Der Flammarion-Wettbewerb

Zur Einführung

Camille Flammarion, 1883 von Eugène Pirou fotografiert.
Camille Flammarion, 1883 von Eugène Pirou fotografiert. Eugène Pirou, Gemeinfrei, über Wikimedia Commons

1884 organisiert Camille Flammarion in der Zeitschrift L'Astronomie einen Wettbewerb. Ziel ist es, eine Reform des gregorianischen Kalenders vorzuschlagen, aus der ein ewiger Kalender werden könnte.

Dank der Spende eines anonymen Gönners ist dieser Wettbewerb mit 5.000 Francs dotiert.

Auf dem Rest dieser Seite folgen die in L'Astronomie veröffentlichten Texte, mit denen sich die Geschichte dieses Reformprojekts nachzeichnen lässt, das am Ende ohne jede Folge blieb.

Nicolas Camille Flammarion, besser bekannt als Camille Flammarion, geboren am 26. Februar 1842 in Montigny-le-Roi, Haute-Marne, gestorben am 3. Juni 1925 in Juvisy-sur-Orge, war ein französischer Astronom. Er war in zahlreichen gelehrten Gesellschaften und Vereinigungen zur Popularisierung der Naturwissenschaften sehr aktiv. Durch die mystischen und spiritistischen Seiten mancher Werke gewann sein Name zusätzliche Bekanntheit. Seine wissenschaftlichen Entdeckungen haben ihn unter den großen Popularisatoren der Wissenschaft bis heute in vorderster Reihe gehalten. Nach Wikipedia.

Die veröffentlichten Texte

PROJEKT EINER KALENDERREFORM.
URSPRUNG DES FÜR DIESE REFORM ERÖFFNETEN WETTBEWERBS.
EINGEREICHTE MEMORIEN. ÜBERTRAGUNG DER VOLLMACTEN AN DIE ASTRONOMISCHE GESELLSCHAFT FRANKREICHS.
ALLGEMEINER BERICHT UND VERGABE DER PREISE.

I

ERÖFFNUNG DES WETTBEWERBS
(Auszug aus L'Astronomie, September 1884.)

Seit mehreren Jahren, besonders aber seit der Gründung unserer populären Astronomiezeitschrift, haben wir aus allen Teilen der Welt und vor allem aus Amerika zahlreiche Anfragen und Entwürfe zu einer Kalenderreform erhalten. Durch unablässige Arbeiten in Anspruch genommen, konnten wir dieser Frage bisher nicht die Aufmerksamkeit widmen, die sie verdient. Heute aber erscheinen uns Interesse und Dringlichkeit dieser Reform so unbestreitbar, dass wir nicht zögern, ihr die Spalten unserer Zeitschrift zu öffnen. In einer Zeit, in der Fortschritte in jeder Hinsicht zahlreich und rasch aufeinander folgen, ist es kaum zu begreifen, dass man sich besonders unter den zivilisiertesten Völkern Europas, Asiens und der Neuen Welt noch nicht darüber verständigt hat, die Kalender zu verbessern, zu vervollkommnen und zu vereinheitlichen, obwohl sie ohne Ausnahme voller Mängel sind. Wir richten heute einen Aufruf an die Gelehrten aller Länder und an alle Regierungen und hoffen, dass man ihn ebenso hören wird wie jenen Aufruf, der hier vor zwei Jahren zugunsten eines Weltmeridians ergangen ist. Beide Fortschritte ergänzen einander. Gewiss musste der Mensch für die Ordnung der Zeit immer mit dem Himmel rechnen; aber Sonne und Mond, die unsere Kalender regieren, sollen uns dienen und nicht uns beherrschen. Ist es nicht an der Zeit, dass der menschliche Geist astronomisch und geographisch von unserem Planeten Besitz ergreift, statt sich blind von ihm lenken zu lassen?

Von heute an werden wir die Fahne der Kalenderreform hoch und festhalten.

Die Notwendigkeit einer endgültigen Reform ist heute allen klar. Die Frage muss unter allen Gesichtspunkten untersucht werden, und an den gegenwärtig gebräuchlichen Kalendern sind jene Korrekturen anzubringen, die aus ihnen einen allgemeinen, ewigen und möglichst vollkommenen Kalender machen könnten. Dieses große Thema von so universellem Interesse kann zum Wettbewerb gestellt werden, und das ist zweifellos der beste Weg, die praktischen Schwierigkeiten einer Reform und die Bedingungen zu zeigen, unter denen ein solches Projekt ohne allzu starke Erschütterung der gewohnten Gebräuche angenommen werden könnte.

Wir haben soeben von einem sehr sachkundigen Mann, der jedoch darum bittet, weder seinen Namen noch sein Land zu nennen, die Summe von FÜNFTAUSEND FRANCS erhalten, die als Preis für das beste Projekt einer Reform des bürgerlichen Kalenders vergeben werden soll.

Das Redaktionskomitee von L'Astronomie eröffnet also von heute an einen Wettbewerb in der Hoffnung, dass die Gelehrten, die sich an die Arbeit machen, ein einfaches, endgültiges und für alle Völker brauchbares Projekt hervorbringen werden.

CAMILLE FLAMMARION.

II

ALLGEMEINE DARSTELLUNG DER FRAGE
(Auszug aus L'Astronomie, November 1884.)

SEHR GEEHRTER HERR DIREKTOR,

Ich beschäftige mich seit langem mit den verschiedenen Fragen, die die Kalenderreform berühren, allerdings nur als Liebhaber und ohne die geringste Hoffnung, meine Arbeit jemals verwenden zu können. Ich wartete, wie die Juden auf den Messias warten, darauf, dass ein Mann der Wissenschaft, ein durch seine vielen Arbeiten autorisierter Mann wie Sie, dessen Schriften in allen fünf Weltteilen verbreitet sind, die Initiative dieser Reform ergreifen und die Fahne aufpflanzen würde.

Darum habe ich mit einem Glück, das ich nicht verhehlen kann, den Aufruf gelesen, den Sie soeben an alle Freunde des Fortschritts gerichtet haben. Viele andere, berufener als ich, werden darauf gewiss antworten. Ich selbst habe mich damit begnügt, in meinen Kästen zu stöbern, wo diese Dinge im Staub lagen, und alte Hefte hervorzuziehen, in denen ich eine Reihe von Dokumenten zur Frage gesammelt hatte, aus alten und modernen englischen, russischen, französischen, deutschen und italienischen Autoren, die denselben Gegenstand behandelt haben. Ich habe daraus eine sehr knappe Zusammenfassung gemacht und die Reform dabei nur unter einem Gesichtspunkt betrachtet, dem praktischen, der mir der wichtigste und der am leichtesten annehmbar scheint. Ich habe die Ehre, Ihnen diese Zusammenfassung zu übersenden, in der Hoffnung, dass Sie sie freundlich aufnehmen und ihr in Ihrer Zeitschrift Platz geben werden.

Bitte nehmen Sie, Herr Direktor, den Ausdruck meiner Dankbarkeit und meiner höchsten Hochachtung entgegen.

§ 1 - Historischer Überblick.

Der bürgerliche Kalender, oder das Jahrbuch, ist nichts anderes als die amtliche Ordnung der Zeitteilung, von der staatlichen Autorität verkündet, und legt Jahr, Monate, Tage, Stunden und so weiter fest.

Seit den Ursprüngen der Welt begriffen die Menschen die Notwendigkeit, die Teilung der Zeit und die Benennung ihrer verschiedenen Teile durch Regeln festzulegen. Ein Kalender erschien ihnen so nützlich wie Geld, Gewichte und Maße. Daher hatten alle Völker, selbst die ältesten, ihren Kalender. Die Verbesserung oder Reform des Jahrbuchs war zu allen Zeiten eine Sorge der Gesetzgeber. Numa, Julius Caesar und Gregor XIII. sind die berühmtesten Namen in dieser Geschichte.

Das beharrliche Streben aller Jahrhunderte nach einem vollkommenen Kalender, die ständigen Bemühungen aller Völker, ihn zu vervollkommnen, und das Unbehagen, das sie wegen seiner Mängel immer empfunden haben und noch empfinden, zeigen deutlich, dass der Kalender nicht bloß ein Werk der Kunst und Wissenschaft, ein Luxusgegenstand oder eine bloß nützliche und bequeme Erfindung ist, sondern ein echtes Bedürfnis für den Menschen, der mit seinesgleichen in Gesellschaft leben will, eine unverzichtbare Hilfe für seine Arbeit und seine Geschäfte, für seine sozialen Beziehungen, für seine Geschichte und für die Feier seiner Feste, ob religiös oder national. Der Kalender ist, ähnlich wie die Geographie und vielleicht noch mehr, das Auge der Geschichte: Er interessiert alle Menschen ohne Unterschied, und alle befragen ihn unaufhörlich, weil er jeden Tag und für jedermann notwendig ist.

Der Kalender ist gewissermaßen eine Uhr, die geordnet die Teilungen des Jahres, die Zahl und Folge der Tage, Monate und Wochen angibt, an eine Fülle von Erinnerungen erinnert und im rechten Augenblick nützliche Auskünfte liefert. So wie eine Uhr, die Zahl und Folge der Stunden und Minuten anzeigt, umso nützlicher und vollkommener ist, je gleichmäßiger und unveränderlicher sie dies tut, je einfacher und einprägsamer ihre Teilungen sind, ebenso hat man immer gedacht, dass die Vollkommenheit des Kalenders, wenigstens unter praktischem Gesichtspunkt, vor allem in der Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit seiner Anordnung liegt. Je weniger er von Jahr zu Jahr wechselt, desto nützlicher und bequemer ist er.

Fabre d'Églantine sagte in seinem Bericht an den Konvent, das wichtigste Verdienst eines Kalenders bestehe darin, ein großes Zeichen von Einfachheit zu tragen und natürliche, beständige und leicht zu behaltende Einteilungen zu bieten.

Auf dieses Ziel richteten sich denn auch stets die Bemühungen der Gelehrten und Gesetzgeber, die Jahrbücher entwarfen oder reformierten. Die Natur war zwar der erste Führer des Menschen bei der Teilung der Zeit und gab selbst die ersten und wichtigsten Elemente des Kalenders. Zwei Himmelskörper, die in enger Beziehung zur Erde stehen, maßen die Zeit mit großer Regelmäßigkeit und bezeichneten Tage und Nächte, Monate, Jahreszeiten und Jahre. Leider stimmten diese beiden Himmelsuhren nicht in allem miteinander überein und maßen die Zeit zudem nur sehr unvollständig. Es blieb also den Gelehrten und Gesetzgebern noch viel zu tun, um das Naturkalendarium in Gesetzesform zu bringen und zu vervollständigen.

Sie versuchten zunächst, die Dauer des bürgerlichen Jahres zu regeln und möglichst mit dem Himmelsjahr in Einklang zu bringen. Die Historiker nehmen an, dass man eine Zeitlang Jahre von einem Tag, von einem Monat oder von einer Jahreszeit versuchte. Man nahm aber bald eine Dauer an, die besser der jährlichen Umdrehung der Sonne oder des Mondes entsprach, und kam so ungefähr auf Jahre von 354, 360 oder 365 Tagen, mit einer unendlichen Vielfalt von Ergänzungstagen, deren Festlegung so lange die Verzweiflung der Astronomen bildete.

Dann bemühte man sich, den Beginn des Jahres festzusetzen, und dieser Beginn hat so stark gewechselt, dass es kaum einen Monat gibt, der nicht irgendwann einmal die Ehre hatte, der erste zu sein. Erst unter Karl IX., 1564, nahm der Januar endgültig den ersten Platz ein und hat ihn trotz legitimer Proteste bis heute behauptet.

Die Gesetzgeber mussten außerdem zwischen Mondjahr und Sonnenjahr wählen oder beide durch gegenseitige Zugeständnisse miteinander versöhnen. Dieser Kampf war lang und ist noch nicht endgültig entschieden.

Ebenso begriffen sie die Notwendigkeit, das Jahr in Einheiten zu gliedern, die groß genug waren, um dem Geist in der langen Reihe von 365 kleinen Einheiten, den Tagen, Ruhepunkte zu bieten. Nach kurzem Zögern zwischen Jahreszeiten und Monaten wurde die Einteilung in Monate als bequemer allgemein angenommen.

Sobald die Monate angenommen waren, musste ihre Tageszahl festgelegt und unter ihnen ein gewisses Gleichgewicht hergestellt werden. Das Problem war offenbar schwierig, denn bis heute ist es nicht wirklich befriedigend gelöst worden.

Der Monat erschien seinerseits noch zu groß, und man empfand das Bedürfnis nach weiteren Zwischenstufen. Je nach Zeit und Land gab es Iden, Nonen und Kalenden, Wochen und Dekaden. Die Woche aber, so wenig bequem sie auch sein mag, triumphierte fast überall aus Gründen, die mit Astronomie nichts zu tun haben.

Schließlich musste noch Anfang und Ende des bürgerlichen Tages auf einfache und bequeme Weise festgelegt werden, ebenso Zahl und Dauer der Stunden. Lange richtete man sich nach der Sonne; je nachdem, wann sie auf- oder unterging, begannen und endeten die Tage früher oder später, und je nach Jahreszeit und Monat waren die Stunden einmal kürzer, einmal länger. Schließlich begriff man aber die ganze Unbequemlichkeit solcher Regelungen und entschloss sich, Anfang und Ende des Tages unveränderlich von Mitternacht bis Mitternacht festzusetzen, den Tag in 24 stets gleiche Stunden, diese in 60 Minuten und die Minuten in 60 Sekunden zu teilen.

Erst nach unzähligen Versuchen, tastenden Schritten, Erfahrungen und fortschreitenden Verbesserungen gelang es, die Teilung der Zeit zu ordnen und ihre verschiedenen Teile etwas weniger unregelmäßig und etwas mehr im Einklang mit Natur und Bedürfnissen zu koordinieren. Unser Kalender, der nichts anderes ist als der julianische Kalender, 1582 von Gregor XIII. reformiert, ist insofern ein Werk aller Jahrhunderte, die Summe aller Arbeiten alter und neuer Astronomen und der Reformen großer Gesetzgeber. Darum wurde er mit Recht zum Kalender fast aller zivilisierten Völker. Doch obwohl er vollkommener ist als die meisten seiner Vorgänger, lässt unser Kalender noch viel zu wünschen übrig und bedarf seinerseits einer Reform, die ihn einfacher und regelmäßiger, nützlicher und vor allem weniger unerquicklich macht.

§ 2 - Hauptmangel unseres Kalenders.

Unter allen Mängeln, die man unserem Kalender und vielleicht sogar den Kalendern aller Völker vorwerfen kann, gibt es einen, auf den ich besonders hinweisen möchte. Gerade weil Autoren, Schriftsteller und Publizisten, die besonders zum Jahreswechsel nicht mit Vorwürfen und Kritik geizen, ihn fast nie bemerkt oder jedenfalls nicht ausdrücklich angeklagt haben, ist er doch der gerechteste und schwerwiegendste Vorwurf, den man formulieren kann: Im gegenwärtigen Kalender folgen die Jahre einander, ohne einander zu gleichen.

