Ich gebe zu, die Studie, die ich Ihnen hier anbiete, wird kein Pageturner.
Sie hat immerhin den Vorteil, dass wir uns mit Normen rund um Datums- und Zeitangaben vertraut machen. Und vielleicht stellen wir dabei fest, dass wir, ich auf dieser Website als Erster, uns nicht immer besonders streng an das halten, was eigentlich als gute Praxis gelten sollte.
Ein wenig Geschichte
Die ISO, die Internationale Organisation fuer Normung, entstand offiziell am 23. Februar 1947 aus dem Zusammenschluss zweier Organisationen.
Die eine war die ISA, die Internationale Foederation der nationalen Normungsvereinigungen. Sie hatte zwar ihren Sitz in New York, ihr Arbeitsfeld beschraenkte sich aber auf Kontinentaleuropa.
Die andere war das UNSCC, das Normungskoordinierungskomitee der Vereinten Nationen mit Verwaltung in London.
Auf einer Konferenz aller Mitgliedslaender beider Organisationen, 25 Laender mit 65 Delegierten, die am 14. Oktober 1946 im Institute of Civil Engineers in London stattfand, fiel die Entscheidung zur Gruendung einer neuen Organisation. Ihr Zweck sollte sein, die internationale Koordinierung und Vereinheitlichung industrieller Normen zu erleichtern.
Warum ISO? Man sagt oft, der Name leite sich vom griechischen isos ab, also von „gleich“. Willy Kuert, schweizerischer Delegierter auf der Londoner Konferenz 1946, erklaerte jedoch spaeter, dieser Punkt sei in London ueberhaupt nicht angesprochen worden. Es ist also ISO, Punkt. Und zwar in allen Laendern der Welt. Von einer Organisation, die sich mit Normung beschaeftigt, darf man das immerhin erwarten.
Wo hat die ISO ihren Sitz? Fast waere es Paris geworden. Am Ende entschied die Londoner Sitzung mit nur einer Stimme Mehrheit fuer Genf.
1946 wurde Genf als Sitz der ISO bestimmt.
1956 zog die ISO in die Rue de Varembe und spaeter in ein neues Gebaeude am Chemin de Blandonnet 8 in Vernier in der Schweiz um.
Wie arbeitet die ISO?
Die ISO ist eine nichtstaatliche Organisation. Sie hat also weder den Auftrag noch die Macht, die Anwendung einer Norm zu erzwingen. Ihre Aufgabe ist es, auf Anfragen hin einen Konsens ueber Loesungen herzustellen. Man sollte sich dabei aber nichts vormachen: Solche Anfragen haben Gewicht, und die Einhaltung von Normen ist fuer ein Land oft ein Zeichen von Zuverlaessigkeit und Qualitaet.
Die ISO koordiniert ueber ihr Zentralsekretariat in Genf ein Netz nationaler Normungsinstitute, dem heute 146 Laender angehoeren. Jedes Land wird durch ein Mitglied vertreten.
Jedes Mitglied kann an der Ausarbeitung einer Norm mitwirken, die es fuer sein Land fuer noetig haelt, und jedes hat eine Stimme, ganz gleich, wie gross das Land ist. Wenigstens einmal ist Gleichheit also keine leere Formel.
Wie viele Normen gibt es?
Seit 1947 hat die ISO mehr als 13 700 internationale Normen veroeffentlicht. Sie betreffen praktisch alle Bereiche.
„Auszug aus einem ISO-Text: Ohne standardisierte Abmessungen fuer Frachtcontainer waere der internationale Handel langsamer und teurer. Ohne die Normung von Telefon- und Bankkarten waere das Leben komplizierter. Das Fehlen von Normen kann sogar die Lebensqualitaet unmittelbar beeintraechtigen, etwa wenn Menschen mit Behinderung keinen Zugang zu Konsumguetern, oeffentlichen Verkehrsmitteln oder Gebaeuden haben, weil Rollstuhlmasse und Tueroeffnungen nicht normiert sind.
Sogar dort, wo man es kaum vermuten wuerde: «Die Normung von Gewinden sorgt dafuer, dass Stuehle, Kinderfahrraeder oder Flugzeuge richtig montiert werden koennen. Zugleich loest sie Wartungs- und Reparaturprobleme, die frueher mangels Normung fuer Hersteller und Nutzer ein regelrechtes Kopfzerbrechen waren.»
