Lässt man den internationalen gregorianischen Kalender außen vor, benutzen die Balinesen im Unterschied zu den übrigen Indonesiern vor allem zwei Kalender, die eng ineinandergreifen:
- den Saka-Kalender, auch Sasih-Zyklus oder Çaka genannt, hinduistischen Ursprungs und für die landwirtschaftlichen Zyklen zuständig;
- den Wuku- oder Pawukon-Kalender, an dem die Balinesen ganz besonders hängen.
1) Der Saka-Kalender
Der Saka-Kalender, der in Indien und Pakistan verwendet wird, ist in Mondmonate (Sasih) gegliedert, berücksichtigt aber auch das tropische Jahr. Genau darum geht es im Folgenden.
Vorab der Ausgangspunkt: Er beginnt im Jahr 78 unserer Zeitrechnung. Das Saka-Jahr 1901 begann also am 29. März 1979.
Er besteht aus 12 Sasih-Monaten zu je 30 Tagen.
| Monat | Name | Monat | Name |
|---|---|---|---|
| 1 | Kasa | 7 | Kepitu |
| 2 | Karo | 8 | Kaulu |
| 3 | Ketiga | 9 | Kesanga |
| 4 | Kapat | 10 | Kedasa |
| 5 | Kelima | 11 | Desta oder Jiyestha |
| 6 | Kenem | 12 | Sada |
Ein Mondmonat beginnt am Tag nach dem Neumond, der Tilem heißt. Der Vollmond heißt Purnama.
Die ersten 15 Tage des zunehmenden Mondes heißen Tanggal. In Kalendern sind sie rot markiert.
Die folgenden 15 Tage des abnehmenden Mondes heißen Penanggal. In Kalendern sind sie schwarz markiert.
Die Jahre werden durchnummeriert. Da der Kalender im Jahr 78 n. Chr. ansetzt, entspricht das Jahr 2002 zum Beispiel dem Saka-Jahr 1924 (2002 - 78 = 1924).
Wir haben gesehen, dass der Saka-Kalender auch mit dem tropischen Jahr Schritt halten soll. Auf der Seite Astronomie sieht man jedoch, dass eine Lunation ungefähr 29,5 Tage dauert.
Um diese Abweichung auszugleichen, sieht der Saka-Kalender vor, dass alle 63 Tage ein Sonnentag zwei Mondtage umfasst. Anders gesagt: Ein Mondmonat entspricht dann nur 29 Sonnentagen.
Dieser Tag mit zwei Mondtagen heißt Pangunalatri und trägt zwei Monddaten. Er fällt immer auf einen Dienstag. Vor dem 01.01.2000 war es ein Mittwoch.
Damit ist die Monatskorrektur erklärt. Bleibt die Länge des Jahres. Ein bürgerliches Jahr hat 365 oder 366 Tage, ein Mondjahr dagegen nur 354. Die Differenz beträgt also fast elf Tage.
Die Lösung ist einfach: Alle drei Jahre wird ein zusätzlicher Monat von 30 Tagen eingefügt.
Dieser Monat wird nach dem 12. Monat eingeschoben, wenn das Jahr gewöhnlich ist, und nach dem 11. Monat, wenn das Jahr ein Schaltjahr ist. Er trägt den Namen des Monats, an den er angehängt wird, mit vorangestelltem Nampih (Nampih Desta oder Nampih Jiyestha in gewöhnlichen Jahren, Nampih Sada in Schaltjahren). Das Saka-Neujahr: Es ist der erste Tag des 10. Mondmonats (Kedasa) und heißt Nyepi (Tag der Stille). Es ist ein Ruhe-, Gebets- und Schweigetag, an dem alle zu Hause bleiben. Gefeiert wird am Vorabend, also am letzten Tag des vorangehenden Jahres. Dieser Tag fällt gewöhnlich in unseren März.
Aufgrund der Lage des Neujahrstags rechnet man das Jahr wie folgt: Liegt das zu betrachtende Datum vor Nyepi, zieht man 79 ab, liegt es danach, 78.
2) Der Wuku- oder Pawukon-Kalender
Kann man bei einem System wirklich von einem Kalender sprechen, wenn es lediglich Tage zyklisch ablaufen lässt, die Zyklen aber weder nummeriert noch mit einem Anfang versieht? Ich persönlich bin da eher skeptisch.
Trotzdem lohnt sich dieser „Kalender“ wegen seiner Originalität.
Der Pawukon beruht auf einem Zyklus von 210 Tagen.
Dieser Zyklus ist in verschiedene „Wochen“ gegliedert, die zwischen 1 und 10 Tagen lang sein können.