Der Kalender des beginnenden Jahres ist nämlich völlig verschieden vom Kalender des endenden Jahres. Die 365 Tage wechseln jedes Jahr ihren Platz und fallen nicht mehr auf dieselben Wochentage. So war der 1. Januar 1884 ein Dienstag, 1885 wird er ein Donnerstag sein, 1886 ein Freitag, 1887 ein Samstag und so weiter. Dasselbe gilt für alle anderen Tage bis zum 31. Dezember. Man kann von unserem Kalender also sagen, dass seine einzige Beständigkeit in seiner beständigen Unbeständigkeit liegt. Eben das zwingt uns, jedes Jahr einen neuen Almanach zu drucken, weil der des Vorjahres unbrauchbar geworden ist.

Ein solches Durcheinander widerspricht offensichtlich dem eigentlichen Ziel eines Kalenders und den Grundsätzen, die seine Anordnung leiten sollten. Es stört ständig unsere Gewohnheiten durch fortwährende Wechsel, bringt Verwirrung in unsere Angelegenheiten, hindert uns daran, unsere Zeit, unsere Beschäftigungen und unsere sozialen Beziehungen geordnet zu regeln, und verwirrt das Gedächtnis durch anhaltende Widersprüche und beständige Anachronismen. Gerade darum hat man am Kalender der Französischen Republik von 1793, so wenig universal und so wenig praktisch er auch war, immer am meisten bewundert, dass in ihm eine solche Symmetrie in Ganzem und Detail herrschte, dass alle Jahre einander glichen, alle Kalender einheitlich waren und dieselben Monatstage stets auf dieselben Tage der Dekade fielen. Unter diesem Gesichtspunkt räumt jedermann ein, dass der republikanische Kalender unbestreitbare Vorzüge hatte, die aus seiner bewundernswerten Regelmäßigkeit hervorgingen.

Die Reform, die wir vorschlagen, zielt daher hauptsächlich darauf, dem Kalender diese Einfachheit und vor allem diese Einheitlichkeit zu geben, die ihm fehlt. Wir wünschen daher, dass die Jahre sich, soweit möglich, gleichen sollen, dass etwa der Neujahrstag immer ein Sonntag, der 2. ein Montag und so weiter bis zum 31. Dezember sein soll, so dass die 365 Tage des Jahres unveränderlich auf dieselben Wochentage fallen wie im Jahr davor.

Wie aber lässt sich eine solche Reform durchführen?

Zunächst müssen wir den Ursprung des Übels suchen, die Ursache des Mangels, den wir beseitigen möchten. Sie ist leicht benannt: Hätte das bürgerliche Jahr genau 364 Tage, also 52 volle Wochen, dann würden sich alle Jahre in vollkommener Gleichförmigkeit erneuern. Leider hat Julius Caesar, um das bürgerliche Jahr mit dem Himmelsjahr in Einklang zu bringen, ihm 365 Tage gegeben und in Schaltjahren sogar 366, also 52 Wochen plus einen oder zwei Tage.

Gerade dieser 365. Tag ist der ganze Stein des Anstoßes. Er zerstört die Harmonie, die mit 364 Tagen bestünde, er verhindert die erwünschte Gleichförmigkeit in der Folge der Jahre, und weil er den ersten Tag jedes neuen Jahres um einen Rang verschiebt, verschiebt er notwendig alle anderen Tage mit und erhält die Unordnung.

Was also tun mit diesem 365. Tag? Ich bin weder Josua, der die Sonne am Ende des 364. Tages anhalten könnte, noch Apollon, der seine Rosse zurückhielte. Ich muss also die Naturgesetze akzeptieren, die dem Jahr 365 Tage geben. Behalte ich den 365. Tag in seiner heutigen Stellung, bleibt er dauernd Ursache von Störung und Unbequemlichkeit. Lasse ich ihn vollständig weg, dann stört der Verzicht auf einen Tag pro Jahr bald die Harmonie, die wenigstens in gewissem Maß zwischen bürgerlichem Jahr und Himmelsbewegungen herrschen muss.

Das Problem scheint auf den ersten Blick schwierig, fast unlösbar. Die Lösung ist vielleicht einfacher, als man vermutet. Könnte man den 365. Tag, ohne ihn aufzugeben, daran hindern, Ursache von Unordnung zu sein? Man könnte nach dem Vorbild der alten Ägypter aus dem 365. Tag einen Ergänzungstag machen, der nichts an der Ordnung der Tage des folgenden Jahres änderte. Oder wenn man sich scheut, einen Ergänzungstag einzuführen, der die heilige Kette der Sieben-Tage-Perioden zu durchbrechen schiene, könnte man die Jahre auf 364 Tage, also 52 volle Wochen, festsetzen und den 365. Tag, ebenso wie den 366. Tag in Schaltjahren, jedes Jahr beiseitelegen, um sie zu einer von den Astronomen im Voraus für Jahrhunderte festgelegten Ergänzungswoche zu sammeln.

Zum Beispiel:

Das Jahr 1884, Schaltjahr, hätte 2 zurückgelegte Tage.
Das Jahr 1885 hätte 1 zurückgelegten Tag.
Das Jahr 1886 hätte 1 zurückgelegten Tag.
Das Jahr 1887 hätte 1 zurückgelegten Tag.
Das Jahr 1888, Schaltjahr, hätte 2 zurückgelegte Tage.
Insgesamt also 7 zurückgelegte Tage.

Das Jahr 1888 hätte somit eine Ergänzungswoche. Diese Woche, die die Astronomen möglichst bequem und angemessen platzieren würden, käme also ungefähr alle fünf oder sechs Jahre wieder.

Im Grunde würde man mit diesem unglücklichen 365. Tag nichts anderes tun, als unser Kalender seit Julius Caesar mit den sechs überschüssigen Stunden am Ende jedes Jahres tut. Die Astronomen schlagen sie uns jedes Jahr, trotz der Ansprüche der Sonne, nicht einzeln zu, sondern warten vier Jahre, bis sich diese sechs Stunden zu einem ganzen Tag summieren, den sie dann Ende Februar als Zusatztag einsetzen. Sonst begänne das Jahr einmal um Mitternacht, einmal um sechs Uhr, einmal um Mittag, und dieselbe Unordnung würde sich auf alle Tage des Jahres übertragen. Mit Weisheit und aus dem klaren Interesse an Ordnung und Regelmäßigkeit warten sie also, bis die Stunden einen ganzen Tag ergeben, und setzen diesen alle vier Jahre Ende Februar ein. Genau dasselbe verlangen wir hier für den 365. und 366. Tag: Man soll sie jedes Jahr beiseitelegen und erst dann berücksichtigen, wenn sich daraus eine ganze Woche bilden lässt.

So einfach dieses System auch sein mag, wir schlagen es nicht ausschließlich vor. Wir sind überzeugt, dass die Wissenschaft noch einfachere Lösungen entdecken kann, die vielleicht den Vorzug verdienen.

§ 3 - Vorteile der vorgeschlagenen Reform.

Mit solchen festen und unveränderlichen Bestimmungen hätten wir endlich einen wirklich ewigen und unverrückbaren Kalender. Man müsste ihn nicht zu jedem neuen Jahr austauschen, und derselbe Kalender würde uns während unseres ganzen Lebens dienen, von der Geburt bis zum Tod, genau wie dieselbe Uhr, die uns Tag für Tag begleitet und später noch unseren Nachkommen dient. Während wir heute nur Kalender aus Karton besitzen und besitzen können, könnte man den neuen ewigen Kalender in Marmor, Bronze, Gold, Silber oder Elfenbein gravieren und an die Fassaden aller öffentlichen Gebäude setzen, weil er in tausend Jahren und darüber hinaus immer derselbe wäre.

Diese Reform wäre umso leichter von allen anzunehmen, als sie im Gegensatz zu fast allen Reformen keinen alten Gebrauch, keine Gewohnheit, keine Routine wirklich verletzen würde. Man würde den Wechsel kaum bemerken, weil er eher das Ende all jener kleinen jährlichen Veränderungen wäre, die wir heute hinnehmen müssen. Man verstünde sofort seinen wirklichen Nutzen und all seine Vorteile ebenso wie seine seltene Einfachheit. Von den Mühen und Unvollkommenheiten des gegenwärtigen Kalenders befreit, entspräche der neue Kalender genau dem heutigen Bedürfnis nach Ordnung, Sparsamkeit und Festigkeit in der Einteilung der Zeit.

Mit dem neuen Kalender könnte jeder die Verwendung seiner Zeit für lange Jahre im Voraus auf völlig gleichmäßige, regelmäßige und deshalb nützlichere Weise ordnen.

Dieser gewaltige Vorteil wäre besonders spürbar:

Die Vorteile der vorgeschlagenen Reform sind so offenkundig, dass längere Ausführungen kaum nötig scheinen. Mögen Wissenschaft, Geschichte, Religion, Landwirtschaft, Industrie, Handel und Kunst, für die Zeit immer und überall ein notwendiges Element ist, ihre Wohltaten selbst verkünden.

§ 4 - Verschiedene Anmerkungen.

Vom Standpunkt der Wissenschaft aus haben wir gegen diesen Reformvorschlag keinen ernsthaften Einwand gefunden. Das Gleichgewicht zwischen bürgerlichem Jahr und Sonnenjahr bleibt gewahrt oder stellt sich rasch wieder her, und wir berücksichtigen Tage, Stunden, Minuten und Sekunden weiterhin genauso genau wie bisher. Sollte man dem Entwurf dennoch vorhalten wollen, dass sich für ein bestimmtes Jahr oder eine bestimmte Jahreszeit vorübergehend eine Abweichung von einigen Tagen ergäbe, so wäre zu antworten, dass eine solche Differenz an sich belanglos wäre, völlig unbemerkt bliebe und unsere Gewohnheiten in keiner Weise störte. Selbst wenn sie noch etwas größer wäre, bestünde kein Grund zur Sorge. Unser Ziel war im Übrigen eher ein gebrauchstauglicher und bequemer Kalender als ein rein astronomischer Kalender, ein Kalender für alle statt für die Sternwarte; die Vollkommenheit eines bürgerlichen Kalenders besteht eben nicht darin, sich so eng wie möglich an die Sonne anzuschmiegen. Das beweist schon der gregorianische Kalender selbst, der zahlreiche Bestimmungen enthält, die der Natur keineswegs unmittelbar entsprechen, sondern ausschließlich übernommen wurden, weil sie praktischer waren.

Man wird sich zweifellos fragen, wie man bis heute mit einer Reform warten konnte, die doch so einfach und nützlich erscheint. Allein diese Tatsache könnte bereits ein Vorurteil gegen den Vorschlag wecken, und wir mussten versuchen, sie zu erklären. Ohne uns bei allgemeinen Erwägungen aufzuhalten, dass Fortschritte in fast allen Dingen langsam erfolgen, dass gerade die einfachsten und nützlichsten Reformen oft am längsten auf sich warten lassen und dass vergangene Jahrhunderte, während sie nacheinander ihren Tribut an den Fortschritt entrichten, den kommenden immer noch etwas zu vollenden übrig lassen, ohne uns also bei solchen Gemeinplätzen aufzuhalten, scheint uns ein Blick in die Geschichte zu zeigen, dass man lange Zeit das eigentliche Ziel des Kalenders fast aus den Augen verloren hat. Man dachte nur daran, ihn möglichst vollkommen mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung zu bringen; als Gregor XIII. diesen Wunsch der Wissenschaft erfüllt hatte, glaubte man, damit sei alles getan und es gebe fortan nichts mehr zu reformieren. Seitdem begnügen sich die meisten Autoren damit, im Vorübergehen die Mängel des gregorianischen Kalenders zu benennen, ohne seine Reform wirklich zu fordern; auch die Gesetzgeber scheinen sich nicht ernsthaft damit beschäftigt zu haben. Eine Ausnahme bildet allerdings die Konvention von 1793, die das Bedürfnis nach einem neuen Kalender sehr wohl verstand. Leider vermischte sie einige kluge und nützliche Bestimmungen mit anderen, die absurd und gotteslästerlich waren, sodass der republikanische Kalender nur wenige Jahre Bestand hatte.

Was unsere eigene Zeit betrifft, so scheinen die Männer der Wissenschaft, ich gebe es zu, kaum zu ahnen, dass ihnen hier noch eine große Aufgabe bleibt. Doch an dem Tag, an dem man sie zu dieser Frage befragt, zweifle ich nicht daran, dass sie die Unvollkommenheiten des bürgerlichen Kalenders sofort selbst erkennen, die einfachsten Mittel zu ihrer Behebung benennen und die Notwendigkeit wie die Vorteile einer Reform viel überzeugender verkünden werden, als es einige wenige Schriftsteller bislang tun konnten.

Sie haben daher tausendmal recht, Herr Direktor, wenn Sie diese wichtige Frage zunächst einem internationalen Kongress vorlegen wollen, der die fähigsten Ökonomen, Gelehrten aller Länder und die ausgezeichnetsten Astronomen versammelt. Wenn die Wissenschaft ihr Urteil gesprochen haben wird, wird das Gewissen der Gesetzgeber vollständig aufgeklärt sein, und sie werden nach der unendlichen Zahl von Versuchen, die seit so vielen Jahrhunderten und von so vielen großen Geistern unternommen worden sind, in voller Kenntnis der Sache die größte, logischste, nützlichste und zugleich einfachste aller Reformen durchführen können und allen Bewohnern unseres Planeten den vollkommensten aller Kalender geben: einen Kalender, der eines Tages notwendig universell werden und der Kalender aller Völker sein wird.

A. B. C.

III

BEMERKUNGEN ZUR KALENDERREFORM
(Auszug aus L'Astronomie, August 1885.)

SEHR GEEHRTER HERR DIREKTOR,

Mit größtem Interesse habe ich in der astronomischen Zeitschrift, die Sie leiten, zwei Artikel über eine der praktisch wichtigsten Fragen gelesen, die es überhaupt gibt: die Reform des bürgerlichen Kalenders.

In einer ersten Mitteilung vom vergangenen September riefen Sie selbst, Herr Direktor, alle guten Willens dazu auf, zur Lösung eines Problems beizutragen, das Sie mit vollem Recht als wesentlich ansehen, vor allem mit Blick auf die gesellschaftlichen Beziehungen aller Art und insbesondere auf die Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalität.

Ihr Aufruf wurde gehört, und in der Novembernummer von L'Astronomie habe ich mit großer Genugtuung verfolgt, wie sich die von Ihnen angestoßene wissenschaftliche Kampagne weiterentwickelte.

Es steht mir nicht zu, den anonymen Verfasser des ausgezeichneten Artikels, auf den ich anspiele, mit all dem Lob zu versehen, das er verdient und das ihm gewiss von Publikum und Gelehrtenwelt zuteilwerden wird. Ebenso wenig will ich auf die anregenden historischen Details dieses interessanten Memorandums zurückkommen. Ich hoffe aber, Herr Direktor, dass Sie mir erlauben, meinen bescheidenen Stein zu dem Bauwerk beizutragen, dessen Architekt Sie sind, und dass Sie den wenigen Beobachtungen, die folgen, in Ihrer Zeitschrift Gastfreundschaft gewähren.

Bitte nehmen Sie, etc....

JULES BONJEAN,
Doktor der Rechte, Rechtsanwalt beim Appellationsgericht, Paris

§ 1 - Wesentliche Grundlagen eines normalen Kalenders.