Wenn Sie die Liste der veroeffentlichten Normen suchen, finden Sie sie hier.
Wie entsteht eine Norm?
Wenn bestimmte industrielle, technische oder wirtschaftliche Bereiche ein Interesse an einer neuen Norm sehen, melden sie das einem nationalen ISO-Mitglied, das den Antrag an die ISO weiterleitet. Dort wird geprueft, ob der Antrag sinnvoll ist, und dann wird er angenommen oder abgelehnt.
Wird der Antrag angenommen, wird die Ausarbeitung der Norm einem bereits bestehenden oder eigens dafuer eingesetzten technischen Komitee uebertragen.
Die gewuenschte Norm wird von einem technischen Komitee aus Fachleuten des jeweiligen Gebiets erarbeitet. Weitere Spezialisten koennen hinzugezogen werden. Die Experten, die vom nationalen Institut des betreffenden Landes benannt werden, arbeiten in nationalen Delegationen. Diese Delegationen sollen, im Sinne der Gleichbehandlung, die Interessen aller beteiligten Gruppen vertreten.
Die nationalen Expertendelegationen tagen so lange, bis sie einen Konsens ueber einen Entwurf gefunden haben.
Dieser Entwurf wird als DIS, also als Entwurf einer internationalen Norm, allen ISO-Mitgliedern zur Lektuere, Stellungnahme und Abstimmung uebermittelt. Faellt die Abstimmung positiv aus, werden das Dokument und seine eventuellen Aenderungen als FDIS, also als endgueltiger Entwurf einer internationalen Norm, erneut an die Mitglieder geschickt. Ist auch diese Abstimmung positiv, wird das Dokument als internationale Norm veroeffentlicht.
Zum Schluss noch dies: In Frankreich ist die AFNOR, unter anderem, das nationale ISO-Mitglied und uebernimmt in diesem Rahmen die Aufgaben, die Frankreich zufallen.
Die Association francaise de normalisation wurde 1926 gegruendet. Sie ist als gemeinnuetzig anerkannt, untersteht dem Industrieministerium und hat rund 3 000 Mitgliedsunternehmen.
Mehr ueber die AFNOR erfahren Sie hier.
Die Norm ISO 8601
Wenn wir ganz genau sein wollen, muessten wir ISO 8601:2000 schreiben. Die Fassung von 2000 uebernimmt naemlich fruehere Normen, darunter ISO 8601:1988, und fuegt einige weitere Elemente hinzu.
Ihr Titel lautet: Datenelemente und Austauschformate - Informationsaustausch - Darstellung von Datum und Uhrzeit.
Viele Laender haben diese Norm unter eigener Bezeichnung uebernommen. Hier eine Auswahl, dank Ian Galpin und seinen Hinweisen:
- Suedafrika: ARP 010:1989.
- Australien: AS 3802:1997.
- Kanada: CSA Z234.5:1989.
- Japan: JIS X 0301-1992.
- Europaeische Norm: EN 28601:1992.
- USA: ANSI X3.30-1985(R1991) und NIST FIPS 4-1.
Und fuer Europa im Rahmen von EN 28601:
- Deutschland: DIN EN 28601 (1993) und DIN 5008 (1996).
- Oesterreich: OENORM EN 28601.
- Belgien: NBN EN 28601 (1993).
- Daenemark: DS/EN 28601.
- Spanien: UNE EN 28601.
- Finnland: SFS-EN 28601.
- Frankreich: NF EN 28601 (1993).
- Griechenland: ELOT EN 28601.
- Niederlande: NEN ISO 8601 (1994) und NEN EN 28601 (1994).
- Island: IST EN 28601:1992.
- Irland: IS/EN 28601:1993.
- Italien: UNI EN 28601 (1993).
- Luxemburg: ITM-EN 28601.
- Norwegen: NS-ISO 8601.
- Polen: PN-90/N-01204.
- Portugal: EN 28601.
- Tschechien: CSN EN 28601.
- Vereinigtes Koenigreich: BS EN 28601:1992 (ersetzt BS 7151).
- Schweden: SS-EN 28601 (1991).
- Schweiz: SN-EN 28601-1994.