Jeder Tag jeder Woche trägt einen eigenen Namen, und auch die Sieben-Tage-Wochen, insgesamt 30 an der Zahl, haben jeweils einen eigenen Namen.
Hier die Namen dieser 30 Sieben-Tage-Wochen:
| W. | Name | W. | Name | W. | Name | W. | Name | W. | Name |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Sinta | 7 | Wariga | 13 | Langkir | 19 | Tambir | 25 | Bala |
| 2 | Landep | 8 | Warigadian | 14 | Medangsia | 20 | Medangkungan | 26 | Ugu |
| 3 | Ukir | 9 | Julungwangi | 15 | Pujut | 21 | Matal | 27 | Wayang |
| 4 | Kulantir | 10 | Sungsang | 16 | Pahang | 22 | Uye | 28 | Kelawu |
| 5 | Taulu | 11 | Dunggulan | 17 | Krulut | 23 | Pujut | 29 | Dukut |
| 6 | Gumbreg | 12 | Kuningan | 18 | Merakih | 24 | Prangbakat | 30 | Watugunung |
Die folgende Tabelle nennt die Tagesnamen je nach Wochenlänge. Bei der Ein-Tage-Woche gibt es in Wirklichkeit zwei Tage, von denen einer namenlos bleibt.
Die zehn verschiedenen Wochensysteme tragen ebenfalls eigene Namen: Sanskrit-Zahl + Wara, also „Woche“.
| W 1 T. | W 2 T. | W 3 T. | W 4 T. | W 5 T. | W 6 T. | W 7 T. | W 8 T. | W 9 T. | W 10 T. | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ekawara | Dwiwara | Triwara | Caturwara | Pancawara | Sadwara | Saptawara | Astawara | Nawawara | Dasawara | |
| 1 | Luang | Menga | Pasah | Sri | Umanis | Tungleh | Redite | Sri | Dangu | Pandita |
| 2 | 1 | Pepet | Beteng* | Laba | Paing | Ariang | Coma | Indra | Jangur | Pati |
| 3 | 1 | 1 | Kajeng | Jaya | Pon | Urukang | Anggara | Guru | Gigis | Suka |
| 4 | 1 | 1 | 1 | Menala | Wagé | Paniron | Buda | Yama | Nohan | Duka |
| 5 | 1 | 1 | 1 | 1 | Kliwon | Was | Wraspati | Ludra | Ogan | Sri |
| 6 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | Maulu | Sukra | Brahma | Erangan | Manuh |
| 7 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | Saniscara | Kala | Urungan | Manusa |
| 8 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | Uma | Tulus | Eraja |
| 9 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | Dadi | Dewa |
| 10 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | Raksasa |
* Beteng heißt auch Pekenan.
Die Tage werden benannt, indem man den Namen des Tages der Sieben-Tage-Woche und den Namen der Woche zusammensetzt, zum Beispiel Sukra Ugu. Häufig ergänzen die Balinesen zusätzlich den Tag der Fünf-Tage-Woche. Aus unserem Beispiel wird dann Sukra Umanis d'Ugu.
Wie verteilt man all diese Tage der verschiedenen Wochen über einen Zyklus von 210 Tagen?
Was man nicht tun darf: einfach die obige Tabelle nehmen und die Wochen blind bis 210 Zeilen fortschreiben.
Denn erstens hängt die Verteilung mancher Tage einer Woche von der Verteilung anderer Wochen ab. Zweitens ergibt 210 geteilt durch 4, 8 oder 9 keine ganze Zahl. Für die Vier-, Acht- und Neun-Tage-Wochen braucht man also Zusatztage.
Wochen, die sich direkt zyklisch fortschreiben lassen: 3-, 5-, 6- und 7-Tage-Wochen. Hier reicht es, die Tabelle ohne Unterbrechung weiterzuführen, also zum Beispiel bei der Fünf-Tage-Woche Umanis ... Kliwon, Umanis ... Kliwon.
„Berechnete“ Wochen: 1-, 2- und 10-Tage-Wochen. Um ihre Tage zu bestimmen, werden die 5-, 7- und 10-Tage-Wochen als Referenz indiziert.