Wenn man allgemein die verschiedenen Systeme untersucht, mit denen man in der Antike wie in der Neuzeit nacheinander versucht hat, die Zeitrechnung zu ordnen, stellt man mit einiger Verwunderung fest, dass selbst die berühmtesten Reformer nur verhältnismäßig unvollkommene Ergebnisse erzielt haben. Und doch scheint auf den ersten Blick nichts leichter, als dass ein Gesetzgeber mit souveräner Macht den Bevölkerungen vollkommen methodische und in jeder Hinsicht befriedigende Regeln für den Kalender auferlegt.

Worin liegen also diese beträchtlichen Schwierigkeiten, die die größten Geister aller Zeiten nicht ganz überwinden konnten? Warum ist es bis heute nie gelungen, ein System der Zeitrechnung aufzustellen, das allen Interessen und allen Anforderungen gerecht würde?

Die Ursache dieser fortwährenden Änderungen und ständigen Misserfolge ist unseres Erachtens leicht zu benennen: Es ist die Vielzahl der Blickwinkel, unter denen der Gesetzgeber bei der Ordnung der verschiedenen Zeiteinheiten stehen kann und stehen muss. Er muss nämlich zugleich berücksichtigen: erstens die Dauer der wichtigsten astronomischen Bewegungen; zweitens die Sitten und selbst die fest eingewurzelten Vorurteile der Bevölkerung; drittens und vor allem die Erfordernisse des praktischen Lebens.

In den meisten Fällen ist es jedoch unmöglich, all diesen Gedankenkreisen gleichzeitig gerecht zu werden, und der Schöpfer eines neuen Kalenders sieht sich oft gezwungen, zwischen Überlegungen zu wählen, die gleichermaßen achtenswert und doch gegensätzlich sind. Daraus folgt notwendig, dass in diesem Widerstreit unterschiedlichster Interessen fast immer ein Gesichtspunkt einem anderen geopfert wird; eben das erklärt die Lücken und Mängel, die man unvermeidlich in allen Kalendern antrifft.

Wenn es also unmöglich ist, in jeder Hinsicht ein vollkommen befriedigendes Ergebnis zu erreichen, welche Linie soll der Reformer dann einschlagen? Soll er sich ausschließlich in den Bereich der reinen Wissenschaft zurückziehen und nur die Bewegungen der Gestirne berücksichtigen, also allein den astronomischen Standpunkt einnehmen? Oder soll er im Gegenteil, den römischen Pontifices gleich, sich so sehr vom Respekt vor der Tradition leiten lassen, dass er Rechenweisen beibehält, die sowohl von der reinen Wissenschaft als auch vom gesunden praktischen Verstand verworfen werden? Soll er sich also ausschließlich auf den traditionellen Standpunkt stellen? Oder soll er, Wissenschaft und ehrwürdige historische Rücksichten gleichermaßen beiseitelassend, nur darauf bedacht sein, bequeme, den Lebensbedürfnissen angepasste Einteilungen zu schaffen, also allein dem praktischen Standpunkt folgen?

Unseres Erachtens kann keine der drei eben genannten Methoden für sich allein zufriedenstellende Ergebnisse hervorbringen. Um sich davon zu überzeugen, genügt es, die absurden Folgen zu betrachten, zu denen man käme, wenn man ausschließlich eines dieser drei Systeme übernehmen würde.

Nehmen wir zunächst an, man berücksichtige nur den astronomischen Standpunkt. Man steht dann sofort vor unüberwindlichen Schwierigkeiten, denn Anfang und Ende der verschiedenen Himmelsbewegungen, die man notwendigerweise in Rechnung stellen muss, fallen nicht exakt zusammen: Das Sonnenjahr besteht weder aus einer genauen Zahl von Mondmonaten noch überhaupt aus einer genauen Zahl von Tagen. Mehr noch: Nicht einmal die Sonnentage sind streng gleich lang.

Wollte man sich also ausschließlich an die Gestirnsphänomene halten, müsste man astronomische Tafeln erstellen, deren Gebrauch allein Gelehrten zugänglich wäre und die keineswegs einen Kalender im eigentlichen Sinn bilden könnten. Doch das wäre nicht der einzige Nachteil eines solchen Systems. Selbst wenn die längeren astronomischen Zyklen genaue Vielfache der kleineren wären, erhielte man noch immer kein Ergebnis, das in jeder Hinsicht befriedigte. Stellen wir uns etwa vor, das Sonnenjahr bestünde genau aus 365 Tagen und 5 Mondmonaten von je 73 Tagen: Das wäre vielleicht wissenschaftlich, aber sicher unbrauchbar für die vielfältigen Bedürfnisse des gesellschaftlichen Lebens. Wie sollte man sich mit einem System zufriedengeben, in dem keine der Perioden leicht teilbar wäre, in dem sich weder ein Halbjahr mit einer ganzen Zahl von Monaten noch ein Halbmonat mit einer ganzen Zahl von Tagen bilden ließe, und in dem der Abstand zwischen einem Jahr von 365 Tagen und einem Monat von 73 Tagen ebenso gewaltig wäre wie der zwischen einem solchen Monat und einem einzelnen Tag? Schon dieses einfache Gedankenexperiment zeigt, dass man sich nicht ausschließlich in das Reich der Wissenschaft zurückziehen kann, selbst wenn man eine vollkommene Übereinstimmung zwischen den Bewegungen der Gestirne unterstellte. Sonst entstünde ein Werk, das für die Bedürfnisse des praktischen Lebens völlig untauglich wäre, ganz zu schweigen von der Erschütterung, die eine solche Neuerung in den Sitten und Gewohnheiten der Bevölkerung hervorrufen würde.

Soll man also, jede wissenschaftliche Erwägung verwerfend und daran verzweifelnd, je zu einer methodischen Lösung zu gelangen, sich einfach damit begnügen, die Regeln unserer Vorgänger so getreu wie möglich fortzuführen und der Tradition zu folgen? Eine solche Auffassung lässt sich unseres Erachtens nicht ernsthaft verteidigen.

Gewiss enthält unser heutiger Kalender einige Bestimmungen, die sich zwar logisch nur schwer rechtfertigen lassen, die aber dennoch Respekt verdienen, weil sie mit tief im Bewusstsein der Bevölkerung verwurzelten Sitten und Gewohnheiten übereinstimmen. Zugleich muss man aber zugeben, dass zahlreiche andere Regeln, die ebenso allein auf Tradition beruhen, reformiert werden könnten, ohne nationale Gewohnheiten ernsthaft zu verletzen. So versteht man noch, dass man vor der Abschaffung der Woche, dieser traditionellen Periode schlechthin, zurückschreckt; sehr viel weniger versteht man hingegen, warum man aus reinem Gewohnheitsgeist dem Februar weiterhin nur 28 Tage zugesteht, während zugleich die Zahl der 31-Tage-Monate jene der 30-Tage-Monate übersteigt.

Da wir uns also weder allein an den Erkenntnissen der Wissenschaft noch allein an der Tradition orientieren können, scheint es zunächst, als müsse man sich auf praktische Erwägungen beschränken. Aber auch dann gerieten wir in eine Sackgasse.

Nehmen wir an, man abstrahiere völlig von wissenschaftlichen und historischen Rücksichten. Was geschähe dann? Man würde sich damit begnügen, künstliche Perioden zu schaffen, die im Gebrauch möglichst bequem und leicht ineinander teilbar wären: etwa ein Jahr von 100 Tagen mit 10 Monaten zu je 10 Tagen oder ein Jahr von 240 Tagen, aufgeteilt in 12 Monate zu je 20 Tagen, die wiederum in kleine Perioden von 5 Tagen zerfielen. Auf die Nachteile eines solchen Kalenders muss man kaum näher eingehen: Er wäre vielleicht sehr bequem, um Fristen, Fälligkeiten oder tatsächlich verstrichene Zeit zu berechnen, böte aber keinerlei Anhaltspunkt für die Wiederkehr der wichtigsten Erscheinungen, selbst nicht unter praktischen Gesichtspunkten, und wäre den Gewohnheiten und Denkweisen der Bevölkerung in keiner Weise angepasst.

Welche Grundsätze soll man also annehmen, um einen wirklich guten und nützlichen, wenn auch nicht vollkommenen Kalender zu schaffen? Wir haben gesehen, dass es unmöglich ist, sich ausschließlich auf den astronomischen, den traditionellen oder den praktischen Standpunkt zu stellen. Man muss diese Elemente also miteinander verbinden und dabei jedes von ihnen möglichst wenig opfern.

Doch wenn Überlegungen verschiedener Ordnung miteinander in Konflikt geraten, welches Kriterium soll dann gelten? Unserer Ansicht nach muss stets der praktische Standpunkt den Vorrang haben. Was ist denn der eigentliche Zweck des Kalenders? Soll er Gelehrten den genauen Zeitpunkt astronomischer Erscheinungen mitteilen? Soll er das Andenken an lange verschwundene Gebräuche und Vorurteile bewahren? Das kann niemand ernsthaft behaupten. Wer den Kalender reformieren will, muss sich vor allem um die Anforderungen des täglichen Lebens kümmern: einfache Einteilungen schaffen, die sich leicht gliedern lassen, möglichst gut miteinander harmonieren und genügend vielfältig sind, damit die eine oder andere fast immer einer für unsere Geschäfte, unsere Arbeit oder unsere Ruhe nützlichen Dauer entspricht. Gewiss muss man aus eben diesen praktischen Gründen auch die Daten der Wissenschaft berücksichtigen und die Tradition in gewissem Maß achten; doch auf einfache und bequeme Einteilungen sollte man nur im äußersten Fall verzichten und nur dann, wenn völlig klar bewiesen ist, dass die Vernachlässigung einer astronomischen oder traditionellen Rücksicht einen ernsthaften praktischen Nachteil hätte.

§ 2 - Kritik der verschiedenen Unterteilungen des gregorianischen Kalenders.

Der gregorianische Kalender, der heute bei den meisten zivilisierten Nationen in Gebrauch ist, gehört unbestreitbar zu den besten, wenn nicht sogar zum besten der bisher verwendeten Kalender. Wir wollen daher nicht den Gang der Jahrhunderte zurückverfolgen und die verschiedenen Methoden analysieren, mit denen man zu allen Zeiten die Zeit berechnet hat. Da wir ein im Wesentlichen praktisches Ziel verfolgen, beschränken wir uns darauf, die einzelnen Unterteilungen unseres heutigen Kalenders im Licht der im ersten Paragraphen dargelegten Grundsätze zu prüfen.

1. Der Tag. Der Tag ist die Grundlage, die ursprüngliche Einheit jedes Kalenders. Die Folge von Licht und Dunkelheit macht, wenigstens in fast allen bewohnbaren Klimaten, die Erdrotation zur notwendigsten aller Zeiteinteilungen für das praktische Leben. Gewiss stimmt der astronomische Tag nicht streng mit dem mittleren Tag überein, nach dem unsere Uhren gehen; doch da die Differenz stets in sehr engen Grenzen bleibt, kann man sagen, dass diese erste Einteilung zugleich den Anforderungen der Wissenschaft, des praktischen Lebens und außerdem dem allgemeinen Einverständnis der Völker entspricht.

2. Die Woche. Anders verhält es sich mit der Woche. Diese Periode entspricht keiner bestimmten astronomischen Bewegung; zudem hat sie den doppelten Nachteil, aus einer unteilbaren Zahl von Tagen zu bestehen und zugleich kein exakter Bruchteil des Jahres zu sein. Dennoch glauben wir, dass hier selbst vom praktischen Standpunkt aus der Respekt vor der Tradition zwingend ist. Tatsächlich sind die drei eben genannten Mängel nicht so gravierend, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Erstens hat die Woche zwar keinerlei Bedeutung als Hinweis auf die Wiederkehr bestimmter klimatischer Erscheinungen; doch man muss zugeben, dass auch keine astronomische Periode ähnlicher Länge in dieser Hinsicht mehr Vorteile böte. Gleichwohl ist eine Zwischenstufe zwischen Tag und Jahr unverzichtbar, weil allein diese beiden wissenschaftlich notwendigsten Elemente das tägliche Leben tiefgreifend beeinflussen. Was den zweiten Einwand gegen die Sieben-Tage-Periode angeht, so sollte auch er uns nicht aufhalten; denn wenn es stimmt, dass die Zahl 7, als unteilbare Zahl, für eine praktische Zeiteinteilung schlecht gewählt scheint, darf man nicht vergessen, dass der fortdauernde Gebrauch, bei den meisten Völkern durch religiöse Vorschriften gestützt, einen Wochentag der Ruhe weiht, sodass die gewöhnlichen Arbeitstage auf sechs reduziert werden, eine bequeme und leicht teilbare Zahl. Es bleibt also nur ein wirklich ernsthafter Nachteil: das Fehlen einer Übereinstimmung zwischen der Dauer des Jahres und einer ganzen Zahl von Wochen. Gewiss ist das ein sehr schwerer Mangel, den der Verfasser des bemerkenswerten Artikels in der Novembernummer dieser Zeitschrift treffend herausgearbeitet hat; doch derselbe Autor hat dem Übel zugleich das Heilmittel zur Seite gestellt, indem er eine künstliche Methode zur Beseitigung dieses Nachteils vorschlug. Uns scheint dieses Mittel durchaus vertretbar; im folgenden Paragraphen werden wir uns jedoch erlauben, ein empirisches Verfahren anderer Art vorzuschlagen, das vielleicht dasselbe Ziel erreichen könnte, ohne dieselben Nachteile zu haben.

Man sieht also, dass die Woche sowohl wissenschaftlich als auch praktisch weniger Nachteile aufweist, als es zunächst scheint. Berücksichtigt man außerdem die Notwendigkeit, die Tradition soweit wie möglich zu achten, so drängt sich vielleicht keine andere Zeitperiode so zwingend auf wie die Sieben-Tage-Woche. In den meisten zivilisierten Völkern machen Sitten, überlieferte Gewohnheiten und religiöse Lehren diese Einteilung zu einer der wichtigsten Grundlagen für Arbeit, Kult, Geschäfte und Vergnügungen. Man muss daher darauf verzichten, die Woche durch eine methodischere Periode von etwa 5, 6 oder 10 Tagen zu ersetzen, wenn man nicht die Gewohnheiten der Bevölkerung tief erschüttern und ein Werk hervorbringen will, das, wie der Kalender des französischen Nationalkonvents, trotz anderer wirklicher Vorzüge rasch wieder untergeht.

3. Der Monat. Streng genommen ist der Monat des gregorianischen Kalenders ebenso wie die Woche eine rein künstliche Unterteilung. Zunächst entspricht er keiner genauen astronomischen Bewegung. Außerdem sind die Monate untereinander ungleich, und keiner von ihnen hat auch nur den Vorteil, ein festes Zwölftel des Jahres zu bilden. Besonders deutlich tritt dieser Mangel durch den unbegreiflichen Gewohnheitsgeist hervor, der dem Februar nur 28 Tage zugesteht, während die Zahl der 31-Tage-Monate jene der 30-Tage-Monate übersteigt. Schließlich haben zwar vier Monate den Vorzug, eine einfache und leicht teilbare Zahl von Tagen zu enthalten; die übrigen acht, also die Mehrzahl, bestehen dagegen aus 31, 28 oder 29 Tagen und sind in dieser Hinsicht ausgesprochen unzulänglich.

