Zur Einführung
Der Satz, den Sie gerade lesen, wurde in Frankreich am 20. Mai 2006 um 8.00 Uhr geschrieben. Im selben Augenblick ist es auf den Samoa-Inseln im Pazifik Freitag, der 19. Mai, gegen 19.30 Uhr. Und überall auf der Welt wird man vergeblich nach weiteren gregorianischen Daten für denselben Augenblick suchen: Es gibt nur den 19. oder den 20. Mai 2006.
Wenn also in manchen Ländern gerade Monatsanfang ist, etwa der 1. Oktober, kann es in anderen noch der letzte Tag des Vormonats sein, im Beispiel also der 30. September.
Im muslimischen religiösen Kalender hingegen lässt sich feststellen, dass der 1. Schawwal 1426, also der Tag des Id al-Fitr im Jahr 2005 des gregorianischen Kalenders, in Libyen und Nigeria auf Mittwoch, den 2. November 2005 fiel, in 30 Ländern, darunter Algerien, Ägypten, Saudi-Arabien und ein Teil der USA, auf Donnerstag, den 3. November, in 13 Ländern, etwa Südafrika, Kanada, einem Teil der USA und Iran, auf Freitag, den 4. November, und in einem Teil Indiens sogar auf Samstag, den 5. November.
Warum diese Vielzahl von Daten für dasselbe Ereignis, obwohl sie sich nicht durch eine bloße Zeitverschiebung erklären lässt?
Im Lauf dieser Seite wollen wir versuchen, dieses Problem, denn genau das ist es, besser zu verstehen. Dazu erinnern wir kurz an das Prinzip des Monatsbeginns im muslimischen religiösen Kalender und an die unterschiedlichen Auslegungen, die sich daraus ergeben.
Unser Ziel ist nicht, Partei für die eine oder andere Schule zu ergreifen, sondern die Dinge, soweit möglich, klarer zu sehen. Danach kann sich jeder selbst ein Urteil bilden.
Erinnerung an die Regeln des Monatsbeginns
Die Regeln sind einfach, zumindest in ihrer Formulierung: Das Jahr zählt zwölf Mondmonate. Jeder Monat beginnt mit der ersten sichtbaren Mondsichel nach dem Neumond, wobei man nicht vergessen darf, dass der Tag mit dem Sonnenuntergang anfängt, und dauert bis zum nächsten Erscheinen dieser Sichel. Dieser Zeitraum kann weder länger als 30 Tage noch kürzer als 29 sein.
Im weiteren Verlauf dieser Seite nennen wir diese „erste sichtbare Mondsichel“ Hilal. Erstens, weil sich das schneller schreiben lässt als „erste sichtbare Mondsichel“. Zweitens, weil dies der arabische Name für diesen besonderen Augenblick ist.
Um die Probleme zu verstehen, die diese Regeln verursachen, müssen wir einen kleinen Umweg über die Astronomie des Mondes und seiner Sicheln machen. Da wir nicht unbedingt alle begeisterte Astronomen sind, werden wir versuchen, dies mit einem Minimum an gelehrten Begriffen zu tun. Wer sich in Astronomie auskennt, kann das folgende Kapitel natürlich überspringen.
Ein wenig Astronomie: die Mondphasen
Hinweis: Dieser Abschnitt und der nächste wurden dank der wertvollen Hinweise von Patrick Rocher vom IMCCE geschrieben. Ich danke ihm herzlich dafür.
„Minimum“ heißt nicht „gar keine“. Deshalb erlauben wir uns einen Begriff aus dem Vokabular der Astronomen: Ekliptik.
Erinnern wir uns an einige Dinge, die wir in der Schule gelernt haben:
- Alle Planeten, darunter auch die Erde, kreisen um die Sonne.
- Der Mond als natürlicher Satellit kreist um die Erde.
- Von allen Körpern des Sonnensystems ist nur die Sonne selbst eine Lichtquelle. Der Mond leuchtet also nicht aus eigener Kraft, sondern reflektiert lediglich das Sonnenlicht.
Die Ebene, die die Erdbahn um die Sonne bildet, nennt man Ekliptik. Wenn wir uns senkrecht über der Sonne relativ zu dieser Ebene positionieren, erscheint das Trio Sonne-Erde-Mond wie in Abbildung 1.
Die Größenverhältnisse sind in keiner Weise maßstabsgerecht, weder hier noch in Büchern oder auf Websites. Um mit den Worten von Patrick Rocher vom IMCCE zu sprechen: "Wenn man die drei Körper maßstabsgetreu zeichnen wollte, wäre das unmöglich. Stellt man die Erde etwa als Kreis mit 2 cm Radius dar, müsste der Mond als Kreis mit 0,55 cm Radius in einer Entfernung von ungefähr 1,20 m von der Erde gezeichnet werden; wollte man die Sonne ebenfalls darstellen, hätte sie einen Radius von 2,18 m und läge 469 m von der Erde entfernt."
Im Rahmen unserer Untersuchung werden wir auf eine erste Schwierigkeit stoßen, wir werden später sehen, weshalb sie eine ist: Weder Erde noch Mond bewegen sich auf einem Kreis. Tatsächlich handelt es sich, wie in Abbildung 2 zu sehen, um eine Ellipse. Auch dort sind die Proportionen nicht eingehalten, denn diese Ellipsen liegen sehr nahe am Kreis. Beim Mond, der uns hier besonders interessiert, schwankt die Entfernung Erde-Mond zwischen 356 400 km und 406 700 km.
Auch wenn die Differenz zwischen Mindest- und Maximalentfernung nicht sehr groß scheint, reicht sie aus, damit seine Geschwindigkeit um die Erde nicht konstant bleibt. Nach einem Gesetz des Astronomen Kepler (1571-1630) bewegt er sich nämlich schneller, wenn er der Erde näher ist, und langsamer, wenn er weiter entfernt ist. Der Unterschied kann in der Winkelgeschwindigkeit bis zu 30 % betragen. Halten wir diese Besonderheit fest und setzen wir unseren Blick fort.
Nehmen wir Abbildung 1 zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal auf, in Abbildung 3:
In diesem Augenblick liegt die Projektion des Mondes in die Ebene der Ekliptik genau auf einer gedachten Linie durch Erde und Sonne. Von der Erde aus gesehen liegt die beleuchtete Seite der Mondoberfläche dann auf der der Erde abgewandten Seite. Der Mond ist also für einen Beobachter vollständig unsichtbar. Das ist der Neumond.
Machen wir ein kleines Experiment und halten wir einen Tennisball in Richtung Sonne mit ausgestrecktem Arm vor uns. Der Teil des Balls, den wir sehen, liegt vollständig im Schatten.