Inhalt von ISO 8601:2000
Diese Norm behandelt folgende Elemente:
- Datum
- Uhrzeit
- Koordinierte Weltzeit (UTC)
- Ortszeit mit Zeitverschiebung
- Datum und Uhrzeit
- Zeitintervalle
- Wiederkehrende Zeitintervalle
Ich versuche, diese Elemente in Tabellenform darzustellen. Sie haben Glueck: Sie muessen nur zu dem Abschnitt springen, der Sie interessiert. Ich muss mich durch alles durcharbeiten. Wobei ich mir erlaube, ein wenig aufzuraeumen, damit nur das Nuetzliche stehen bleibt und der Rest etwas einfacher wird.
Drei Vorbemerkungen vor der Tabelle:
1) Die meisten Elemente gibt es in einer Grunddarstellung und in einer erweiterten Darstellung, damit sie besser lesbar sind.
2) Ich lasse die Abkuerzungen auf Englisch. Also:
„Y = Jahr
Z = UTC-Kennzeichen
M = Monat
D = Tag
w = Woche
h = Stunde
m = Minute
s = Sekunde
n = positive ganze Zahl oder null
P = Zeitintervall
R = Kennzeichen fuer ein wiederkehrendes Intervall
T = Trennzeichen zwischen Datums- und Uhrzeitanteil
3) Die Norm verwendet den gregorianischen Kalender. Die Wochentage werden dabei wie folgt nummeriert:
| Rang | Tag |
|---|---|
| 01 | Montag |
| 02 | Dienstag |
| 03 | Mittwoch |
| 04 | Donnerstag |
| 05 | Freitag |
| 06 | Samstag |
| 07 | Sonntag |
Die Woche wird im Jahr durch eine Nummer bezeichnet. Die erste Woche des Jahres, Woche 1, ist die Woche, die den ersten Donnerstag des Jahres enthaelt. Die letzte Woche des Jahres ist die Woche unmittelbar vor der ersten Woche des folgenden Jahres. Anders gesagt: Die erste Woche des Jahres ist diejenige, die den 4. Januar enthaelt.
Im Uebrigen gilt Folgendes:
| Element | Grunddarstellung | Erweiterte Darstellung | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| DATUMSANGABEN | |||
| Vollstaendiges Datum | YYYYMMDD 20030607 |
YYYY-MM-DD 2003-06-07 |
7. Juni 2003 |
| Datum auf Monat reduziert | YYYY-MM 2003-07 |
keine | |
| Jahr | YYYY 2003 |
keine | |
| Jahrhundert | YY 20 |
keine | Von mir aus, aber ... |
| Vollstaendiges Datum | YYMMDD 030607 |
YY-MM-DD 03-06-07 |
laufendes Jahrhundert |
| Datum auf Monat reduziert | -YYMM -0306 |
-YY-MM -03-06 |
laufendes Jahrhundert |
| Jahr | -YY -03 |
keine | laufendes Jahrhundert |
| Monatstag | --MMDD --0607 |
--MM-DD --06-07 |
laufendes Jahr |
| Monat des Jahres | --MM --06 |
keine | laufendes Jahr |
| Monatstag | ---DD ---07 |
keine | laufender Monat |
| Jahre mit mehr als vier Stellen lasse ich hier aus. Darauf koennen wir zurueckkommen, wenn es einmal so weit ist. | |||
| Ordinaldatum | YYYYDDD 2003157 |
YYYY-DDD 2003-157 |
157. Tag des Jahres 2003 = 7. Juni 2003 |
| Ordinaldatum | YYDDD 03157 |
YY-DDD 03-157 |
laufendes Jahrhundert |
| Tag des laufenden Jahres | -157 | keine | nur ein Bindestrich |
| Wochendatum | YYYYWwwD 2003W237 |
YYYY-Www-D 2003-W23-7 |
7. Tag der 23. Woche des Jahres 2003 |
| Jahr, Woche, Tag | YYWwwD 03W237 |
YY-Www-D 03-W23-7 |
laufendes Jahrhundert |