Wir glauben daher, dass an diesem Punkt eine Reform dringend geboten ist. Freilich bedauern wir nicht, dass der Kalendermonat nicht mit dem Mondmonat übereinstimmt. Anders als die Erdrotation und der Umlauf der Erde um die Sonne zieht die Bewegung des Mondes um unseren Planeten keine so wichtigen praktischen Folgen nach sich, dass man der Einfachheit und Nützlichkeit einer anderen Rechnungsweise zuliebe darauf verzichten müsste. Wir nehmen also an, dass der bürgerliche Monat nicht mit dem Mondmonat zusammenfallen muss und nur eine künstliche, ein Zwölftel des Jahres bildende Unterteilung sein darf. Wenn dies feststeht und alle wissenschaftlichen Erwägungen beiseitegelassen sind, muss zumindest die praktische Seite der Frage so weit wie möglich berücksichtigt werden. Denn hier zwingt uns anders als bei der Woche keine tief verwurzelte Tradition; die Anomalien in der Länge der verschiedenen Monate lassen sich nur durch den Nachhall längst verschwundener Gebräuche und Vorurteile erklären. Man muss sich daher an die schlichten Regeln des gesunden Menschenverstands halten und dem Monat seinen Charakter als künstliche, aber praktische und bequeme Unterteilung des Jahres zurückgeben. Im folgenden Paragraphen werden wir sehen, wie dieses Ziel unserer Meinung nach erreicht werden könnte.

4. Das Jahr. Anders als Woche und Monat ist das Jahr eine Periode, bei der man die Daten der Astronomie sorgfältig berücksichtigen muss. Wenn wir es uns erlauben konnten, die Mondphasen außer Acht zu lassen, weil sie die Bedingungen des praktischen Lebens nicht grundlegend verändern, so können wir in Bezug auf die Bewegung unseres Planeten um die Sonne nicht ebenso verfahren. So wie die Erdrotation den Tag als grundlegendes Element der Zeiteinteilung notwendig macht, weil sie abwechselnd Dunkelheit und Licht zurückkehren lässt, so bringt auch der Lauf unseres Planeten um die Sonne unter den meisten Breiten periodisch klimatische Erscheinungen von höchster praktischer Bedeutung wieder. Da das Sonnenjahr jedoch keine ganze Zahl von Tagen umfasst, muss man auf empirische Verfahren zurückgreifen, um diese beiden wesentlichen Elemente des Kalenders miteinander in Einklang zu bringen. Wir wollen die verschiedenen Methoden, die bisher zu diesem Zweck angewandt wurden, hier nicht prüfen; doch scheint uns der gregorianische Kalender in dieser Hinsicht so zufriedenstellend wie nur möglich, mit Ausnahme der seltsamen Stellung, die dem Ergänzungstag zugewiesen wird und die allein einem übertriebenen Traditionsrespekt entspringt.

§ 3 - Entwurf einer Kalenderreform.

Wir haben soeben gesehen, welche Vorzüge und welche Lücken der gregorianische Kalender aufweist. Nun bleibt zu untersuchen, wie sich die einen bewahren und die anderen beheben ließen. Gewiss beanspruchen wir nicht, einen in jeder Hinsicht vollkommenen Plan vorzulegen; wir wollen lediglich jene Änderungen den Lesern unterbreiten, die uns für unseren heutigen Kalender sinnvoll und notwendig erscheinen. Zur größeren Klarheit der Darstellung müssen wir diesem letzten Teil unserer Arbeit jedoch den Charakter eines Gesamtentwurfs geben.

Unserer Ansicht nach sollte der reformierte Kalender auf folgenden Grundlagen beruhen:

Das Jahr hätte 365 Tage; Ergänzungstage würden nach den Grundsätzen des gregorianischen Kalenders eingefügt.

Es würde in 12 Monate geteilt, die abwechselnd 30 und 31 Tage hätten, sodass sich folgende Verteilung ergäbe:

Januar . . . . . . . . . . . . . . . 30 Tage
Februar . . . . . . . . . . . . . . 31 -
März . . . . . . . . . . . . . . . . 30 -
April . . . . . . . . . . . . . . . 31 -
Mai . . . . . . . . . . . . . . . . 30 -
Juni . . . . . . . . . . . . . . . . 31 -
Juli . . . . . . . . . . . . . . . . 30 -
August . . . . . . . . . . . . . . . 31 -
September . . . . . . . . . . . . . 30 -
Oktober . . . . . . . . . . . . . . 31 -
November . . . . . . . . . . . . . 30 -
Dezember . . . . . . . . . . . . . 30 -
GESAMT . . . . . . . . . . . . . . 365 Tage

In Schaltjahren erhielte der Dezember einen 31. Tag; damit gäbe es ebenso viele Monate mit 31 Tagen wie mit 30 Tagen.

Der erste Tag des Jahres wäre immer ein Sonntag; dann folgten die Wochentage in ihrer heutigen Reihenfolge bis zum 30. Dezember, dem letzten Tag des Jahres in unserem System, der ebenfalls ein Sonntag wäre. So wären der erste wie der letzte Tag des Jahres Ruhetage. In Schaltjahren erhielte der 31. Dezember als Ergänzungstag eine besondere Bezeichnung oder würde einfach ebenfalls als Sonntag gelten.

Der bürgerliche Tag schließlich bliebe den Regeln unterworfen, die ihn heute bestimmen; daran würde nichts geändert.

Ein solcher Kalender, so scheint uns, böte erhebliche Vorteile und wäre dem gregorianischen Kalender in mehrfacher Hinsicht überlegen. Worin bestünden denn die von uns vorgeschlagenen Reformen?

Was die Monate betrifft, so teilt der heutige Kalender das Jahr in 7 Monate zu 31 Tagen, 4 Monate zu 30 Tagen und 1 Monat zu 28 oder 29 Tagen. Darüber hinaus sind die 31-Tage-Monate so eigenartig angeordnet, dass man häufig zu Merkhilfen greifen muss, um zu wissen, ob ein bestimmter Monat 30 oder 31 Tage hat. Der übermäßig verkürzte Februar zwingt dazu, die Zahl der 31-Tage-Monate zu erhöhen und den 30-Tage-Monat zur Ausnahme zu machen, obwohl er die Regel bilden sollte. Man sieht also, dass die heute befolgte Methode jeder Logik entbehrt. In unserem System dagegen sind die 30-Tage-Monate, die weitaus praktischeren, in der Mehrzahl und wechseln sich regelmäßig mit den 31-Tage-Monaten ab, sodass man sie leicht unterscheiden kann. Zugleich verschwindet die Eigentümlichkeit eines verstümmelten Monats wie des heutigen Februars. Und der Ergänzungstag der Schaltjahre fügt sich ganz natürlich ans Ende des Jahres, indem er aus dem zwölften Monat einen Monat von 31 Tagen macht.

An diesem ersten Punkt, so scheint uns, bietet unsere Reform wenig Angriffsfläche. Das System, das wir für die Wochen oben skizziert haben, würden wir eher der Diskussion öffnen. Wir verkennen den empirischen Charakter der von uns vorgebrachten Theorie keineswegs und wissen, dass man uns vorwerfen könnte, eine Woche mit zwei Sonntagen oder gar drei Sonntagen geschaffen zu haben, eine nahe Verwandte jener sprichwörtlichen „Woche mit vier Donnerstagen“. Doch uns hat die Aussicht gereizt, die verschiedenen Unterteilungen des Kalenders miteinander in Einklang zu bringen. Ist es nicht bedauerlich, dass heute zwischen Wochentag und Jahrestag keinerlei Verbindung besteht? Wer hätte nicht schon oft die theoretischen und praktischen Unbequemlichkeiten dieses Zustands verspürt? Gewiss kann man unserem System vorwerfen, dass die letzte Woche des Jahres im Grunde keine Woche mehr wäre, sondern eine Periode von acht oder sogar neun Tagen, die die Kette der Sieben-Tage-Perioden unterbricht. Diese Kritik ist durchaus begründet; wir glauben aber, ihr ebenfalls ernste Argumente entgegenstellen zu können.

Zunächst wenden wir, um die Dauer des Jahres mit einer ganzen Zahl von Wochen in Übereinstimmung zu bringen, ein Verfahren an, das völlig analog zu jenem ist, das bereits verwendet wird, um Sonnenjahre mit ganzen Zahlen von Tagen in Einklang zu bringen. So wie man alle vier Jahre dem Schaltjahr einen Ergänzungstag hinzufügt, sodass dieses 366 Tage umfasst, während das gewöhnliche Jahr nur 365 zählt, so machen wir aus der 52. Woche jedes Jahres eine besondere Woche von 8 statt 7 Tagen. Diese beiden Verfahren stehen sich also vollständig gleich; das eine ist weder empirischer noch sonderbarer als das andere. Außerdem ist zu bedenken, dass die leichte Störung, die sich durch die unmittelbare Nachbarschaft zweier Sonntage in den Gewohnheiten der Bevölkerung ergäbe, gerade auf eine Zeit des Jahres fiele, die nach den Sitten fast aller Völker ohnehin außergewöhnlichen Festlichkeiten gewidmet ist. Und selbst wenn die von uns vorgeschlagene Reform gewisse Nachteile mit sich brächte: Wäre es dann nicht immer noch besser, diese leichten Unbequemlichkeiten hinzunehmen, als einen offenkundig mangelhaften Zustand fortbestehen zu lassen?

Zusammengefasst würde der neue Kalender, dessen Einführung wir vorschlagen, den gregorianischen Kalender durch folgende Eigenschaften übertreffen: dauerhafte Übereinstimmung der Tage des Jahres mit den Wochentagen; möglichst große Gleichheit und Regelmäßigkeit der Monate; das Verschwinden jeder Eigentümlichkeit, die sich nur durch bloßen Gewohnheitsgeist rechtfertigen lässt. Außerdem böte er den ungeheuren Vorteil, die tief eingewurzelten Gewohnheiten der Bevölkerung fast vollständig zu respektieren, sodass die Reform im gewöhnlichen Lauf des Lebens kaum Unruhe stiften und zugleich erhebliche Verbesserungen bringen würde, ohne dass man sie beinahe bemerkte.

JULES BONJEAN.

IV

SCHLIESSUNG DES WETTBEWERBS
(Auszug aus L'Astronomie, Mai 1886.)

Der im September 1884 eröffnete Wettbewerb wurde, wie angekündigt, am 1. Januar 1886 geschlossen. Fünfzig aus verschiedenen Teilen der Welt eingesandte Denkschriften wurden in erster Lesung geprüft und geordnet. Der Bericht wird nun in Kürze dem Urteil einer hochrangigen Kommission vorgelegt, gegebenenfalls überarbeitet und als Darstellung des gewünschten Reformprojekts verabschiedet; danach wird er zusammen mit der Preisvergabe veröffentlicht. Schon jetzt darf man annehmen, dass der Preis von fünftausend Francs keinem einzelnen Autor zufallen wird, sondern auf mehrere verteilt werden muss.

Mehrere Gelehrte haben uns in diesem Zusammenhang gefragt, ob das Projekt nicht auch die Reform des religiösen Kalenders betreffe, und versicherten uns, dass eine solche Reform sehr nützlich und unter allen Christen, Katholiken wie Protestanten, sogar allgemein erwünscht sei. Wir selbst können dazu nichts Endgültiges sagen. Wir wissen jedoch von Mitgliedern des englischen Parlaments, die beabsichtigen, eine solche Reform dem Unterhaus vorzuschlagen, vor allem mit dem Wunsch, die Parlamentsferien jedes Jahr auf dieselbe Zeit festzulegen. Wir könnten insbesondere einen davon nennen, der wegen seines ungeheuren Reichtums und noch mehr wegen seiner grenzenlosen Wohltätigkeit in England wie in Frankreich überall bekannt ist und Paris die Volksbrunnen geschenkt hat, die seinen Namen tragen.

Es wird jedoch Sache jenes Kongresses sein, den wir für die Reform des bürgerlichen Kalenders zusammenkommen sehen möchten, zu entscheiden, ob er zugleich einen Wunsch hinsichtlich der Reform des religiösen Kalenders äußern soll. Was uns betrifft, so können wir uns nur mit dem bürgerlichen Kalender befassen. Im Übrigen scheint uns die Reform des religiösen Kalenders das Oberhaupt der christlichen Religion anzugehen. Gregor XIII. hat mit Unterstützung der Gelehrten seines Jahrhunderts vor drei Jahrhunderten eine Reform vorgeschlagen, die nach und nach von fast allen christlichen Staaten angenommen wurde. Leo XIII., der mit gutem Grund als Freund von Wissenschaft und Fortschritt gilt, kann, wenn er es für nützlich hält, seinerseits die Zweckmäßigkeit einer neuen Reform entscheiden.

V

BERICHT ÜBER DIE BEIM WETTBEWERB EINGEREICHTEN PROJEKTE (1)

(1) Wie man soeben gesehen hat, wurde dieser Wettbewerb am 1. Januar 1886 geschlossen. Nachdem die Société Astronomique de France gegründet worden war und ihre erste Sitzung am 28. Januar 1887 abgehalten hatte, übertrug Herr Flammarion ihr bereits in der zweiten Sitzung vom 28. Februar seine Vollmachten. Die Gesellschaft setzte daraufhin unverzüglich eine Kommission ein, die ihr einen Bericht über die eingereichten Projekte und über die Verteilung des Preises von fünftausend Francs vorzulegen hatte. Es ist dieser Bericht aus der Feder von Philippe Gérigny, dem Sekretär der Gesellschaft, der hier veröffentlicht wird.

Der 1884 von L'Astronomie eröffnete Wettbewerb für ein Projekt zur Reform des bürgerlichen Kalenders hat die Ergebnisse hervorgebracht, die man von einem weltweiten Aufruf zu einer Frage von so offenkundigem Interesse erwarten durfte. Aus verschiedenen Teilen der Welt wurden Herrn Flammarion fünfzig Denkschriften zugesandt. Einige von ihnen enthalten mehrere unterschiedliche Projekte. Eine gewisse Zahl besitzt hohen wissenschaftlichen Wert; mehrere andere weisen ernste Qualitäten und unbestreitbares Verdienst auf. Bevor wir auf diese zahlreichen Arbeiten im Einzelnen eingehen, scheint es uns notwendig, die Grundlagen genau zu bestimmen, nach denen die Reform unseres Erachtens geprüft werden muss. Alle sind sich einig, dass der gregorianische Kalender in seiner jetzigen Form erhebliche Mängel aufweist; doch über die relative Bedeutung dieser Mängel urteilen die Autoren der eingesandten Denkschriften sehr unterschiedlich, und die vorgeschlagenen Mittel zu ihrer Behebung sind zahlreich und vielfältig.

Aus der Lektüre der Projekte ergibt sich, dass dem gregorianischen Kalender zu Recht oder zu Unrecht folgende Mängel vorgeworfen wurden:

Dies sind also die Unvollkommenheiten, die die Wettbewerbsteilnehmer zu beseitigen suchten, wobei jeder seine Aufmerksamkeit vor allem auf den Punkt richtete, der ihm als der schwerwiegendste erschien. Es gilt daher, diese elf Vorwürfe zu prüfen und zu untersuchen, ob sie wirklich begründet sind und ob sich die aufgezeigten Mängel beheben lassen, ohne schwerere neue einzuführen.