Man muss gut verstehen, dass die Definition des Neumonds und damit auch der Mondphasen eine geozentrische Definition ist. Sie beruht auf dem Winkel, der von der Richtung Sonnenzentrum - Erdzentrum und der Richtung Projektion des Mondzentrums in die Ebene der Ekliptik - Erdzentrum gebildet wird. Diese geozentrische Definition der Phasen liefert also für den Neumond einen einzigartigen, genau bestimmten Zeitpunkt. Astronomen veröffentlichen diesen Zeitpunkt gewöhnlich in koordinierter Weltzeit, UTC. Natürlich kann derselbe einzigartige Zeitpunkt, wenn man ihn in die gesetzliche Uhrzeit eines Landes umrechnet, je nach Zeitverschiebung einen Kalendertag nach vorn oder nach hinten springen lassen. Dasselbe gilt für alle geozentrischen Phänomene. Ein geozentrisches Phänomen, das etwa um 23.10 Uhr UTC stattfindet, ereignet sich in der französischen gesetzlichen Zeit im Winter um 0.10 Uhr des folgenden Tages und im Sommer um 1.10 Uhr.
Wie viel Zeit vergeht im Durchschnitt zwischen zwei Neumonden? Diese sogenannte „mittlere synodische Revolution“ oder mittlere Lunation dauert 29,530588 Tage, also 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,8 Sekunden. Auch wenn das hier nicht unser Hauptthema ist, halten wir fest, dass diese Lunation nicht der mittleren Zeit entspricht, die der Mond braucht, um die Erde zu umrunden und relativ zu einem Stern an denselben Punkt zurückzukehren. Diese sogenannte mittlere siderische Revolution dauert 27,321661 Tage.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich um Durchschnittswerte handelt und dass die tatsächlichen Dauern, also jene, die uns für die Beobachtung der ersten Sichel interessieren, um plus oder minus sieben Stunden von diesen Mittelwerten abweichen können.
Wer bis hierher folgt, fragt sich vielleicht, warum es dann nicht bei jedem Neumond irgendwo auf der Erde eine Sonnenfinsternis gibt, wenn der Mond doch ungefähr alle 29,5 Tage zwischen Sonne und Erde steht. Die Frage ist berechtigt, und doch ist die Schlussfolgerung falsch.
Stellen wir uns nämlich nicht mehr senkrecht über die Ebene der Erdbahn wie in Abbildung 1 vor, sondern mit den Füßen auf der Ebene der Ekliptik, dann entdecken wir Folgendes in Abbildung 4a:
Man erkennt, selbst wenn Maßstab und Winkel nicht eingehalten sind, dass die Bahnebene des Mondes nicht in der Ebene der Ekliptik liegt, sondern gegenüber ihr um ungefähr 5° geneigt ist.
Deshalb haben wir oben von der „Projektion des Mondes in die Ebene der Ekliptik“ gesprochen. Nur sehr selten befindet sich der Mond tatsächlich exakt auf der Linie Sonnenzentrum-Erdzentrum. An seinem Erscheinungsbild, also an der sichtbaren beleuchteten Fläche, ändert das allerdings nichts. Hebt oder senkt man unseren Tennisball leicht über oder unter die Linie Augen-Sonne, so sieht man immer noch nur seine Schattenseite.
Man sieht außerdem, dass auch die Äquatorebene der Erde gegen die Ebene der Ekliptik um ungefähr 23° geneigt ist.
Wie in Abbildung 4b zu sehen ist, schneiden sich beide Ebenen entlang einer Linie, die man Knotenlinie nennt.
Vereinfacht gesagt haben jene, die aufmerksam folgen, nur dann recht, wenn sie annehmen, dass es eine Sonnenfinsternis gibt, wenn der Mond zur Zeit des Neumonds in der Nähe dieser Linie steht. Alle anderen Finsternisse „verlaufen sich im Raum“, weil die Erde nicht in der Verlängerung einer gedachten Linie Sonne-Mond liegt.
Und um unser Verständnis des Mechanismus Sonne-Erde-Mond noch weiter zu erschweren, muss man hinzufügen, dass sich die Mondbahnebene und damit die Knotenlinie in der Ebene der Ekliptik in 18,6 Jahren dreht, und zwar gegen den Uhrzeigersinn.
Wer es eilig hat, mag sich fragen, was uns der Neumond überhaupt angeht, wo uns doch eigentlich die erste Sichel interessiert. Auch wenn ich am liebsten sagen würde, dass ich diese Seite schreibe und daher über ihre Reihenfolge entscheide, sage ich lieber: Geduld, es kommt gleich.
Wir haben jetzt verstanden, siehe Abbildung 5, dass immer dann Neumond ist, wenn die Projektion des Mondes in der Ekliptik in Richtung Sonne-Erde fällt. Dann sagt man, Mond und Sonne stehen in Konjunktion, und der Mond geht fast gleichzeitig mit der Sonne auf und unter.
In Abbildung 5a ist Neumond, weil die Projektion des Mondes auf die Ebene der Ekliptik die Linie Erde-Sonne schneidet.
In Abbildung 5b gibt es nicht nur Neumond, sondern zusätzlich eine Sonnenfinsternis.
Steht dagegen die Erde zwischen Sonne und Mond, dann ist Vollmond. Dann sagt man, Sonne und Mond stehen in Opposition. Der Mond geht auf, wenn die Sonne untergeht, und unter, wenn sie aufgeht. Die beleuchtete Mondseite zeigt dann zur Erde, und wir sehen ihn nahezu als ganze Scheibe.
Was geschieht zwischen diesen beiden extremen Phasen?
Tatsächlich ist immer diejenige Mondhälfte beleuchtet, die der Sonne zugewandt ist. Aus unserer Beobachterposition sehen wir jedoch nach und nach einen größeren Teil dieser beleuchteten Fläche, und wir durchlaufen alle Mondphasen, die zunehmenden ebenso wie, nach dem Vollmond, die abnehmenden, wie in Abbildung 6 dargestellt, die Patrick Rocher vom IMCCE verdanken ist.
Kurz gesagt: Die Phasen entstehen durch die relative Stellung des Erdbeobachters zum Mond. Drehen wir uns mit unserem Tennisball auf der Stelle, sehen wir immer mehr von seiner beleuchteten Oberfläche. Ganz beleuchtet erscheint der Ball, wenn wir der Sonne den Rücken zuwenden, vorausgesetzt, wir halten ihn etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne. Sonst steuern wir direkt auf die Finsternis zu.