| Woche mit 5 Tagen | INDEX | Woche mit 7 Tagen | INDEX | Woche mit 10 Tagen | INDEX | Pancawara | Saptawara | Dasawara |
|---|---|---|---|---|---|
| Umanis | 5 | Redite | 5 | Pandita | 1 |
| Paing | 9 | Coma | 4 | Pati | 2 |
| Pon | 7 | Anggara | 3 | Suka | 3 |
| Wagé | 4 | Buda | 7 | Duka | 4 |
| Kliwon | 8 | Wraspati | 8 | Sri | 5 |
| 1 | 1 | Sukra | 6 | Manuh | 6 |
| 1 | 1 | Saniscara | 9 | Manusa | 7 |
| 1 | 1 | 1 | 1 | Eraja | 8 |
| 1 | 1 | 1 | 1 | Dewa | 9 |
| 1 | 1 | 1 | 1 | Raksasa | 0 |
Und nun zu den Regeln:
- Woche mit 1 Tag: Ergibt der Index der Sieben-Tage-Woche plus der Index der Fünf-Tage-Woche eine ungerade Zahl, heißt der Tag der Ein-Tage-Woche Luang. Sonst bleibt er namenlos.
- Woche mit 2 Tagen: Ergibt Index 7 + Index 5 eine gerade Zahl, heißt der Tag Menga.
- Woche mit 10 Tagen: Man addiert die Indizes der Sieben- und Fünf-Tage-Woche, addiert 1 hinzu und teilt das Ergebnis durch 10. Der Rest der Division liefert den Index des Tages in der Zehn-Tage-Woche.
Zum Schluss müssen noch die Zusatztage für die Vier-, Acht- und Neun-Tage-Wochen verteilt werden.
- Wochen mit 4 und 8 Tagen: Am Beginn der elften Woche (Dunggulan) werden zwei Tage eingefügt, also zwei Jaya für die Vier-Tage-Woche und zwei Kala für die Acht-Tage-Woche. In beiden Wochen folgen damit drei Tage gleichen Namens direkt aufeinander.
- Woche mit 9 Tagen: Am Anfang des Zyklus, also in Woche 1 (Sinta), wird Dangu dreimal zusätzlich eingefügt. Dadurch folgen vier Tage mit dem Namen Dangu direkt aufeinander.
Wer sich einen Pawukon-Kalender anlegen möchte: Ein Zyklusbeginn fiel auf den 10.02.2002.
Warum gibt es einen solchen 210-Tage-Zyklus mit so vielen verschiedenen Wochen?
Eine sichere Antwort kann wahrscheinlich nur jemand aus Bali geben. Auf Bali gibt es immer einen Anlass zum Feiern. Gefeiert wird für Götter, Berufe oder einen der rund 20.000 Tempel der Insel. Jeder Tempel hat einmal pro Jahr sein Fest. Vielleicht liegt genau in dieser Dichte an Festtagen der Grund für den Pawukon.
Eine vollständige Auflistung aller Feste Balis würde den Rahmen dieser Seite weit sprengen. Deshalb beschränken wir uns auf ein paar Beispiele, die zeigen, wozu der Pawukon dient.
Auffällig ist immerhin, dass vor allem die 3-, 5- und 7-Tage-Wochen benutzt werden. Der letzte Tag der 3-Tage-Woche (Triwara) ist zum Beispiel Markttag in den Dörfern.
Außerdem gelten bestimmte Kombinationen von Tagesnamen aus zwei verschiedenen Wochen als so wichtig, dass sie einen eigenen Namen bekommen. Sie markieren besondere Feste oder Feiern. Ein wichtiges hinduistisches Fest fällt etwa auf die Übereinstimmung von Anggara aus der Sieben-Tage-Woche und Kliwon aus der Fünf-Tage-Woche. Dieser Tag heißt dann Anggar Kasih.
Es können auch ein bestimmter, aus zwei markanten Wochentagen gebildeter Tag und eine bestimmte Woche zusammenkommen.
Das Paar Saniscara-Kliwon (Sieben-Tage-Woche und Fünf-Tage-Woche) heißt zum Beispiel Tumpek.
Im 210-Tage-Zyklus gibt es sechs Tumpek.
Treffen dieser Tag und ein bestimmter Wochenname zusammen, entsteht daraus wiederum eine eigene Bezeichnung. Fällt Tumpek etwa in Woche 7 (Wariga), heißt der Tag Tumpek Uduh und ist der Pflege der Kokospalmen gewidmet.
Ein weiteres wichtiges Fest ist Galungan (Buda aus der Sieben-Tage-Woche, Kliwon aus der Fünf-Tage-Woche, Woche 11 Dunggulan). An diesem Tag besuchen die Ahnen und alle Gottheiten die Lebenden. Die Feierlichkeiten dauern zehn Tage und enden an Kuningan (Saniscara aus der Sieben-Tage-Woche, Kliwon aus der Fünf-Tage-Woche, Woche 12 Kuningan).
Vielleicht machen gerade diese Beispiele Lust, im Web oder anderswo nach den Fest- und Feiertagen auf Bali weiterzusuchen.