I

Es gibt zunächst eine grundlegende Erwägung, die alle anderen beherrschen muss und einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Maß der Zeit und dem Maß anderer Größen einführt: Die doppelte Bewegung der Erde um ihre Achse und um die Sonne lässt in annähernd gleichen Abständen Erscheinungen wiederkehren, die für unser ganzes Dasein von erheblicher Bedeutung sind. Längen- und Gewichtseinheiten können ohne jeden Nachteil willkürlich festgelegt werden, und genau das ist bei den gebräuchlichen Einheiten auch geschehen. Die Folge von Tag und Nacht zwingt uns jedoch, unser Leben nach der scheinbaren täglichen Bewegung der Sonne zu richten, und legt uns so den Sonnentag als Zeiteinheit absolut auf. Gewiss ist der Sonnentag nicht konstant und erfüllt darum nicht streng den wesentlichen Charakter einer Maßeinheit; man weiß jedoch, wie die Astronomen diese Schwierigkeit umgangen haben, indem sie den wahren Sonnentag durch den mittleren Sonnentag ersetzten. Wir wollen bei dieser einfallsreichen Lösung nicht verweilen; sie liegt im Übrigen außerhalb unseres eigentlichen Themas und löst das Problem für bürgerliche Zwecke so glücklich und vollständig, dass man sagen kann: Der mittlere Sonnentag, wie ihn die Astronomie definiert, ist für den zivilen Gebrauch eine endgültige Zeiteinheit.

Für längere Zeiträume ist der mittlere Sonnentag jedoch zu kurz. Man könnte versucht sein, dann ein dezimales Vielfaches dieser Grundeinheit zu verwenden, etwa eine Periode von 100 oder 1000 Tagen, so wie man das Hektometer oder den Kilometer zur Messung von Wegstrecken verwendet. Wenn alle Tage einander glichen, hätte man das selbstverständlich längst getan, und die Kalenderfrage gäbe es gar nicht. In einer Welt ohne Jahreszeiten, wie auf Jupiter, bemerkte man überhaupt kein Jahr und der Zyklus der Tage könnte beliebig sein. Doch die Folge der Jahreszeiten bringt uns abwechselnd lange Tage und lange Nächte, drückende Hitze und strengen Frost, die Aktivität und den Schlaf des pflanzlichen Lebens zurück. Wir müssen mit dieser Vielfalt der Erscheinungen der uns umgebenden Welt rechnen, um unsere Tätigkeiten zu ordnen. Die Periode ihrer Wiederkehr drängt sich uns mit nicht geringerer Autorität als Einheit der Zeit auf als der Wechsel von Tag und Nacht; gerade darin liegt die erste Schwierigkeit des Problems, denn diese Periode, die die Astronomen tropisches Jahr nennen, besteht nicht aus einer genauen Zahl von Tagen. Sie beträgt ungefähr 365 Tage und ein Viertel, genauer 365,242217 Tage, und ändert sich mit den Jahrhunderten sogar geringfügig. Glücklicherweise ist diese Veränderung so schwach, dass es für mehrere Jahrtausende unnötig ist, sie zu berücksichtigen.

Es ist offensichtlich unmöglich, für den bürgerlichen Gebrauch ein Jahr beizubehalten, das nicht aus einer ganzen Zahl von Tagen bestünde. Da man auch nicht darauf verzichten kann, die Zeit nach den Jahreszeiten zu zählen, und das Jahr nicht einfach durch eine dezimale Periode von 100 oder 1000 Tagen ersetzen kann, bleiben nur zwei Wege offen. Der erste bestünde darin, das bürgerliche Jahr aus der der Bruchzahl des tropischen Jahres nächstliegenden ganzen Tageszahl zu bilden, also aus 365 Tagen. Das war die Lösung der alten Ägypter. Dieses immer gleich 365 Tage lange Jahr, das man das vage Jahr genannt hat, besitzt den unbestreitbaren Vorteil, immer mit sich selbst übereinzustimmen. Bekannt ist aber auch der Nachteil der vernachlässigten Bruchzahl: Da das bürgerliche Jahr um ungefähr ein Viertel Tag zu kurz ist, verschieben sich die Jahreszeiten alle vier Jahre um einen Tag; das Frühlingsäquinoktium etwa rückt alle vier Jahre um einen Tag weiter, ungefähr alle 120 Jahre um einen Monat, und nach etwa 1460 Jahren haben die Jahreszeiten den ganzen Kreis des Jahres durchlaufen. Die alten Ägypter sahen darin keinen Nachteil; sie glaubten im Gegenteil, diese Art der Rechnung sei besonders vorteilhaft, weil im Lauf des großen Zyklus alle Jahreszeiten nach und nach durch die verschiedenen festen religiösen Feste geheiligt würden. Die moderne Zivilisation würde sich mit einem solchen System jedoch nicht begnügen. Der Kalender ist nicht nur eine willkürlich zusammengestellte Tafel, die den aufeinanderfolgenden Tagen Namen oder Zahlen gibt. Er ist auch eine Ordnung der kommenden Tage, nach der wir im Voraus unsere Arbeiten und Vergnügungen, unsere privaten und beruflichen Tätigkeiten einteilen; nach ihm richten sich unsere Pläne und Gewohnheiten. Er bildet das Bild der Abfolge der Jahreszeiten, deren voraussehbare Besonderheiten er uns vorher anzeigt, wie die Zeiten von Sonnenauf- und -untergang, die Zeitgleichung und dergleichen. Wir würden es nicht hinnehmen, dass dieselben Jahreszeiten nicht mehr auf dieselben Daten fielen, weil wir dann unsere Gewohnheiten ändern und die Termine unserer Tätigkeiten ständig verschieben müssten, je nachdem, wie die Jahreszeiten durch die Daten des bürgerlichen Kalenders wandern.

Gerade deshalb hatten die beiden großen historischen Kalenderreformen den Zweck, das bürgerliche Jahr möglichst eng mit dem tropischen Jahr in Einklang zu bringen. Wenn wir also das vage Jahr nicht akzeptieren können, müssen wir uns wohl mit der zweiten Lösung abfinden, die sowohl Julius Caesar als auch Gregor XIII. wählten. Sie besteht darin, 365-Tage- und 366-Tage-Jahre so zu kombinieren, dass ihr Mittelwert dem Wert 365,2422 so nahe wie möglich kommt. Durch dieses Verfahren verschieben sich zwar die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen während der zu kurzen 365-Tage-Jahre um einige Stunden; kommt jedoch das zu lange 366-Tage-Jahr, so wird das Äquinoktium plötzlich in die andere Richtung zurückversetzt und kehrt ungefähr an seinen Ausgangspunkt zurück. Man mag über die Verteilung der 365- und 366-Tage-Jahre streiten; man könnte sogar, wenn man darin einen Vorteil sieht, Jahre von weniger als 365 Tagen mit Jahren von mehr als 365 Tagen kombinieren. Doch das Prinzip der Verbindung unterschiedlich langer bürgerlicher Jahre, um die Jahreszeiten periodisch auf dieselben Daten zurückzuführen, muss absolut und unbestreitbar bleiben. Die erste und wesentlichste Bedingung, die ein Kalender erfüllen muss, ist die Übereinstimmung mit dem tropischen Jahr, also dass die Dauer des mittleren Jahres dem Wert 365,2422 möglichst nahekommt.

II

Neben dieser grundlegenden Verpflichtung, die uns aus einer zahlenmäßigen Beziehung natürlicher Phänomene auferlegt ist und völlig außerhalb menschlicher Willkür liegt, gibt es noch eine weitere entscheidende Bedingung, die man bei einem Reformprojekt nicht aus dem Blick verlieren darf und die aus Überlegungen ganz anderer Art hervorgeht.

Erstens ist der gregorianische Kalender, der bei den fortgeschrittensten Nationen in Gebrauch ist, nicht das Werk eines einzelnen Tages und nicht die Schöpfung eines Gesetzgebers, der alles neu bestimmt hätte. Er ist gewissermaßen das Ergebnis der Arbeit von Jahrhunderten und vieler Generationen. Im Kern ist er nichts anderes als der alte römische Kalender, dessen Ursprung im legendären Dunkel von Romulus und Numa Pompilius liegt, mehrfach nach dem Fortschritt der Wissenschaft reformiert, aber niemals völlig umgestürzt. Eine kurze Zusammenfassung seiner Geschichte ist hier vielleicht nicht überflüssig.

Das Jahr des Romulus bestand aus zehn Monaten und zählte 304 Tage. Numa führte die Monate Januar und Februar ein und brachte die Zahl der Jahrestage damit auf 355. Später erkannte man, dass ein so viel kürzeres bürgerliches Jahr als das tropische Jahr unpraktisch war, und erfand einen alle zwei Jahre einzufügenden Zusatzmonat, den Mercedonius. In kaum begreiflicher Sonderbarkeit wurde dieser ganze Monat zwischen den 23. und 24. Februar geschoben; aber trotz des Mercedonius blieb das Jahr mit der Sonne keineswegs in Einklang. Schließlich überließ man dem Pontifex Maximus von Jahr zu Jahr die Entscheidung, ob ein Mercedonius eingefügt werde und wie lang er sein solle. Das vergrößerte den Missstand nur noch; die Pontifices missbrauchten diese Macht, um das Jahr nach ihren Launen oder Interessen zu verlängern oder zu verkürzen. Da sie die Fälligkeiten und selbst die Termine der Ämtererneuerung vor- oder zurückschieben konnten, machten sie aus dem Kalender ein Werkzeug der Korruption und des Betrugs. Zur Zeit Julius Caesars war die Unordnung so groß, dass Erntefeste mitten in den Winter fielen und Feste mit dem Namen autumnalia im Frühling gefeiert wurden. Um diesen Zustand zu beenden und seine Rückkehr zu verhindern, unternahm der Diktator jene Reform, die seinen Namen trägt. Er beriet sich mit dem ägyptischen Astronomen Sosigenes und schuf den julianischen Kalender, der mit dem heutigen Kalender völlig übereinstimmt, abgesehen von der Einteilung der Monate in Kalenden, Nonen und Iden sowie von der Schaltregel, nach der ausnahmslos jedes vierte Jahr ein Schaltjahr sein sollte. Nicht ohne Interesse ist, dass der Zusatztag der Schaltjahre an die Stelle des alten Mercedonius gesetzt wurde, also zwischen den 23. und 24. Februar. Da der 23. Februar sextus dies ante kalendas Martias hieß, nannte man den eingeschobenen Tag bis sextus dies, den „zweiten sechsten Tag“; daher kommt die Bezeichnung Schaltjahr. Um die Jahreszeiten wieder auf die ihnen zukommenden Daten zurückzuführen, gab man dem Reformjahr eine Dauer von 445 Tagen; dieses Jahr, später als Jahr der Verwirrung bezeichnet, war das Jahr 709 seit Gründung Roms oder 46 vor Christus. Hinzu kommt, dass die Pontifices, die die Reform anzuwenden hatten, in den ersten Jahren nicht verstanden, dass in jeder Gruppe von vier Jahren nur ein Schaltjahr liegen sollte; sie zählten das vorhergehende Schaltjahr mit und setzten Schaltjahre daher tatsächlich alle drei Jahre an. Der Irrtum, der aus dieser fehlerhaften Anwendung entstand, wurde unter Augustus durch die Streichung überzähliger Tage berichtigt.

Das mittlere julianische Jahr hatte 365,25 Tage und übertraf damit das tropische Jahr um 0,007783 Tage, also um ungefähr elf Minuten. Diese Differenz scheint gering; doch summiert sie sich nach 130 Jahren zu einem ganzen Tag. So fiel das Frühlingsäquinoktium, das bei Caesars Reform noch auf den 25. März gefallen war, nach 130 Jahren auf den 24. März, dann auf den 23. März, und im Jahr 325, zur Zeit des Konzils von Nicäa, bereits auf den 21. März.

Das Konzil von Nicäa übernahm den julianischen Kalender zur Festlegung der kirchlichen Feiertage. Das Frühlingsäquinoktium wurde ebenfalls auf den 21. März festgelegt, und Ostern auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 20. März, sodass dieses Fest frühestens am 22. März, spätestens am 25. April gefeiert werden kann. Zugleich nahm man an, das Jahr habe 365,25 Tage, sodass das Äquinoktium weiter um einen Tag je 130 Jahre zurückwanderte.

Am Ende des 16. Jahrhunderts betrug der Fehler zehn Tage; das Frühlingsäquinoktium fiel also nicht mehr auf den 21., sondern bereits auf den 11. März. Hätte man diesen Zustand fortbestehen lassen, wäre Ostern schließlich in den Sommer, dann in den Herbst gewandert. Um dem abzuhelfen, befragte Papst Gregor XIII. auf Anregung des Konzils von Trient die Astronomen und ersetzte den alten Kalender durch jenen, den man seither gregorianisch nennt. Seine Reform bestand im Wesentlichen aus zwei Punkten:

Man verlegte das Äquinoktium durch die Streichung von zehn Tagen wieder auf den 21. März; auf den 4. Oktober 1582 folgte deshalb unmittelbar der 15. Oktober. Dann entschied man, um künftige Verschiebungen zu verhindern, dass in jedem Zeitraum von 400 Jahren drei Schaltjahre ausfallen sollten. Dazu wurde folgende Regel festgelegt: Im julianischen Kalender waren alle Jahre Schaltjahre, deren Zahl durch 4 teilbar war; damit waren auch alle Jahrhundertjahre Schaltjahre, da ihre Zahl auf zwei Nullen endet. Für die gewöhnlichen Jahre behielt man die julianische Regel bei, beschloss jedoch, dass Jahrhundertjahre nur dann Schaltjahre sein sollten, wenn die Zahl der Hunderter selbst durch 4 teilbar blieb. So war 1600 ein Schaltjahr, 1700, 1800 und 1900 sind es nicht, 2000 ist wieder eines. Offensichtlich bedeutet die Unterdrückung von drei Schaltjahren in 400 Jahren, dass die Dauer jedes Jahres um 3/400 verkürzt wird; damit ergibt sich für das mittlere bürgerliche Jahr des gregorianischen Kalenders:

365,25 - 3/400 = 365,25 - 0,0075 = 365,2425

Es unterscheidet sich also vom tropischen Jahr von 365,2422 Tagen nur um eine verschwindend kleine Größe, die kaum einen Tag in 4000 Jahren ausmacht.

Trotz seiner unbestreitbaren Mängel besitzt der gregorianische Kalender faktisch die Autorität einer zwanzig Jahrhunderte alten Tradition und der tief verwurzelten Gewohnheiten der zivilisierten Bevölkerungen. So sehr man auch wünschen mag, manche seltsamen oder unlogischen Bestimmungen verschwinden zu sehen, so wäre es doch kaum vernünftig, der Welt eine radikale Veränderung so alter und tief verwurzelter Gewohnheiten aufzwingen zu wollen. Man muss sich daher darauf beschränken, die Reform auf die wesentlichsten Punkte und auf jene Änderungen zu begrenzen, deren praktischer Nutzen so unbestreitbar ist, dass er die vorübergehenden, aber unvermeidlichen Nachteile jeder solchen Reform überwiegt.