Fügen wir hinzu, dass die Phasen, wie sie gezeichnet werden, schematisch sind und dass die beleuchtete Fläche je nach Ort nicht immer gleich erscheint, auch wenn es sich stets um denselben beleuchteten Teil handelt.
Stellen wir uns einen Beobachter vor, der auf einer Achse senkrecht zur Ebene der Ekliptik steht. Wie sieht er den Mond etwa im ersten Viertel, wenn er sich in der Nähe von Punkt H befindet, der wegen der Erdneigung nicht einfach mit dem Nordpol identisch ist, von Punkt O oder von Punkt B?
- Für den Beobachter bei Punkt H ist die rechte Mondhälfte sichtbar und der Mond steht am Horizont. Das ist das linke Foto.
- Für den Beobachter bei Punkt O ist die untere Mondhälfte sichtbar und der Mond steht im Zenit. Das ist das mittlere Foto.
- Für den Beobachter bei Punkt B ist die linke Mondhälfte sichtbar und der Mond steht am Horizont. Das ist das rechte Foto.
Wie bei den Phasen gibt es auch hier alle Zwischenmöglichkeiten, je nachdem, wo wir uns befinden, und wir sehen den Mond in mehr oder weniger geneigter Form. Aber vergessen wir nicht: Ganz gleich, wo wir stehen, die beleuchtete Fläche ist immer dieselbe.
Noch ein wenig Astronomie: die erste Sichel
In diesem Abschnitt zoomen wir auf einen Zeitraum von einigen Stunden, der den Neumond und die erste sichtbare Mondsichel, den Hilal, umfasst, und stellen uns einige Fragen praktischer Astronomie.
Was ist das Alter des Mondes?
Das ist das Zeitintervall, gemessen in Tagen und Stunden, seit dem Neumond. Beispielsweise sagt man, der Mond sei beim Vollmond 14 Tage alt.
Was ist unter Mahaq zu verstehen?
Das ist die Phase des Neumonds. Eigentlich ist der Neumond ein ganz bestimmter Augenblick. Der Neumond im Mai 2006 fand beispielsweise am 27. Mai um 05.27 Uhr UTC statt.
Für einen Beobachter auf der Erde bleibt der Mond dennoch für eine gewisse Zeit unsichtbar, die etwa zwischen 30 Stunden, also ungefähr 15 Stunden vor und 15 Stunden nach dem Neumond, und 50 Stunden schwankt. Diese Periode völligen Verschwindens des Mondes an jedem Beobachtungsort nennt man Mahaq.
„Neumond“ oder „Neumonde“?
Wir haben im vorherigen Abschnitt, theoretische Astronomie, Abbildung 5, gesehen, dass es nur einen einzigen Neumond für alle gibt. Das ist der präzise Augenblick, an dem die Projektion des Mondes in der Ebene der Ekliptik genau auf der gedachten Linie durch Erde und Sonne liegt, also die Konjunktion.
Diese astronomische Definition ist jedoch geozentrisch, sie geht also von einem Beobachter im Erdzentrum aus. In Wirklichkeit befinden wir uns auf der Erdoberfläche. Für einen irdischen Beobachter fallen die Linien Beobachter-Sonne und Beobachter-Projektion des Mondzentrums daher nicht mit dem geozentrischen Neumond zusammen. Die Abweichung kann mehrere Stunden betragen. Außerdem kann der Mond zu diesem Zeitpunkt durchaus noch unter dem Horizont liegen. Dieses Phänomen beruht auf der Nähe des Mondes. Astronomen nennen es Parallaxe. Der Unterschied zwischen der Richtung des Mondes vom Erdzentrum aus und jener von der Erdoberfläche aus kann bis zu 1° erreichen, also ungefähr den doppelten scheinbaren Monddurchmesser.
Diese Parallaxe lässt sich mit jener der Fotografen vergleichen, wenn Objektiv und Sucher bei einer Kamera nicht genau dasselbe Bild sehen. In unserem Fall entspricht das Zentrum des Objektivs dem Erdzentrum, der Sucher dem Beobachter auf der Oberfläche.
Um sich das klarzumachen, genügt es, sich daran zu erinnern, dass eine Sonnenfinsternis nicht auf der gesamten beleuchteten Erdhalbkugel sichtbar ist.
Und erinnern wir uns: Eine totale Sonnenfinsternis ist nichts anderes als ein sichtbarer Neumond. Dasselbe Problem stellt sich also auch bei der Beobachtung der ersten Sichel, des Hilal.
Wo sucht man nach dem Hilal?
Wir haben weiter oben gesehen, dass der Mond bei Konjunktion fast gleichzeitig mit der Sonne untergeht. Um die erste Mondsichel zu sehen, genügt es also, nachdem man in einem Ephemeriden nach Datum und Uhrzeit des Neumonds nachgesehen hat, etwa auf der Website des IMCCE, jeden Abend ungefähr fünfzehn Minuten nach Sonnenuntergang rechts und links von der Stelle zu schauen, an der die Sonne untergegangen ist. Dort könnte die Sichel erscheinen, die den Monatsbeginn markiert.
Vergessen wir nicht, dass der Mond selbst gerade ebenfalls untergeht und dass er nach der ersten sichtbaren Sichel rasch unter den Horizont sinkt.
Können die Monate unterschiedlich lang sein?
Natürlich. Zwischen zwei ersten Sicheln können 29 oder 30 Tage liegen, und es kann sogar mehrmals hintereinander zu 29- oder 30-Tage-Monaten kommen.
Kann man den Zeitpunkt des Neumonds genau berechnen?
Ja, ohne jeden Zweifel. Auch wenn der Mond in Bahn und Bewegung launenhaft erscheint, sind die Ursachen seiner Störungen vollkommen bekannt und berechenbar.
Welche Phänomene verhindern, dass man den Hilal sieht?
Es gibt viele solcher Faktoren. Sie können zurückzuführen sein auf:
- mangelnde Übung des Beobachters und/oder eine zu geringe Sehschärfe
- die Umgebung, also zu viel Licht in einer Stadt, Luftverschmutzung, bodennahe Lufttemperatur, einen verdeckten Horizont und Ähnliches
- das Wetter, also einen bewölkten oder bedeckten Himmel
Wie alt ist der Mond, wenn die erste Sichel sichtbar wird?
Darauf gibt es keine präzise Antwort. Dieses Alter hängt in Wirklichkeit von einem gedachten Winkel ab, der zwischen Sonne, Beobachter und Mond gebildet wird, wobei der Beobachter die Spitze des Winkels bildet. Man nimmt an, dass dieser Winkel, die Elongation, größer als etwa 9° sein muss, damit der Mond weit genug von der Sonne entfernt ist und die Sichel nicht im Sonnenlicht „untergeht“.