| Jahr und Woche | YYWww 03W23 |
YY-Www 03-W23 |
laufendes Jahrhundert |
| Jahr, Woche und Tag | -YWwwD -3W237 |
-Y-Www-D -3-W23-7 |
Jahr des laufenden Jahrzehnts |
| Jahr und Woche | -YWww -3W23 |
-Y-Www -3-W23 |
Jahr des laufenden Jahrzehnts |
| Woche, Tag | -WwwD -W237 |
-Www-D -W23-7 |
laufendes Jahr |
| Woche | -Www -W27 |
keine | laufendes Jahr |
| Tag | -W-D -W-5 |
keine | laufende Woche |
| UHRZEITEN | |||
| Ortszeit | hhmmss 151225 |
hh:mm:ss 15:12:25 |
|
| Stunden und Minuten | hhmm 1512 |
hh:mm 15:12 |
|
| Stunde | hh 15 |
keine | |
| Stunden, Minuten, Dezimalsekunden | hhmmss,s
s
151224,5 |
hh:mm:ss,s
s
151224,5 |
|
| Stunden und Dezimalminuten | hhmm,m
m 1512,8 |
hh:mm,m
m 15:12,8 |
|
| Dezimalstunde | hh,h
h
15,25 |
keine | |
| Auf die verkuerzten Uhrzeitformate gehen wir hier nicht weiter ein. Sie haben laengst verstanden, dass man das fehlende Element einfach durch einen Bindestrich ersetzt. Das Prinzip ist dasselbe wie bei den Datumsangaben. | |||
| Mitternacht | 000000 | 00:00:00 | Beginn eines Tages |
| Mitternacht | 240000 | 24:00:00 | Ende eines Tages |
| Uhrzeit in UTC | hhmmssZ hhmmZ hhZ |
hh:mm:ssZ hh:mmZ hhZ |
Dasselbe Format wie die gesetzliche Uhrzeit, nur mit einem Z am Ende |
| Abstand Ortszeit - UTC | ±hhmm ±hh |
±hh:mm |
entspricht der Zeitzone, zum Beispiel +0100 |
| Ortszeit plus Zeitzonenkorrektur | hhmmss±hhmm hhmmss±hh |
hh:mm:ss±hh:mm hh:mm:ss±hh |
Beispiel: 15:12:15+01:30 |
| Datum und Uhrzeit bildet man einfach, indem man eines der oben genannten Datumsformate mit einem Uhrzeitformat kombiniert. Dazwischen steht ein T. Siehe unten. | |||
| Datum und Uhrzeit | YYYYMMDDThhmmss YYYYMMDDThhmmssZ YYYYMMDDThhmmss±hhmm YYYYMMDDThhmmss±hh |
YYYY-MM-DDThh:mm:ss YYYY-MM-DDThh:mm:ssZ YYYY-MM-DThh:mm:ss±hh:mm YYYY-MM-DDThh:mm:ss±hh |
|
Intervalle: Man gibt einfach den Anfangszeitpunkt an, also Datum, Datum mit Uhrzeit oder aehnliches, dann das Trennzeichen / und anschliessend den Endzeitpunkt. Das kann zum Beispiel so aussehen: YYY-MM-DDThh:mm:ss/YYY-MM-DDThh:mm:ss
Wenn nicht Anfang und Ende, sondern die Dauer des Intervalls angegeben werden soll, setzt man davor das Praefix P.
Beispiel: P5Y6M3DT15H10M20S fuer 5 Jahre, 6 Monate, 3 Tage, 15 Stunden, 10 Minuten und 20 Sekunden. Das P darf man nicht vergessen, sonst erkennt niemand, dass es um ein Zeitintervall geht.
P7W bedeutet 7 Wochen.
Natuerlich kann man auch Anfangsdatum und Dauer oder Dauer und Enddatum kombinieren.
Zum Beispiel bedeutet 2003-06-06T12:00:00/P0Y0M0DT00:03:00, dass ein Ei, das am 6. Juni 2003 um 12 Uhr ins Wasser kommt, drei Minuten spaeter fertig ist. Ein weiches Ei natuerlich.
Und nichts hindert Sie daran, auch 2003-06-06T12:00:00/2003-06-06T12:03:00 zu schreiben. Das Ergebnis ist dasselbe.
Wenn Sie Ihr Ei lieber laenger kochen wollen, schreiben Sie ruhig 20030606T120000/20030606T120300, denn bis man das entziffert hat, sind die drei Minuten ohnehin vorbei.