Zweitens zwingt selbst ohne jedes Gefühl von Gerechtigkeit oder Respekt gegenüber alten Gebräuchen die strengste Notwendigkeit dazu, bei jedem Reformprojekt mit großer Vorsicht vorzugehen. Es geht hier nicht darum, einen Kalender zu ersinnen, der vom theoretischen oder spekulativen Standpunkt aus als der vernünftigste, wissenschaftlichste und vollkommenste erschiene. Es geht um eine praktische Reform, deren Verwirklichung in der Wirklichkeit wünschenswert ist und die den kommenden Generationen wirkliche Bequemlichkeit bringen soll. Daher müssen wir uns darum bemühen, die Reform nicht nur gut, sondern auch möglich und annehmbar zu machen.

Wie vollkommen unser Projekt unter dem Gesichtspunkt der Vernunft oder der Wissenschaft auch wäre: Unsere Arbeit bliebe nutzlos und illusorisch, wenn die Betroffenen, also die Mehrheit der Welt, sich weigerten, sie anzunehmen. Man muss sogar eingestehen, dass wir uns in dieser Hinsicht in viel ungünstigeren Bedingungen befinden als die Reformer vergangener Jahrhunderte. Die beiden großen historischen Kalenderreformen, die julianische und die gregorianische, wurden von Männern durchgeführt, die befehlen und ihren Willen durchsetzen konnten. Julius Caesar war Diktator Roms und Herr der zivilisierten Welt; seinem Befehl konnte niemand widerstehen. Im Jahr 1582 verfügte der Papst in Europa noch über beträchtlichen Einfluss. Als Oberhaupt der Kirche konnte er verbindlich festlegen, nach welchen Regeln man die kirchlichen Festdaten bestimmen sollte, und eben darin sah er den wichtigsten Zweck der Reform. In jedem Fall konnte er auf den Gehorsam der katholischen Länder zählen, und diese Länder besaßen damals genug Macht und Einfluss, um die übrigen Nationen bald zur Nachahmung zu zwingen. Dennoch widersetzten sich die protestantischen Länder lange und zogen es vor, lieber mit der Sonne als mit Rom im Widerspruch zu stehen. Deutschland, Dänemark, Schweden und die Schweiz nahmen die Reform erst 1600 an, England sogar erst 1751. Noch heute hat der Osten Europas den julianischen Kalender beibehalten, und russische oder griechische Daten gehen unseren um zwölf Tage nach.

Es gibt noch einen dritten Reformversuch, dessen Erinnerung hier wichtig ist: den republikanischen Kalender. Diesmal handelte es sich um eine radikale Umgestaltung der Verteilung der Tage des Jahres. Obwohl dieser Kalender dreizehn Jahre lang in Kraft war, gewann er selbst in Frankreich nie allgemeine Zustimmung; das Dekret Napoleons, das den gregorianischen Kalender wieder einführte, wurde im Gegenteil mit sichtlicher Erleichterung aufgenommen. Außerhalb Frankreichs wurde der republikanische Kalender nie angewandt. Und doch war 1793 der Zeitpunkt für eine bedeutende Reform besonders günstig. Der allmächtige Konvent konnte seinen Willen mit der Gewissheit durchsetzen, nicht nur ohne Widerstand, sondern von einem großen Teil der Bevölkerung sogar mit Freude befolgt zu werden. Ein Drang zur Veränderung, ein Fieber der Neuerung hatte damals die Geister ergriffen und die größten Dinge hervorgebracht; um nur eines zu nennen: das metrische System. Es ist tief zu bedauern, dass die Schöpfer des republikanischen Kalenders sich auf diesem Weg viel zu weit fortreißen ließen und sich nicht mit einigen wesentlichen Änderungen begnügten, ohne den Kalender der Jahrhunderte und der ganzen Welt von Grund auf umzustürzen. Unter all den Reformen der Französischen Revolution wäre gerade die Kalenderreform vermutlich dauerhaft und endgültig geblieben, trotz aller späteren Regierungen, wenn man sich zurückgehalten hätte; der republikanische Kalender hingegen widersprach zu sehr den Gewohnheiten aller und verletzte zu tief die religiösen Gefühle zu vieler Menschen, um auch nur den geringsten restaurativen Gegenversuch zu überleben.

Wie dem auch sei: Die Umstände von heute unterscheiden sich vollständig von jenen, unter denen diese drei großen historischen Reformen zustande kamen. Niemand kann daran denken, auf die allmächtige Autorität eines Monarchen, einer Versammlung oder eines Pontifex zurückzugreifen, um der Welt neue Regeln für die Zählung der Tage und Jahre aufzuzwingen. Wir dürfen nur auf die freie Zustimmung der Völker hoffen, vertreten durch ihre Regierungen oder durch eigens ernannte Delegierte. Es ist gewiss, dass jeder Reformversuch auf mehr oder weniger starken Widerstand stoßen wird; wir müssen also versuchen, ihn so weit wie möglich abzuschwächen, indem wir in unseren Entwurf keine einzige neue Bestimmung aufnehmen, die sich nicht durch einen offenkundigen praktischen Nutzen empfiehlt. Dieser Nutzen muss so sichtbar sein, dass er jedem sofort einleuchtet und die Nachteile des Wechsels reichlich ausgleicht. Nur zu diesem Preis dürfen wir auf genügend zahlreiche und genügend allgemeine Zustimmungen hoffen, um die Reform tatsächlich zum Erfolg zu führen. Daraus folgt die Notwendigkeit, auf jede Änderung spekulativer oder theoretischer Art zu verzichten, die Mängel des gregorianischen Kalenders bestehen zu lassen, die im täglichen Leben keinen materiellen Nachteil verursachen, und unsere Aufmerksamkeit ausschließlich auf jene zu richten, die in der gewöhnlichen Praxis eine Quelle von Unbequemlichkeit, Ärger oder Zeitverlust sind.

Drittens muss das Reformprojekt, um jene allgemeine Zustimmung zu gewinnen, die unverzichtbar ist, eine weitere wesentliche Eigenschaft besitzen, die im Übrigen auch dem Geist und den Tendenzen der modernen Zivilisation entspricht: Es muss universell sein. Einer der schwersten Nachteile der heutigen Zeitrechnung liegt gerade darin, dass die Völker des östlichen Europa die gregorianische Reform noch nicht angenommen haben. Und Asien, China, Japan können nicht auf Dauer außerhalb des europäischen wissenschaftlichen Zusammenhangs bleiben. Für den Erfolg des gegenwärtigen Versuchs ist es sogar von Vorteil, dass dies so ist; denn diese Völker werden eher bereit sein, ihre alten Gewohnheiten aufzugeben und einen universellen Kalender anzunehmen, wenn sie sehen, dass auch die anderen Nationen bereit sind, ihre jahrhundertealten Gewohnheiten dem allgemeinen Interesse zu opfern.

Was ist unter universell zu verstehen? Das Wort bedeutet notwendig, dass der neue Kalender keine Bestimmung enthalten darf, die sich auf eine bestimmte Nation, eine bestimmte Religion oder ein bestimmtes Klima bezieht; es bedeutet aber auch, dass er sich leicht den Gebräuchen aller Völker anpassen lassen muss und dass jeder ihn verwenden kann, um seine Tätigkeiten nach seinem Klima, seinen Gesetzen und seinen religiösen Vorschriften zu ordnen. Vielleicht ist seine wesentlichste Eigenschaft gerade die, nichts zu enthalten, was an eine bestimmte Nation erinnert. Nationalstolz gehört zu den reizbarsten menschlichen Gefühlen, und jedes Reformprojekt, das ihn auch nur im Geringsten verletzt, ist zum Scheitern verurteilt. Man denke nur an die wiederholten Misserfolge bei den Versuchen, einen internationalen Nullmeridian festzulegen. Unter den Gründen, die den republikanischen Kalender scheitern ließen, muss an erster Stelle sein ausschließlich französischer Charakter genannt werden: Die Monatsnamen, die meteorologische Erscheinungen Frankreichs aufriefen, wären in anderen Teilen Europas unpassend gewesen und auf der südlichen Halbkugel geradezu sinnwidrig. Der Jahresanfang war auf das Herbstäquinoktium gelegt worden, weniger aus astronomischer Logik als um den Jahrestag der Ausrufung der Republik zu ehren. Hätte man sich allein an astronomische Überlegungen gehalten, wäre es logischer gewesen, das Jahr entweder mit der Wintersonnenwende oder mit dem Frühlingsäquinoktium beginnen zu lassen. Und der seltsame Name sans-culottides für die Zusatztage schien eigens erfunden, um das Werk des Konvents zu diskreditieren.

Der gregorianische Kalender dagegen besitzt in hohem Maß diese Qualität der Universalität. Nichts in ihm erinnert an die Jahreszeiten eines bestimmten Klimas oder an die Geschichte irgendeiner Nation. Nur die über das Jahr verteilten Feste geben ihm den Anschein eines katholischen Kalenders; doch diese Frage der Feste liegt offenkundig außerhalb unseres Themas. Sie machen nicht den Kalender als solchen aus. Nichts hindert daran, die katholischen Feste durch die einer anderen Religion zu ersetzen; genau das haben die nichtkatholischen Völker zwangsläufig getan, ohne deshalb den Kalender zu ändern. Man kann sogar, wie einige Wettbewerber vorgeschlagen haben, religiöse Feste durch zivile ersetzen und die Namen der Heiligen durch die berühmter Männer austauschen, deren Erinnerung man nacheinander allen Tagen des Jahres widmen möchte; damit hätte man den Kalender noch immer nicht reformiert. Wir haben es schon oft gesagt: Unser Kalenderprojekt soll eine Ordnung der künftigen Tage und Jahre schaffen. Danach wird jeder seine Zeit nach Gewohnheit und Gewissen verwenden und sie den Heiligen, großen Männern oder den Ereignissen seiner nationalen Geschichte widmen. Es handelt sich hier um ein astronomisches Werk. Betrachten wir die Frage also unter diesem Gesichtspunkt.

III

Von diesen Grundsätzen ausgehend wollen wir nun die Einwände prüfen, die unsere Wettbewerbsteilnehmer gegen den gregorianischen Kalender erhoben haben.

  1. Die Ungleichheit der Jahre, die bald 365, bald 366 Tage zählen, folgt aus der astronomischen Tatsache, dass das tropische Jahr keine genaue Zahl von Tagen umfasst. Der menschliche Wille vermag daran nichts zu ändern. Wir haben oben hinreichend erklärt, warum wir diese ungleichen Jahresdauern akzeptieren müssen, damit die Jahreszeiten sich im Durchschnitt stets wieder an denselben Daten einfinden.

  2. Das gregorianische Jahr dauert 365,2425 Tage, während das tropische Jahr 365,242217 Tage misst. Die Differenz beträgt also:

365,242217 - 365,2425 = -0,000283

Nach 1000 Jahren wird das mittlere Datum des Äquinoktiums also um 0,283 Tage zurückgewichen sein, und damit ein ganzer Tag erreicht ist, muss man 1 / 0,000283, also 3533 Jahre abwarten. Erst nach dieser langen Zeit wird also ein einziger Tag zu viel gezählt worden sein. Unter solchen Bedingungen scheint uns das gregorianische Jahr das tropische Jahr mit aller wünschenswerten Annäherung darzustellen. Welches Interesse sollten die Menschen des Jahres 5400 daran haben, dass das Äquinoktium genau auf dasselbe Datum fällt wie im Jahr 1886? Wenn ihnen viel daran liegt, hindert sie nichts daran, zu jenem Zeitpunkt ein Schaltjahr ausfallen zu lassen, um den überschüssigen Tag auszugleichen. Für uns aber muss die Gegenwart im Vordergrund stehen; es ist nicht immer ein Vorteil, allzu weit vorauszudenken. Wir meinen daher, dass am gregorianischen Zyklus nichts geändert werden muss. Man darf hinzufügen, dass die Schaltregel äußerst einfach und einfallsreich ist und dass es nahezu unmöglich erscheint, eine andere zu erfinden, die Einfachheit und Bequemlichkeit im selben Maß vereinte. Bekanntlich sind Schaltjahre jene Jahre, deren Zahl durch 4 teilbar ist, mit Ausnahme der Jahrhundertjahre, die nur dann Schaltjahre sind, wenn die Zahl der Hunderter wiederum durch 4 teilbar bleibt. Diese Regel, die nichts dem Belieben überlässt, bildet beinahe die ganze gregorianische Reform; sie ist gewiss besser als die Regel des republikanischen Kalenders, nach der man zunächst alle vier Jahre ein Schaltjahr einsetzen und erst dann, wenn das mittlere Äquinoktiumsdatum um einen ganzen Tag zurückgewichen wäre, ein Schaltjahr ausfallen lassen sollte. Es ist daher vernünftig, diese Interkalationsregel unverändert zu bewahren.

  1. Der Monat geht offensichtlich auf den Zyklus der Mondphasen zurück. Muslime, Araber und Perser verwenden noch heute einen Kalender, dessen Monate im Durchschnitt ungefähr der Lunation entsprechen. Auch die jüdische Religion bedient sich weiterhin eines Mondkalenders, und ebenso war es im Kalender der alten Griechen. Da das tropische Jahr keine genaue Zahl von Mondmonaten enthält, war es außerordentlich schwierig, einen Mondkalender zu schaffen, der zugleich mit der Sonne in Einklang stünde. Das muslimische Jahr, das unveränderlich aus zwölf Mondmonaten besteht, ist viel zu kurz, sodass die Jahreszeiten darin nach wenigen Jahren auf sämtliche Daten wandern. Die alten Griechen hatten das Problem nur dadurch gelöst, dass sie 12-monatige „mangelhafte“ Jahre und 13-monatige „reiche“ Jahre in geeigneter Verteilung innerhalb des neunzehnjährigen Meton-Zyklus kombinierten. Die Römer zögerten dagegen nicht lange, die Zeitrechnung nach dem Mond der Sonne zu opfern, und bildeten die Monate zu 30 oder 31 Tagen, ohne sich weiter um die Mondphasen zu kümmern. So entstand der Monat, wie wir ihn heute kennen. Er entspricht gewiss keiner astronomischen Periode mehr; die Folge der Monate steht mit den Bewegungen des Mondes und der Wiederkehr seiner Phasen in keinerlei Einklang. Doch entsteht daraus irgendein praktischer Nachteil? Haben für unsere Lebensweise und unsere Gewohnheiten die Mondphasen noch ein so großes Gewicht, dass wir die Zeit unbedingt nach ihnen zählen müssten? Wer käme auf den Gedanken, unseren Kalender dem rein lunaren Kalender muslimischer Völker vorzuziehen? Und was den alten luni-solaren Kalender der Griechen betrifft, mit seinen Jahren, die durch zusätzliche Monate um 29 Tage länger waren, so braucht man seine Unbequemlichkeit kaum noch eigens nachzuweisen.