Die Sichtbarkeit der ersten Sichel hängt von mehreren Parametern ab, darunter:
- dem Depressionswinkel der Sonne unter dem Horizont, im Schema
h - der Elongation, im Schema
E - der Azimutdifferenz zwischen Mond und Sonne, im Schema
a - der Entfernung Erde-Mond, die den scheinbaren Durchmesser des Mondes verändert
Wir haben weiter oben gesehen, dass sich die Geschwindigkeit des Mondes auf seiner Bahn verändert. Die Zeit, die der Mond braucht, bis die Elongation größer als 9° wird, verändert sich also ebenfalls. Man kann schätzen, dass das Alter des Mondes bei der ersten sichtbaren Sichel zwischen 17 und 23 Stunden liegt. Natürlich hängt dies auch von den weiter oben genannten Beobachtungsbedingungen ab.
Nebenbei bemerkt gehört das Alter des Mondes bei Sichtbarkeit der ersten Sichel zu den Themen eines regelrechten „Rekordbuchs“: Records of Young Moon Sightings, Quarterly Journal of Royal Astronomical Society (1993).
Hat der Hilal immer dieselbe Fläche?
Unter „Fläche“ verstehen wir hier, dass die Sichel unterschiedlich dick erscheinen kann. Die Antwort lautet: NEIN.
Vereinfachen wir die Sache und vergessen wir für einen Moment das, was wir über die variable Mondgeschwindigkeit gelernt haben.
Am ersten Tag verpassen wir die erste Sichel um wenige Minuten, weil zum Beispiel die Elongation noch zu klein war. Dann müssen wir bis zum zweiten Tag warten, um die erste Sichel zu sehen. Dadurch ist der sichtbare Teil des Mondes natürlich dicker, als er gewesen wäre, wenn wir nicht 24 Stunden länger hätten warten müssen. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns am zweiten Tag des Monats befinden, sondern durchaus am ersten, weil die Sichel eben erst an diesem Tag gesehen wurde.
Umfasst die erste Mondsichel einen Bogen von 180°?
Die Antwort lautet wieder: NEIN. Ein Experiment vom 6. April 1989, das Bradley E. Schaefer, Professor für Physik und Astronomie an der Louisiana State University, mit 65 Beobachtungen, darunter 12 mit bloßem Auge, durchgeführt hat, ergab einen mittleren Bogen von 123°. Nach Bradley E. Schaefer ist diese nur teilweise Sichtbarkeit der Sichel weder auf das Relief des Mondes noch auf seine nicht perfekt kugelförmige Gestalt noch auf atmosphärische Turbulenzen zurückzuführen, die die Sichtbarkeit der Hörner beeinträchtigen würden, sondern darauf, dass die Helligkeit pro Längeneinheit unter der Wahrnehmungsschwelle des menschlichen Auges bleibt.
All das will nur sagen, dass die Beobachtung der Sichtbarkeit des Hilal noch schwieriger ist, weil man in Wirklichkeit nur nach einem Teil einer ganzen Sichel sucht, ungefähr 68 % davon.
Muss man den Ramadan anders behandeln als die übrigen Monate?
Gut, das ist keine Frage der Astronomie, aber ich wusste nicht, wo ich sie sonst unterbringen sollte.
Die Antwort lautet theoretisch JA. Ramadan beginnt und endet nach denselben Regeln wie alle anderen Monate. Praktisch ist die Antwort jedoch nuancierter, denn der Beginn dieses Monats markiert den Beginn des Fastens, und der Beginn des folgenden Monats dessen Ende und das Fest des Id al-Fitr. Da diese beiden Ereignisse von großer Bedeutung sind, werden wir sehen, dass die Zahl der Zeugen für die Sichtbarkeit der ersten Sichel dadurch mitunter beeinflusst wird.
Koran, Astronomie und Hilal
Sagen wir es gleich: Der Koran (al-Qur'an) wird uns nicht sehr dabei helfen, die Art und Weise der Monatsanfänge und die anzuwendenden Regeln genauer zu bestimmen. Das ist auch normal, denn für Muslime ist der Koran das wörtliche Wort Allahs, und Allah legt keine technischen Regeln fest. Er weist den Weg, nicht die genaue Art, ihm zu folgen.
Es ist ein wenig so, als würde man vom Konzil von Nizäa verlangen, die Regeln zur Bestimmung des Osterdatums festzulegen, siehe die Studie dazu.
Wir werden dennoch einige Verse aus Suren lesen, gerade um zu sehen, welchen Weg sie weisen, und vor allem, was sie zur Astronomie sagen. Muss man sie ablehnen?
Erinnern wir uns zunächst an die Verse, die wir bereits auf der dem muslimischen Kalender gewidmeten Seite gelesen haben:
Die Sonne ist Lichtquelle, der Mond nur erleuchtet
„10:5 Er ist es, der die Sonne zu einer strahlenden Helligkeit gemacht und den Mond zu einem Licht bestimmt hat; und Er hat ihm Phasen zugewiesen, damit ihr die Zahl der Jahre und die Berechnung der Zeit kennt. Allah hat dies nur in Wahrheit geschaffen. Er legt die Zeichen dar für Leute, die Wissen besitzen.
„25:61 Gesegnet sei der, der am Himmel Sternbilder gesetzt und dort eine Leuchte, die Sonne, und einen leuchtenden Mond angebracht hat.
Der Mond ist das Maß der Monate
„2:189 Sie fragen dich nach den Neumonden. Sprich: Sie dienen den Menschen zur Zeitbestimmung und auch für den Haddsch, die Pilgerfahrt ...
Es ist also tatsächlich der Mond, der uns erlaubt, die Länge der Monate zu bestimmen.
Es gibt zwölf Monate, und von Zwischenmonaten ist nicht die Rede
„9:36-37 Die Zahl der Monate ist bei Allah zwölf Monate in Allahs Vorschrift, an dem Tag, da Er die Himmel und die Erde erschuf ... Das Verschieben eines heiligen Monats ist ein Mehr an Unglauben. Dadurch werden die Ungläubigen irregeführt: In einem Jahr erklären sie ihn für profan, in einem anderen für heilig, um die Zahl der Monate auszugleichen, die Allah heilig gemacht hat. So erklären sie für profan, was Allah heilig gemacht hat. Ihre bösen Taten sind ihnen ausgeschmückt worden. Und Allah leitet die ungläubigen Leute nicht recht.
Allah schuf Sonne und Mond, und der Mensch machte sie sich untertan. Keiner von beiden darf angebetet werden
„5:3 ... Heute habe Ich euch eure Religion vollendet, Meine Gnade an euch erfüllt und den Islam zu eurer Religion erwählt ...
