hedar | Oktober/November | November/Dezember |
| 4 | Tahesas | November/Dezember | Dezember/Januar |
| 5 | Ter | Dezember/Januar | Januar/Februar |
| 6 | Yekatit | Januar/Februar | Februar/März |
| 7 | Meggabit | Februar/März | März/April |
| 8 | Miyazia | März/April | April/Mai |
| 9 | Genbot | April/Mai | Mai/Juni |
| 10 | Sené | Mai/Juni | Juni/Juli |
| 11 | Hamlé | Juni/Juli | Juli/August |
| 12 | Nahasé | Juli/August | August/September |
| 13 | Pagumé | vom 24. August bis 28. oder 29. August | vom 6. September bis 10. oder 11. September |
Im Unterschied zum ägyptischen Wandelkalender hat dieser Kalender einen festen Ausgangspunkt: Der 1. Meskerem des Jahres 1 entspricht dem 29. August des julianischen Jahres 8.
Wie im gregorianischen Kalender bezieht sich dieser Ausgangspunkt auf die Geburt Christi. Das Problem ist nur, dass dieses Geburtsdatum umstritten ist. Die Äthiopier haben daher eine Datierung gewählt, die um 7 oder 8 Jahre von der des gregorianischen Kalenders abweicht. Wahrscheinlich liegt sie noch weiter von der historischen Realität entfernt.
Das äthiopische Neujahr (Enkutatash) beginnt an dem Tag, der heute dem 11. oder 12. September des gregorianischen Kalenders entspricht, also dem 29. oder 30. August des julianischen Kalenders.
Die Schaltjahre
Sie folgen dem Rhythmus des gregorianischen Kalenders auf folgende Weise: Ein äthiopisches Jahr ist dann ein Schaltjahr, wenn das Ende des entsprechenden gregorianischen Jahres unmittelbar vor einem gregorianischen Schaltjahr liegt.
Beispiel: Nahasé 1995 (äthiopisch) entspricht August/September 2003 (gregorianisch). 2003 geht 2004 voraus, und 2004 ist ein Schaltjahr. 1996 E.E. ist also ein Schaltjahr.
Die äthiopische Woche
Die äthiopische Woche umfasst sieben Tage, wobei der Sonntag der erste Tag ist. Die Wochentage heißen wie folgt:
| Deutscher Tag | Äthiopischer Tag |
|---|---|
| Sonntag | Ehud |
| Montag | Segno |
| Dienstag | Maksegno |
| Mittwoch | Rebu |
| Donnerstag | Hamus |
| Freitag | Arb |
| Samstag | Kidamie |