Man hat auch gesagt, die Monate seien nicht einmal wirkliche Zwölftel des Jahres, da sie bald 30, bald 31 Tage haben. Das ist richtig; doch 365 ist eben nicht durch 12 teilbar, und daher ist es unmöglich, das Jahr in zwölf Teile gleicher Tageszahl zu zerlegen. Ist das ein Grund, die Monate abzuschaffen? Wir glauben es keineswegs. Als mittlere Dauer zwischen Tag und Jahr ist der Monat eine sehr bequeme Zeiteinheit für überschlägige Rechnungen. Für exakte Berechnungen dient er zu nichts, im bürgerlichen Leben ist er aber äußerst nützlich. Man könnte freilich, da seine Dauer sich nicht mehr an ein Naturphänomen bindet, eine andere Einteilung des Jahres versuchen. In mehreren Denkschriften fanden wir eine Einteilung in 13 gleiche Monate zu 28 Tagen und einen Ergänzungstag; sie hätte den Vorteil, die Monate aus einer genauen Zahl von Wochen aufzubauen. Aber um den Preis welcher Nachteile! Die Primzahl 13 erlaubt keinerlei bequeme Teilung des Jahres; weder die Hälfte noch das Drittel noch das Viertel des Jahres bestünden aus einer ganzen Zahl von Monaten. Die Zahl 12 dagegen liefert diese Nebenunterteilungen auf sehr bequeme Weise: ein halbes Jahr sind 6 Monate, ein Vierteljahr 3 Monate, ein Dritteljahr 4 Monate und so weiter. Gerade die Teilbarkeit in 2, 3, 4 und 6 gleiche Teile ist ganz sicher auch der Grund dafür, dass man die Zahl 12 in alten Maßsystemen so gern für Unterteilungen verwendete. Man darf sogar bedauern, dass unser Zahlensystem nicht von Anfang an auf der Basis 12 statt auf der Basis 10 eingerichtet wurde, die sich den ersten Menschen wohl wegen der Zahl ihrer Finger aufdrängte. Eine Zehnteilung des Jahres wiederum hätte dieselben Nachteile wie eine Zwölfteilung, da 365 auch nicht durch 10 teilbar ist, ohne deren Teilbarkeitsvorteile zu besitzen. Hinzu kommt, dass das Dezimalsystem nur für exakte und schriftliche Rechnungen bequem ist, für die der Monat ohnehin ungeeignet ist; für überschlägige und im Kopf ausgeführte Rechnungen ist die Zwölfteilung deutlich vorteilhafter. Zusammenfassend würde die Abschaffung der Monate oder eine Änderung des Teilungsprinzips mehr Nachteile als Vorteile bringen, ganz abgesehen davon, dass damit die zähesten Gewohnheiten vollständig durchbrochen würden. Es gibt also keinen Anlass, in dieser Richtung Änderungen zu versuchen.

  1. Anders verhält es sich mit der Verteilung der 365 Tage des Jahres auf die 12 Monate. Es ist wirklich unerquicklich, dass wir 7 Monate mit 31 Tagen, 4 mit 30 und einen mit 28 beziehungsweise 29 Tagen haben. Diese willkürliche Verteilung, die nur auf abergläubische Vorstellungen aus der Zeit der römischen Republik zurückgeht, hat sich trotz ihrer offensichtlichen Nachteile durch die Jahrhunderte fortgeerbt. Sie zerstört die Symmetrie der vier Quartale, erschwert die Berechnung der Tage zwischen zwei Daten und schafft durch die Kürze des Februars fortwährende Verlegenheiten für alle, deren Tätigkeit sich nach dem Lauf der Monate richtet. Jedes Jahr braucht es einen kleinen Aufmerksamkeitsaufwand, der allzu oft unterbleibt, um sich zu vergegenwärtigen, dass nach dem 27. Februar nur noch ein einziger Tag vor dem Beginn des März bleibt. Eine symmetrische Verteilung der Tage auf die Monate ist daher mit Sicherheit einer der Punkte, auf die sich die geplante Reform richten muss.

  2. Die Woche beruht ebenso wenig wie der Monat auf einem Naturphänomen; doch ihr Gebrauch ist so allgemein, dass man weder an ihre Abschaffung noch an ihre Änderung denken kann. Im Übrigen ist eine kurze Periode von wenigen Tagen absolut notwendig, um regelmäßig wiederkehrende Tätigkeiten zu ordnen, die nicht täglich stattfinden. Auch braucht der arbeitende Mensch einen Ruhetag oder wenigstens einen Tag der Abwechslung nach einigen Tagen mehr oder weniger schwerer Mühe, und die Wiederkehr dieses Tages muss periodisch geordnet sein. Das ist für die Gesundheit seines Körpers ebenso notwendig wie für die Unversehrtheit seines Geistes. Was die Länge dieser Periode betrifft, so hängt sie von physiologischen Bedingungen ab, die eine Grenze setzen, und von wirtschaftlichen Rücksichten, die verhindern, dass Ruhetage zu zahlreich und zu dicht aufeinander folgen. Man kann nicht leugnen, dass die Woche mit ihrer Ruhe nach jeweils sieben Tagen diesen beiden Anforderungen hervorragend entspricht. Der Nationalkonvent wollte sie durch die Dekade ersetzen; doch die Dekade war zu lang, in der Praxis teilte man sie und ruhte alle fünf Tage. Man hat der Woche vorgeworfen, eine Primzahl von Tagen zu enthalten und sich daher keiner Teilung zu fügen. Das Gegenteil ist der Fall: Lässt man den Sonntag außer Betracht, so können die sechs Arbeitstage sehr bequem in zwei oder drei Gruppen gegliedert werden, was für alle Tätigkeiten, die sich alle zwei oder drei Tage wiederholen, von großem Nutzen ist. Im Übrigen muss diese kleine Periode schon von sehr großem praktischen Wert gewesen sein, da sich ihr Gebrauch so universell verbreitet hat. Jeder Versuch, die Woche zu verändern, würde vom Publikum offenkundig sehr schlecht aufgenommen und hätte keinerlei Aussicht auf Erfolg.

  3. Das Fehlen einer Übereinstimmung zwischen den Wochentagen und den Jahresdaten ist gewiss der schwerste Mangel des heute gebräuchlichen Kalenders. Feste, die an unveränderliche Daten gebunden sind, fallen je nach Jahr auf sämtliche Wochentage. Unsere Tätigkeiten werden dadurch nach zwei voneinander unabhängigen Rechnungen geordnet: nach den Daten und nach den Wochentagen. Beide laufen nebeneinander her und zwingen stets zu Nachforschungen, sobald man ihre Übereinstimmung feststellen muss. Darin liegt eine Quelle von Unannehmlichkeiten und Fehlgriffen: im Voraus festgesetzte Fälligkeiten und Verabredungen können auf einen Sonntag fallen und dadurch Verzögerungen und Zeitverluste verursachen. All diese Nachteile würden verschwinden, wenn es gelänge, Wochentage und Jahresdaten miteinander in Einklang zu bringen, kurz: einen Kalender zu schaffen, der für alle Jahre derselbe bliebe und so symmetrisch geordnet wäre, dass man ihn leicht auswendig lernen könnte. Gerade darin muss der Hauptteil der geplanten Reform bestehen.

  4. Sämtliche Nachteile, die aus der fehlenden Übereinstimmung zwischen Wochentagen und Jahresdaten entstehen, wiederholen sich, wenn auch in geringerem Maß, durch die fehlende Übereinstimmung zwischen Wochentagen und den Daten eines jeden Monats. Es wäre zweifellos sehr wünschenswert, dass dieselbe Monatszahl in allen zwölf Monaten auf denselben Wochentag fiele; leider ist eine solche Kombination nahezu unmöglich, ohne im Kalender unzulässige Umwälzungen herbeizuführen. Die Frage wird später noch behandelt werden.

  5. Wir haben bereits hinreichend erklärt, weshalb eine Dezimaleinteilung der gebräuchlichsten Zeitperioden nicht verwirklicht werden kann; offenkundig ließe sich eine solche Einteilung weder mit dem gregorianischen Jahr noch mit dem Monat noch mit der Woche vereinbaren.

  6. Das Datum des Jahresanfangs hat sich im Lauf der Jahrhunderte oft verändert. Die alten Römer begannen das Jahr am 1. März. Daher stammen die Bezeichnungen quintilis, sextilis, september, october, november und december, die die Monate bezeichneten, die damals an fünfter, sechster, siebter, achter, neunter und zehnter Stelle standen. Der Februar, der dem Totenkult und den Begräbnisriten geweiht war, beschloss das Jahr. Gegen Ende der römischen Republik wurde der quintilis Julius Caesar gewidmet und erhielt den Namen Julius. Später wurde sextilis Kaiser Augustus geweiht und nahm den Namen Augustus an, der im Französischen zum Namen des Monats August zusammengezogen wurde. Unter dem Kaiserreich wollten einige Herrscher noch einen der vier letzten Monate nach sich benennen; doch diese lächerlich eitlen Versuche wurden von der Nachwelt nicht bestätigt, und die vier betreffenden Monate behielten ihre alten Zahlennamen, obwohl ihre Stellung längst nicht mehr dazu passte. Karl der Große wiederum wollte, dass der Beginn des Jahres durch eine bedeutende religiöse Feier geheiligt werde, und legte den Jahresanfang auf Weihnachten, obwohl dieses Fest am 25. Dezember liegt und also an keinem Monatsanfang.

Unter den Kapetingern wurde Weihnachten durch Ostern ersetzt, obwohl dieses Fest beweglich ist und keineswegs jedes Jahr auf dasselbe Datum fällt. Aus dieser merkwürdigen Gewohnheit ergab sich eine ständige Unregelmäßigkeit der Jahre. So begann das Jahr 1347 am 1. April und endete erst am 20. April des folgenden Jahres, sodass alle Daten vom 1. bis zum 20. April im selben Jahr zweimal vorkamen, einmal im ersten und einmal im dreizehnten Monat. Ein solcher Zustand war offensichtlich höchst unerquicklich und ist auch heute für Chronologen noch eine ständige Quelle von Irrtümern. Um ihn zu beenden, erließ Karl IX. 1563 ein Edikt, das festlegte, dass das Jahr 1564 und alle folgenden Jahre am 1. Januar beginnen sollten. Er stellte damit eine alte Praxis wieder her, die früher in Deutschland gegolten, dann aber aufgehoben und erst 1500 erneut aufgenommen worden war.

Die Kirche unterwarf sich dieser Regel lange nicht, weil sie den Beginn des Jahres ungern unter den Schutz des heidnischen Janus stellte, dem der Januar im Kalender der alten Römer geweiht war. Am Ende setzten sich aber Gründe der Angemessenheit und Bequemlichkeit gegen diese abergläubischen Bedenken durch, und heute lassen fast alle zivilisierten Nationen das Jahr am 1. Januar beginnen.

England entschloss sich erst 1751, dieser Regel zu folgen, die auf dem Kontinent bereits seit zwei Jahrhunderten üblich war. Lord Chesterfield war der Urheber des Gesetzes, nach dem das Jahr 1752 am 1. Januar und nicht wie bisher am 25. März beginnen sollte. Daraus ergab sich, dass das Jahr 1751 gar nicht zu Ende geführt wurde und nur neun Monate umfasste. Das englische Volk war damals so unwissend und abergläubisch, dass es sich nur schwer dazu entschließen konnte, in neun Monaten „ein Jahr älter zu werden“. Lord Chesterfield wäre beinahe Opfer der Volkswut geworden; man verfolgte ihn unter Aufruhrgeschrei mit dem verzweifelten Ruf: Gebt uns unsere drei Monate zurück!, als könne eine Änderung der Zeitrechnung irgendeine wirkliche Veränderung im Alter der Menschen bewirken.

So versteht man nun, durch welche geschichtlichen Umstände die Eigentümlichkeiten und unlogischen Bezeichnungen unseres heutigen Kalenders entstanden sind. Deshalb befinden sich die Monate September, Oktober, November und Dezember in Wirklichkeit an neunter, zehnter, elfter und zwölfter Stelle des Jahres. Gewiss hatte der 1. Januar nichts Besonderes, was ihn als Jahresanfang empfohlen hätte. Es ist sogar bedauerlich, dass das Edikt Karls IX. den Jahresanfang nicht auf den 1. März legte; das wäre einerseits dem Frühling näher gewesen und hätte andererseits den vier letzten, nach Zahlen benannten Monaten ihren Sinn belassen. Noch besser wäre es, das Jahr an einem Zeitpunkt beginnen zu lassen, der durch ein besonderes astronomisches Ereignis im Lauf der Erde um die Sonne ausgezeichnet ist.

Müssten wir einen theoretischen Kalender entwerfen oder hätten wir die Freiheit, die Reform so weit auszudehnen, wie wir es gern täten, so müsste der Jahresanfang tatsächlich nach astronomischen Gesichtspunkten festgelegt werden. Dann hätte man zwischen zwei Systemen zu wählen: Entweder man nähme das mittlere Datum eines der beiden Äquinoktien oder einer der Sonnenwenden, wobei das Frühlingsäquinoktium am vernünftigsten erschiene; oder man teilte das Jahr in vier Zeiträume, deren jeweilige Mitte auf eines dieser vier astronomischen Ereignisse fiele. Diese zweite Lösung wurde in einer Denkschrift vorgeschlagen; sie scheint uns der ersten unterlegen, weil die vier so gebildeten Perioden zwar mit Blick auf die Erdbewegung und die Länge von Tag und Nacht hinreichend symmetrisch wären, unter dem Gesichtspunkt der Wettererscheinungen und der Temperaturverteilung aber weit weniger. Tatsächlich haben Temperaturschwankungen für die Vegetation und alle Lebensvorgänge sehr viel mehr Einfluss und praktische Bedeutung als die bloße Länge von Tag und Nacht. Die meteorologischen Erscheinungen folgen den astronomischen Ursachen mit beträchtlicher, im Übrigen leicht erklärbarer Verzögerung. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Maximum der Jahrestemperatur tritt lange nach der Sommersonnenwende ein, die also kaum Anspruch auf den Namen Hochsommer erheben kann. Ebenso wenig dürfte man die Zeit vom 3. Februar bis zum 5. Mai als Frühling bezeichnen. Aus diesen Gründen würden wir der ersten Methode den Vorzug geben. In der Praxis hätte eine solche Reform jedoch einen ernsten Nachteil. Wenn es nur darum ginge, den Jahresanfang vom 1. Januar auf den Beginn eines anderen Monats zu verlegen, bestünde die Störung lediglich darin, das Reformjahr um einige Monate zu verkürzen oder zu verlängern. Doch die Äquinoktien fallen auf den 20., 21. oder 22. März beziehungsweise September. Man müsste also einen dieser Monate auf 20 oder 22 Tage verkürzen, um das Äquinoktium mit dem Beginn des neuen Monats zusammenfallen zu lassen. Eine solche Änderung würde die Gewohnheiten deutlich stören, eine Fehlerquelle schaffen und für alle späteren Jahre die Berechnung der zwischen einem Datum alten und einem Datum neuen Stils verstrichenen Tage erschweren. Sie würde gewiss Widerstand hervorrufen und damit den Erfolg der Reform gefährden.