„14:32-33 Allah ist es, der die Himmel und die Erde erschaffen und vom Himmel Wasser herabgesandt hat; damit brachte Er Früchte hervor, euch zur Versorgung. Er hat euch die Schiffe dienstbar gemacht, die auf dem Meer nach Seinem Befehl fahren. Und Er hat euch die Flüsse dienstbar gemacht. Und Er hat euch die Sonne und den Mond dienstbar gemacht, die sich in beständiger Bahn bewegen. Und Er hat euch die Nacht und den Tag dienstbar gemacht.
„41:37 Und zu Seinen Zeichen gehören die Nacht und der Tag, die Sonne und der Mond: Werft euch weder vor der Sonne noch vor dem Mond nieder, sondern werft euch vor Allah nieder, der sie erschaffen hat, wenn ihr Ihn anbetet.
Der Vollmond
„84:18 und bei dem Mond, wenn er voll wird.
Der Mond folgt der Sonne
„91:1-2 Bei der Sonne und ihrem Glanz. Und beim Mond, wenn er ihr folgt.
Sehen wir nun, was der Koran zur Astronomie sagt:
Der Urknall, die Erschaffung von Himmel und Erde
„2:117 Er ist der Erschaffer der Himmel und der Erde aus dem Nichts. Wenn Er eine Sache bestimmt, sagt Er zu ihr nur: „Sei!“, und sie ist.
Jeder Himmelskörper hat seine Bahn
„21:33 Und Er ist es, der die Nacht und den Tag, die Sonne und den Mond erschaffen hat; ein jeder schwimmt in einer Bahn.
Jeder Himmelskörper hat seine Funktion
„36:39-40 Und dem Mond haben Wir Stationen bestimmt, bis er wie der alte Palmzweig wird. Weder kann die Sonne den Mond einholen noch kann die Nacht dem Tag zuvorkommen; jeder schwebt in einer Bahn.
Mond, Sonne und Sterne gehorchen den von Allah festgelegten Regeln
„39:5 Er hat die Himmel und die Erde in Wahrheit erschaffen. Er wickelt die Nacht über den Tag und den Tag über die Nacht, und Er hat Sonne und Mond dienstbar gemacht; jeder läuft auf eine festgesetzte Frist zu. Wahrlich, Er ist der Allmächtige, der Allvergebende.
„55:5 Sonne und Mond bewegen sich nach einer genauen Berechnung.
„29:61 Wenn du sie fragst: „Wer hat die Himmel und die Erde erschaffen und Sonne und Mond dienstbar gemacht?“, dann werden sie gewiss sagen: „Allah“. Wie können sie sich dann abwenden?
Das Universum dehnt sich aus
„51:47 Den Himmel haben Wir mit Kraft erbaut, und Wir weiten ihn ständig aus.
Der Beginn des Tages
„2:187 ... Esst und trinkt, bis euch der weiße Faden der Morgendämmerung vom schwarzen Faden der Nacht klar erkennbar wird. Dann vollendet das Fasten bis zur Nacht ...
Das Problem
Man kann es in zwei Fragen zerlegen:
- Muss die erste Sichel zwingend tatsächlich gesehen werden, oder kann ihr Auftreten auch aus astronomischen Berechnungen abgeleitet werden?
- Wenn die erste Sichel an einem bestimmten Ort von einem Muslim gesehen wurde, beginnt der Monat dann nur für die Muslime dieses Ortes oder, natürlich unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung, für alle Muslime der Welt?
Wir werden auf diese beiden Fragen keine endgültige Antwort geben. Bescheidener wollen wir, nachdem wir sie gestellt haben, einfach die Argumente der einen und der anderen für diese oder jene Antwort wiedergeben. Danach kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.
Bevor wir uns in die Untersuchung der jeweiligen Standpunkte stürzen, lesen wir zunächst noch ein wenig weiter.
Denn wir haben gesehen, dass der Koran zwar die Regeln für den Aufbau des Kalenders vorgibt, aber überhaupt nichts darüber sagt, wie ein neuer Monat beginnen soll, insbesondere Ramadan. Woher also kommen die Regeln, die die einen und die anderen anwenden wollen?
Ganz einfach: aus den Hadithen.
Wir werden hier nicht auf die Zusammenstellung und die Klassifikationsskalen der Hadithe im Sinn ihrer „Authentizität“ eingehen. Wer darüber mehr wissen möchte, wird die klaren Erläuterungen mit Gewinn lesen, die hier gegeben werden.
Für unsere Zwecke genügt uns eine Beschreibung aus der Encyclopædia Universalis:
„Das arabische Wort hadith bedeutet Erzählung, Ausspruch oder Mitteilung und wird insbesondere zur Bezeichnung der vom Propheten Mohammed geäußerten Worte verwendet. Anfangs hatte es seinen engsten Sinn und bezog sich nur auf mündliche Mitteilungen des Propheten. Später benutzte man es für jede Überlieferung, die Worte (aqwal), Handlungen (af'al) oder die stillschweigende Billigung (taqrir) des Propheten in Bezug auf Worte oder Handlungen bezeichnete, die in seiner Gegenwart geäußert oder vollzogen wurden. So schloss al-hadith schließlich die gesamte muslimische Tradition, also die sunna, ein. Ursprünglich haben hadith und sunna unterschiedliche Bedeutungen. Letztere bezeichnet in der Terminologie der muslimischen Rechtsgelehrten (al-fuqaha') den in der muslimischen Gemeinschaft in einer Rechts- oder Religionsfrage geltenden Brauch, unabhängig davon, ob darüber eine mündliche Mitteilung des Propheten vorliegt oder nicht. Die sunna in diesem Sinn steht der bid'a, also der häretischen Neuerung, gegenüber.
Nachdem das geklärt ist, listen wir einige Hadithe auf, manche davon doppelt überliefert, die unser Problem und seine beiden Fragen berühren.
Da wir diese Hadithe später wieder verwenden und es mühsam wäre, sie jedes Mal neu auszuschreiben, habe ich sie mit H1, H2 usw. bezeichnet. Diese Verweise haben außerhalb dieser Seite keinerlei Wert.
H1 "Fastet, wenn ihr die Sichel seht. Wenn ihr sie nicht seht, vervollständigt den Monat Scha'ban auf dreißig Tage. Und beendet das Fasten, wenn ihr die Sichel seht. Wenn ihr sie nicht seht, dann fastet dreißig Tage." Überliefert bei Al-Bukhari (1220) und Muslim (2378, 2379, ...)
H2 "Wenn zwei muslimische Zeugen bezeugen, dass sie sie gesehen haben, dann fastet oder beendet euer Fasten." Überliefert bei Ahmad, Nassa'i und ad-Daraquni.
H3 "Die Menschen hielten Ausschau nach der Sichel. Ich teilte dem Propheten, Allah bete über ihn und schenke ihm Heil, mit, dass ich sie gesehen hatte. Darauf fastete er und befahl den Menschen zu fasten." Überliefert bei Abu Dawud und anderen. Erzähler: Ibn Umar.
H4 "Ein Beduine kam zum Propheten, Friede sei mit ihm, und sagte: Ich habe die Mondsichel gesehen. Al-Hasan fügt in seiner Version hinzu: die des Ramadan. Der Prophet fragte: Bezeugst du, dass es keinen Gott außer Allah gibt? Er antwortete: Ja. Der Prophet fragte weiter: Bezeugst du, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist? Er antwortete: Ja und bezeugte, dass er die Mondsichel gesehen habe. Da sagte der Prophet: Bilal, verkünde den Leuten, dass sie morgen fasten sollen." Erzähler: Abdullah ibn Abbas. Überliefert bei Abu Dawud.
H5 "Wir sind eine des Schreibens und Rechnens unkundige Gemeinschaft. Wir schreiben nicht und rechnen nicht. Die Monate sind so und so, das heißt einmal 29 Tage und ein andermal 30." Überliefert bei Al-Bukhari und Muslim.
H6 "Abu Hurayra, Aischa und andere haben berichtet, dass der Gesandte, Allah bete über ihn und schenke ihm Heil, sagte: Das Fasten beginnt an dem Tag, an dem ihr zu fasten beginnt; al-Fitr, das Fest, ist der Tag, an dem ihr euer Fasten brecht; al-Adha ist der Tag, an dem ihr das Opfer darbringt." Überliefert bei Abu Dawud, At-Tirmidhi und anderen.
H7 "Kurayb sagte: Umm al-Fadl, die Tochter des Harith, schickte ihn, ihren Sohn Fadl, zu Mu'awiya nach Damaskus. Er erledigte seine Aufgabe und befand sich noch in Scham, als Ramadan begann. Er sah den Neumond am Freitagabend. Dann kehrte er nach Medina zurück und traf dort gegen Ende des Monats Ibn Abbas, der ihn fragte, wann man in Scham den Ramadan-Neumond beobachtet habe. Kurayb sagte: Wir haben ihn in der Nacht zu Freitag gesehen. Ibn Abbas fragte: Hast du ihn selbst gesehen? Kurayb antwortete: Ja, ich habe ihn gesehen, und die Menschen auch. Also fasteten sie, und Mu'awiya fastete ebenfalls. Darauf sagte Ibn Abbas: Wir aber haben ihn in der Nacht zu Samstag gesehen; daher werden wir entweder dreißig Tage fasten oder ihn, den Neumond von Schawwal, sehen. Kurayb fragte: Akzeptierst du denn die Beobachtung Mu'awiyas und sein Fasten nicht? Ibn Abbas antwortete: Nein! So hat es uns der Gesandte Allahs befohlen." Erzähler: Abdullah ibn Abbas. Überliefert bei Muslim.
Beobachtung oder Berechnung?
Um genauer zu sein: Es gibt überzeugte Anhänger der ausschließlichen direkten Sichtung, also mit bloßem Auge, der ersten Sichel. Andere hingegen möchten sie durch astronomische Berechnung ersetzen. Wieder andere vertreten beides zugleich, wobei die Berechnung der Beobachtung helfen und ihre Gültigkeit bestätigen soll.
1) Die Argumente
a) für die direkte Sichtung
Die Anhänger der direkten Sichtung haben in ihrem eigenen Verständnis gar keine Argumente vorzubringen. Ganz einfach deshalb, weil sie meinen, keine zu brauchen: Man müsse lediglich das islamische Gesetz anwenden. Dieses Gesetz beruhe auf bekannten und ausschließlichen Quellen: Koran, Sunna, ijma' as-sahaba und qiyas.
Die astronomische Berechnung wird jedoch in keiner dieser Quellen erwähnt.
H1 ist präzise und nicht misszuverstehen: "... wenn ihr die Sichel seht.„Und wenn man im Koran liest:“Heute habe Ich euch eure Religion vollendet", siehe 5:3, scheint die Sache endgültig entschieden und das islamische Gesetz abgeschlossen.
b) für die astronomische Berechnung
Die Anhänger dieser Methode lesen H5 anders. Ihrer Ansicht nach stellt der Prophet, wenn er sagt: „Wir sind eine des Schreibens und Rechnens unkundige Gemeinschaft“, keine Regel auf, sondern beschreibt lediglich die Lage seiner Zeit.
Wenn sich also der Kontext verändert, kann sich auch die Regel ändern. Da astronomische Berechnung heute vollkommen beherrscht wird, wäre nichts dagegen einzuwenden, auf Berechnungen und Tafeln zurückzugreifen, um den Monatsbeginn festzulegen.
Dazu kommt, dass ein vorausberechneter Kalender sowohl für das religiöse als auch für das wirtschaftliche Leben von Nutzen wäre, weil er eine bessere Organisation der Zeit erlauben würde.
c) Sichtung, bestätigt durch Berechnung
Hier gibt es im Grunde nur ein Argument: „jede Beobachtung für nichtig zu erklären, die nach der Wissenschaft unmöglich ist“, um Assoubki aus dem 14. Jahrhundert zu zitieren.
Und um einen jüngeren Text anzuführen: "... das hypothetische Zeugnis von Zeugen kann nach dem einstimmigen Urteil aller Gelehrten nicht gegen gesicherte wissenschaftliche Daten aufgewogen werden."
Kurz gesagt: Man nimmt das, was man im einen und im anderen System für das Beste, oder je nach Blickwinkel auch für das Schlechteste, hält, und vermischt beides.
2) Die Methoden
a) Direkte Sichtung
Die Methode ist denkbar einfach und sollte eigentlich keinerlei Probleme verursachen. Und doch ...
Es genügt, den eigenen Augen zu trauen, um die erste Sichel zu beobachten. Diese Beobachtung erfolgt mit bloßem Auge, unter Ausschluss jedes Instruments wie Fernglas oder Teleskop.
Das hindert freilich manche, je nach Standpunkt moderner oder weniger regelgetreu, nicht daran, solche Instrumente zu verwenden. Und man weiß, welch hohes Ansehen die astronomische Beobachtung in der muslimischen Vergangenheit genoss, was niemand bestreitet. Erinnern wir nur an Astronomen wie Ibn Tariq, al-Khwarizmi, al-Djawhari, Thabit ibn Qurra, al-Battani, az-Zarqali, Ibn Abi Ridjal, Abu al-Wafa, al-Biruni, Ibn al-Haytham, Atir ad-Din al-Bahri, Nasir ad-Din at-Tusi, Abu-Sukhr al-Maghribi oder Ibn asch-Schater.
Das Problem liegt also nicht in mangelnden Fähigkeiten, sondern in einer eher randständigen Frage, die erstaunlicherweise historisch kaum verankert scheint: Wie viele Zeugen der Sichtbarkeit der ersten Sichel braucht es, um den Beginn eines Mondmonats zu bestätigen?
Wir werden hier nicht die Vielzahl der vertretenen Auffassungen durchgehen, also ein Zeuge, zwei Zeugen, ein Zeuge für den Beginn des Ramadan, aber zwei für den Beginn des Schawwal, Männer, Frauen und so weiter.
Nach H1, also „Fastet, wenn ihr die Sichel seht ... und beendet euer Fasten, wenn ihr die Sichel seht“, und H4, also dem Hadith vom Beduinen, scheint es keinen Grund zu geben, den Beginn eines Monats anders zu behandeln als den eines anderen, auch wenn es darum geht, das Fasten zu beenden. Ebenso scheint ein einziger Zeuge auszureichen. Liest man H4 genau, so merkt man, dass die Frage, ob dieser Zeuge ein rechtschaffener Mensch ist, wichtiger erscheint als die Frage nach einer Mindestzahl von Zeugen, zumal die Zeugen bei ihrer Aussage die Schahada sprechen müssen.
Was Religionsgelehrte hier oder dort tatsächlich entscheiden und praktizieren, ist eine andere Frage, die nicht in unseren Bereich gehört. Ebenso wenig ist es unsere Sache zu entscheiden, ob man einer staatlichen Ordnung folgen muss, um das Fasten zu beginnen oder zu beenden. Gegenstand dieser Untersuchung ist allein der Kalender, nicht das Fasten des Ramadan.
b) Astronomische Berechnung
Der Ausdruck „astronomische Berechnung“ lässt uns leicht denken, diese Berechnungen könnten uns das exakte Datum und die exakte Uhrzeit der ersten Sichel liefern.
Das stimmt nicht. Die astronomische Berechnung kann uns die genaue Uhrzeit der Konjunktion von Mond und Sonne liefern, bis auf wenige Minuten genau, und zwar für einen Beobachter im Erdzentrum.
Wir haben jedoch weiter oben gesehen, dass die Beobachtung des Hilal von meteorologischen Kriterien, also bedecktem Himmel oder Wolken, und physiologischen Kriterien abhängt, also der Frage, ab wann ein menschliches Auge eine feine leuchtende Sichel überhaupt erkennen kann.
Der einzige Weg, um dennoch zu Ergebnissen zu gelangen, besteht darin, Beobachtungen zu vervielfachen und Modelle zu erstellen, ähnlich wie man meteorologische Modelle erstellt, um das Wetter von morgen oder später vorherzusagen.
Deshalb wäre es treffender, von „Sichtbarkeitsprognosen der ersten Sichel“ zu sprechen als von „astronomischen Berechnungen“. In Wahrheit geht es darum, das menschliche Auge zu simulieren, also ein künstliches durchschnittliches Auge zu konstruieren, das sich von allem befreit, was mit dem Wetter im eigentlichen meteorologischen Sinn zusammenhängt.
Je nachdem, welche physiologischen Kriterien man zugrunde legt, gelangt man natürlich zu unterschiedlichen Methoden. Deren Entwicklung wollen wir im folgenden Überblick grob durch die Jahrhunderte verfolgen.
| Zeit oder Name des Kriteriums | Datum | Kriterium |
|---|---|---|
| Babylonische Zeit | 500 n. Chr. | Mondalter > 24 h Zeit zwischen Monduntergang und Sonnenuntergang > 48 min |
| Muslimische Astronomen: Ibn Tariq, Habash, al-Khwarizmi, al-Farghani, al-Battani | 700-1100 | Erstellung von Rechentafeln. Kriterien auf Grundlage der Mondhöhe beim Sonnenuntergang und der Zeitspanne zwischen Mond- und Sonnenuntergang |
| Fotheringham | 1910 | Mondhöhe beim Sonnenuntergang. Relativer Azimut zwischen Mond und Sonne |
| Maunder | 1911 | Verfeinerung der Methode Fotheringham |
| Indische Wissenschaftler | 1970 | Verfeinerung der Methode Maunder |
| Bruin | 1977 | Mondhöhe beim Sonnenuntergang. Dicke der Sichel |
| Ilyas A | 1984 | Mondhöhe beim Sonnenuntergang. Winkelabstand zwischen Mond und Sonne |
| Ilyas B | Variante der babylonischen Methode mit Breitengradkorrektur | |
| Ilyas C | 1988 | Abwandlung von Ilyas A |
| RGO (Royal Greenwich Observatory) | 1980 | basiert auf dem besten Zeitpunkt und dem besten Ort zur Beobachtung der ersten Sichel |
| SAAO (South African Astronomical Observatory) | ???? | Mondhöhe. Relativer Azimut zwischen Mond und Sonne |
| CFCO (Committee for Crescent Observation Intl.) | 1979 | Höhe, Elongation, Zeitdifferenz der Untergänge |
| Shaukat | 1995 | Topozentrische Höhe des Mondes. Dicke der Sichel |
| Yallop | 1997/1998 | Relative geozentrische Höhe des Mondes. Dicke der Sichel |
| Mohammad Odeh | 20?? | Relative topozentrische Höhe von Mond und Sonne? Dicke der Sichel? |
Zugehörige Programme
Es gibt einige Programme, mit denen sich diese Kriterien anwenden und in Form farbiger Kurven darstellen lassen, ob die erste Sichel an einem bestimmten Datum, zu einer bestimmten Uhrzeit und an einem bestimmten Ort sichtbar sein dürfte, nicht sichtbar oder vielleicht sichtbar. Achtung: Die Einstellungen sind nicht gerade selbsterklärend.
Wir begnügen uns damit, zwei davon zu nennen:
Mooncalc (unter DOS) von Monzur Ahmed ist wohl das bekannteste. Es integriert alle Kriterien der vorstehenden Tabelle mit Ausnahme von Odeh. Klicken Sie hier, um Version 6.0 herunterzuladen; zum Starten dieses alten Programms benötigen Sie DOSBox. Laden Sie DOSBox hier herunter oder alternativ LaunchBox, das DOSBox enthält.
Accurate Times von Mohammad Odeh integriert die Kriterien von Odeh, Yallop und SAAO. Man findet es hier: https://www.astronomycenter.net/accut.html?l=en; man kann es auch hier direkt herunterladen.
c) Berechnung und Beobachtung
Wie wir bereits ahnen konnten, besteht diese Methode darin, astronomische Berechnungen teilweise zu verwenden, um die Beobachtungsmöglichkeiten des Hilal zu bestimmen und phantastische Sichtungsmeldungen auszusondern.
Nur muss man dann wissen, welche Berechnungsmethode überhaupt zugrunde gelegt wird.
Frankreich etwa hält sich an die Entscheidungen des Europäischen Fatwa-Rates, ohne dass man so recht wüsste, welche Methode dort tatsächlich angewandt wird, und offenbar ohne echte Möglichkeit, mehr zu erfahren. Einer meiner Internetkorrespondenten erhielt auf eine entsprechende Frage an die UOIF keinerlei Antwort. Das ist bedauerlich.
Auf einem von der UOIF veröffentlichten Kalender für den Beginn der Monate Muharram und Safar 1427 kann man lesen:
"Muharram. Gemäß den universellen astronomischen Daten wird die Geburt des Neumonds des Monats Muharram am 29.01.06 um 14.15 Uhr GMT, also 15.15 Uhr Pariser Zeit, stattfinden. Daher wird die Sichtung der Mondsichel des Monats Muharram am Abend des 29.01.06 nicht möglich sein. Gemäß dem Beschluss des Europäischen Fatwa-Rates, der vom 19. bis 21. Mai 1999 in Köln tagte, teilt die UOIF den Muslimen Frankreichs mit, dass der erste Tag des Monats Muharram der 31.01.06 sein wird."
"Safar. Gemäß den universellen astronomischen Daten wird die Geburt des Neumonds des Monats Safar am 28.02.06 um 00.33 Uhr GMT, also 01.33 Uhr Pariser Zeit, stattfinden. Daher wird die Sichtung der Mondsichel des Monats Safar am Abend des 28.02.06 nicht möglich sein. Gemäß dem Beschluss des Europäischen Fatwa-Rates, der vom 19. bis 21. Mai 1999 in Köln tagte, teilt die UOIF den Muslimen Frankreichs mit, dass der erste Tag des Monats Safar der 01.03.06 sein wird."
Man sieht, dass diese französische Methode offenbar keines der Kriterien verwendet, die wir oben in der Tabelle aufgeführt haben, sondern sich lediglich an Datum und Uhrzeit der veröffentlichten geozentrischen Konjunktion, also des Neumonds, orientiert, etwa wie sie vom IMCCE angegeben werden. Mir persönlich erscheint das als eine etwas rätselhafte Vereinfachung, denn bei einem Neumond am 29.01.06 um 14.15 Uhr GMT muss man zwei Tage warten, um einen Monat beginnen zu lassen, während bei einem Neumond am 28.02.06 um 00.33 Uhr GMT ein einziger Tag genügt.
Ein Ort oder mehrere?
Präzisieren wir die Frage etwas: Bedeutet die Sichtung der Sichel in einem Landstrich, dass in allen Gegenden der Welt der Monat beginnen muss? Natürlich ist die Zeitverschiebung dabei nicht das eigentliche Problem und muss regulär berücksichtigt werden.
Diese Frage betrifft den Monatsbeginn und damit den Beginn des Fastens. Da unser Thema den Kalendern gewidmet ist, bleiben wir beim Aspekt des Monatsbeginns.
Wir werden auf diese Debatte, die seit langem andauert und wohl auch so bald nicht enden wird, ganz sicher keine endgültige Antwort finden. Wir wollen das Problem lediglich anhand eines Textes darstellen, dessen Auslegung heikel ist. Es handelt sich um H7, den wir nochmals zitieren:
"... Kurayb sagte: Wir haben ihn in der Nacht zu Freitag gesehen. Ibn Abbas fragte: Hast du ihn selbst gesehen? Kurayb antwortete: Ja, ich habe ihn gesehen, und die Menschen auch. Also fasteten sie, und Mu'awiya fastete ebenfalls. Darauf sagte Ibn Abbas: Wir aber haben ihn in der Nacht zu Samstag gesehen; daher werden wir entweder dreißig Tage fasten oder ihn, den Neumond von Schawwal, sehen. Kurayb fragte: Akzeptierst du denn die Beobachtung Mu'awiyas und sein Fasten nicht? Ibn Abbas antwortete: Nein! So hat es uns der Gesandte Allahs befohlen."
Wie soll man diesen letzten Satz verstehen: „Nein! So hat es uns der Gesandte Allahs befohlen“?
- Erste Deutung: Ibn Abbas wollte sagen, der Prophet habe erklärt, dass jede Region ihre eigene Sichtung haben müsse.
- Zweite Deutung: Ibn Abbas erinnerte an die Regel, wonach man die Sichel sehen muss, damit der Monat beginnt, und zog daraus seine eigene Schlussfolgerung: Wenn der Monat mit der Sichtung beginnt, kann man ihn nicht an einem Tag anfangen lassen, an dem wir die Sichel in unserer Region nicht gesehen haben.
Daraus lassen sich also zwei Auffassungen ableiten:
- Entweder man übernimmt die erste Deutung oder man stimmt in der zweiten Deutung Ibn Abbas zu. Dann folgt daraus, dass die Sichtung der Sichel an einem bestimmten Ort nur für die Muslime dieser Region gilt.
- Oder man stimmt Ibn Abbas in der zweiten Deutung nicht zu und meint, der Prophet habe, als er sagte: „Beginnt, wenn ihr ihn seht ...“, die gesamte muslimische Gemeinschaft angesprochen. Dann folgt daraus, dass die Sichtung der Sichel durch Muslime an einem bestimmten Ort für die Muslime der ganzen Erde gilt.
Und beide Auffassungen existieren bis heute nebeneinander. Da es sich um Auslegungen handelt, ist es nahezu unmöglich zu sagen, wer recht hat.
Zum Schluss
Probleme, die sich aus der Bestimmung des Sichtbarkeitsdatums der ersten Sichel ergeben.
Probleme, die sich aus dem lokalen oder universalen Charakter dieses Datums ergeben.
Man muss zugeben, dass es heikel ist, einen Kalender zu benutzen, dessen Monate nicht zwingend am selben Tag beginnen. Für einen bürgerlichen Kalender ist das sogar mehr als heikel.
Und für einen religiösen Kalender? ... Nun, eine kleine Frage: Haben die Christen, auch wenn der Zusammenhang etwas anders ist, Ostern immer am selben Tag gefeiert und feiern sie es heute immer am selben Tag? Siehe dazu die Studie über Nizäa.