Wir würden diesen Wechsel dennoch vorschlagen, wenn daraus für die Zukunft Vorteile erwüchsen, die geeignet wären, die vorübergehenden Unbequemlichkeiten aufzuwiegen. Doch man muss es offen sagen: Einen astronomisch bedeutsamen Jahresanfang festzulegen, wäre im Grunde nur eine rein spekulative Befriedigung für Menschen, die einen Sinn für Ordnung, Symmetrie und etwas Kenntnis der Astronomie besitzen. Welcher materielle Nutzen daraus entstehen sollte, ist schwer zu erkennen. Praktisch unterscheidet sich der Tag des Äquinoktiums nicht von den Tagen davor und danach. Gewiss folgen die Wettererscheinungen im Ganzen dem Lauf der Erde; die lokalen und zufälligen Störungen sind aber so stark, dass der Tag des Frühlingsäquinoktiums eines Jahres dem des folgenden Jahres in keiner Weise gleichen muss. Hinzu kommt, dass das Äquinoktium wegen des Wechsels von zu kurzen 365-Tage- und zu langen 366-Tage-Jahren nicht einmal in jedem Jahr auf denselben Kalendertag fällt; gegenwärtig schwankt es zwischen dem 19. und 21. März. Diese astronomische Gegebenheit lässt sich nicht vermeiden, der Zweck der Reform wäre also selbst in diesem Punkt nicht vollständig erreicht. Schließlich ist das Frühlingsäquinoktium auf der nördlichen Halbkugel das Herbstäquinoktium auf der südlichen; Gründe, die für das eine sprächen, würden deshalb stets nur für eine Halbkugel gelten. Aus all diesen Gründen halten wir die Frage des Jahresanfangs für zweitrangig und sehen keinen Anlass, die ohnehin vorhandenen Schwierigkeiten eines Reformprojekts damit noch zu vergrößern. Wir halten es für klüger, diesen Punkt aus der Reform herauszuhalten und den heute so allgemein angenommenen 1. Januar beizubehalten. Wenn man die Namen der letzten vier Monate wieder mit ihrer Rangfolge in Einklang bringen will, kann die Zukunft diese Bezeichnungen ändern, so wie die Vergangenheit andere verändert hat. Für künftige chronologische Berechnungen wäre das einfacher, als das Jahr auf den 1. März zu verlegen, ein sympathisches Datum für unsere Halbkugel, aber keineswegs für die südliche.

  1. Die christliche Zeitrechnung wurde in einer Reihe von Denkschriften scharf kritisiert. Es ist unbestreitbar, dass ihre Wahl im Kern willkürlich ist und auf Überlegungen beruht, die einer Religion entstammen, die zwar weit verbreitet, aber nicht die aller zivilisierten Menschen auf Erden ist. Damit fehlt ihr offenkundig der universelle Charakter, der so wünschenswert wäre. Zudem entspricht die christliche Ära nicht einmal ihrer eigenen Definition; die besten chronologischen Berechnungen stimmen darin überein, das Geburtsjahr Jesu Christi auf das Jahr -3 zu legen. Praktisch hat die christliche Ära den Nachteil, historische Daten in zwei Kategorien zu teilen: Daten nach Christus, also positive Daten, und Daten vor Christus, also negative Daten. Dadurch muss man in der Datumsrechnung verschiedene Verfahren anwenden, je nachdem, ob man zwei positive, zwei negative oder Daten verschiedener Art vergleicht. Hinzu kommt, dass kein Jahr 0 gezählt wurde; auf das Jahr -1 folgt unmittelbar das Jahr +1. Wenn man also etwa berechnen will, wie viele Jahre seit einem negativen Datum vergangen sind, genügt es nicht, die beiden Jahreszahlen zu addieren; man muss vom Ergebnis noch eine Einheit abziehen. So entspricht das Gründungsdatum Roms nach römischer Überlieferung dem Jahr -753 der christlichen Zeitrechnung. Von der Gründung Roms bis zum Jahr 1886 sind somit 1886 + 753 - 1 = 2638 Jahre verstrichen. Gewiss sind diese Nachteile nicht von größter Tragweite; sie zeigen aber deutlich, in welche Richtung eine Reform gehen müsste, wenn man sie beseitigen wollte.

Viele Menschen messen der Wahl des Anfangspunktes eine übertriebene Bedeutung zu. Für jeden, der an exakte Wissenschaften gewöhnt ist, ist das eine irrige Vorstellung. Die Wahl eines Ursprungs ist im Allgemeinen wesentlich willkürlich. Wir haben das bereits beim Jahresanfang gesehen und begegnen ihm hier erneut. Gewiss kann diese Wahl bisweilen aus Zweckmäßigkeitsgründen gelenkt werden, etwa beim Tagesanfang um Mitternacht oder bei der Wahl eines ersten Meridians auf der Erdoberfläche, über den sich die zivilisierten Völker bis heute nicht wirklich einigen konnten. Meist aber fehlen solche Gründe. Dann ist der beste Ursprung derjenige, den alle akzeptieren, und die Eigenschaften, die eine neue Wahl haben müsste, sind im Wesentlichen zwei: erstens darf der vorgeschlagene Ursprung nichts enthalten, was eher an ein bestimmtes Volk als an ein anderes erinnert, damit seiner allgemeinen Annahme nichts im Wege steht; zweitens muss er möglichst weit zurückliegen, damit negative Zahlen möglichst selten nötig werden. Abgesehen von diesen beiden Punkten bleibt die Willkür nahezu vollständig bestehen.

Es ist offensichtlich, dass eine Ära, die näher an unserer Zeit einsetzt als die Geburt Christi, die Schwierigkeiten mit positiven und negativen Daten nur vergrößern würde. Man müsste im Gegenteil eine konventionelle Ära wählen, die an einem beliebigen, aber hinreichend weit zurückliegenden Datum beginnt, sodass die meisten Ereignisse der Weltgeschichte durch positive Daten dargestellt werden können. Da man jedoch in einigen seltenen Fällen dennoch negative Daten brauchen könnte, müsste man außerdem ein Jahr 0 zwischen beiden Arten von Daten einführen. Was Projekte betrifft, die eine neue Ära an ein großes Ereignis der Neuzeit knüpfen wollen, etwa an die Französische Revolution, die Renaissance, die Erfindung des Buchdrucks oder die Entdeckung Amerikas, die wir in einigen Denkschriften fanden, so beruhen sie auf sicher ehrbaren Empfindungen, auf die wir wegen der oben dargelegten praktischen Erwägungen nicht weiter eingehen können. Im Übrigen ist die Frage der Ära von jener des Kalenders völlig verschieden. Wie wir schon so oft gesagt haben, geht es hier darum, die 365 Tage des Jahres möglichst bequem und symmetrisch zu verteilen. Das kann völlig unabhängig von einer Regel über die Nummerierung der aufeinanderfolgenden Jahre geschehen. Wir halten es daher nicht für sinnvoll, Gewohnheiten zu ändern, die fast zwanzig Jahrhunderte alt sind, und die Reform auf diesen Punkt auszudehnen. Die Frage der Ära wird damit eher offengelassen als ausgeschlossen, und nichts würde später daran hindern, wenn man es für nützlich hält, eine weitere Reform vorzuschlagen, die sich in jedem Fall darauf beschränken müsste, allen Jahreszahlen der christlichen Ära 3000 oder 4000 Einheiten hinzuzufügen.

  1. Wir haben oben bereits den Ursprung der wichtigsten Inkohärenzen bei den Monatsnamen erläutert. Es bleibt noch, ein Wort zu den Namen der sieben Wochentage zu sagen. Abgesehen vom Sonntag, dessen Name in mehreren Sprachen auf den Sonnentag zurückgeht, stammen diese Namen von Planetennamen: Lunae dies, Martis dies, Mercurii dies, Jovis dies, Veneris dies, Saturni dies und so weiter. Man hat gefragt, warum sie nicht der Reihenfolge der Abstände der Planeten von der Sonne folgen.

Der Grund liegt, wie Dion Cassius berichtet, in einem alten Brauch der Ägypter, die aufeinanderfolgenden Stunden des Tages verschiedenen Planeten zuzuordnen. Man nahm an, die damals bekannten sieben Planeten, einschließlich Sonne und Mond, kreisten um die Erde und seien umso weiter entfernt, je länger sie für ihren Umlauf brauchten. Ihre Reihenfolge nach abnehmender Entfernung war demnach: Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond. Die erste Stunde eines Tages war etwa Saturn geweiht, die zweite Jupiter und so fort. Dann fielen die 1., 8., 15. und 22. Stunde auf Saturn, die 23. auf Jupiter, die 24. auf Mars, und die erste Stunde des folgenden Tages auf die Sonne. Rechnet man auf diese Weise weiter, so fällt die erste Stunde des nächsten Tages auf den Mond und so fort. Da jeder Tag nach dem Planeten benannt wurde, der seiner ersten Stunde vorstand, erhält man die bekannte Reihenfolge der Wochentage, sofern man den Sonntag der Sonne zuordnet, wie es der alte Gebrauch tat, der im Englischen Sunday und im Deutschen Sonntag eine Spur hinterlassen hat. Man sieht also, wie weit die Bezeichnungen unseres Kalenders zurückreichen und wie sonderbar und mit unseren modernen Vorstellungen wenig vereinbar die Gründe waren, aus denen sie übernommen wurden. Wir glauben dennoch nicht, dass man sie ändern sollte. Man ist so sehr an sie gewöhnt, dass man sich an ihnen nicht mehr stößt, und ihr Verschwinden würde kaum mehr bewirken als eine rein geistige Genugtuung. Sicher ist, dass diese Namen keinerlei praktischen Nachteil verursachen. Im Übrigen scheint uns die Namensfrage überhaupt außerhalb unseres Auftrags zu liegen. Es gibt leider mehr Menschen, als man glauben sollte, die Worten eine übertriebene Wichtigkeit beimessen und meinen, man habe wirklich etwas geändert oder verbessert, wenn man nur einen Namen geändert hat. Für uns besteht die Aufgabe darin, Monate und Tage des Jahres zu ordnen; die einzelnen Völker werden ihnen danach jene Namen geben, die ihnen passend erscheinen. Das ist nicht unsere Sache. Im Übrigen gestehen wir gern ein, dass wir an diesen alten, seltsamen und unlogischen Bezeichnungen einen gewissen Reiz finden, weil sie uns in vergangene Zeiten zurückversetzen und uns an Legenden und Aberglauben aus fernsten Jahrhunderten denken lassen; sie sind wie ein Echo vergangener Zeitalter, das periodisch zu uns zurückkehrt und uns daran erinnert, dass wir trotz allem die Söhne der Menschen von damals sind und dass die Zivilisation, auf die wir so stolz sind, das langsame Werk und die mühsam gereifte Frucht der Generationen ist, die uns vorausgegangen sind.

IV

Ein weiterer Punkt, den eine Reihe von Autoren in ihren Denkschriften angesprochen hat, betrifft die Einteilung des Tages in Stunden. Die alte Einteilung in vierundzwanzig Stunden, die für sich Alter und allgemeine Verbreitung ins Feld führen kann, hat den Nachteil, sich für die Berechnung von Zeitdauern nur schwer zu eignen. Jeder, der je solche Rechnungen ausführen musste, weiß, wie mühsam es ist, Sekunden, Minuten und Stunden in Dezimalbruchteile des Tages und umgekehrt zu verwandeln. Es ist sehr zu bedauern, dass die Gedanken, die zur Revision des alten Maßsystems und zur Einführung des metrischen Systems führten, nicht in einer vollständigen Reform unserer Zeitrechnung und der Einführung von Dezimalstunden mündeten. Einige Augenblicke des Nachdenkens über die Prinzipien der sphärischen Astronomie genügen, um sich klarzumachen, dass die Teilung des Tages mit der Teilung des Kreises zusammenhängt und dass eine Reform des Zeitmaßes notwendigerweise eine Reform des Winkelmaßes nach sich ziehen oder zumindest begleiten müsste. Genau genommen ist diese Frage, obwohl sie offensichtlich mit dem Kalender zusammenhängt, doch von ihm zu unterscheiden, und wir meinen, dass es im Augenblick nicht angebracht ist, sie aufzugreifen. Allerdings halten wir sie keineswegs für bedeutungslos. Im Gegenteil: Wir würden es persönlich begrüßen, wenn man für die Winkelmessung wieder zur Einteilung des rechten Winkels in 100 gleiche Grade zurückkehrte, wie es die frühere Kommission für das metrische System gewünscht hatte, und wenn man als notwendige Folge den mittleren Tag in 40 Stunden teilte, wobei jede Stunde einer scheinbaren täglichen Drehung der mittleren Sonne um 10 Grade entspräche. Doch wir äußern diesen Wunsch lediglich beiläufig, weil wir diese Frage außerhalb dessen sehen, was Gegenstand des vorliegenden Berichts sein muss.

V

Aus den vorstehenden Erörterungen scheint uns hervorzugehen, dass die geplante Reform sich strikt auf jene Grenzen beschränken muss, die bereits von den Verfassern der beiden Artikel in L'Astronomie vom November 1884, Seite 409, und August 1885, Seite 287, bezeichnet wurden.

Das einzige zu lösende Problem besteht also darin, die Tage des Jahres so zu verteilen, dass die Dauer der verschiedenen Monate möglichst wenig voneinander abweicht und vor allem dieselben Jahresdaten stets auf dieselben Wochentage fallen. Was diese letzte Bedingung betrifft, so ist offensichtlich, dass es nur zwei mögliche Lösungen gibt. Die erste bestünde darin, das Jahr aus einer genauen Zahl von Wochen zusammenzusetzen. Bekanntlich bilden 365 Tage 52 Wochen und 1 Tag. Man müsste also Jahre mit 52 Wochen und Jahre mit 53 Wochen schaffen und ihre Verteilung durch eine besondere Interkalationsregel ordnen, ähnlich jener für Schaltjahre im gregorianischen Kalender. Diese Regel müsste einfach und bequem sein, und die mittlere Dauer des Zyklus möglichst nahe an der des tropischen Jahres liegen. Die Arithmetik liefert für ein solches Problem eine sehr einfache Lösung: Man muss nur die Dauer des Jahres in Wochen ausdrücken und die so erhaltene Zahl als Kettenbruch entwickeln. Die sukzessiven Näherungsbrüche liefern Zyklen, deren Nenner die Zahl der Jahre und deren Zähler die Zahl der Wochen angibt, die auf alle Jahre des Zyklus zu verteilen wären. In der glücklichen Verteilung dieser Wochen läge dann der eigentliche Scharfsinn des Autors. Allerdings können die von der Arithmetik direkt gelieferten Näherungsbrüche zu unpraktischen Interkalationsregeln führen; es mag daher vorteilhaft sein, einen etwas weniger genauen, aber praktischeren Bruch zu wählen. Zwei der bei uns eingegangenen Projekte sind in diesem Sinn entworfen; wir werden noch darauf zurückkommen. Im Augenblick bestehen wir nicht darauf, weil wir glauben, dass diese Lösung für die Praxis zu viele Nachteile hat. Hat man dem gregorianischen Jahr bereits vorgeworfen, einmal 365 und einmal 366 Tage zu umfassen, was würde man dann zu einem neuen Kalender sagen, dessen Jahre bald 364 und bald 371 Tage hätten? Wäre eine solche Interkalationswoche nicht eine Quelle der Verwirrung bei Handelsgeschäften sowie bei Löhnen und Honoraren, die sich nach verstrichenen Zeiten richten? Uns scheint, dass man die Unterschiede der aufeinanderfolgenden Jahre möglichst klein halten muss, weil das Jahr als Zeiteinheit dient und eine Maßeinheit ihrem Wesen nach sich selbst gleich bleiben sollte. Die Differenz von einem Tag ist unvermeidlich; man darf sie nicht absichtlich vergrößern.

Die zweite Lösung verlangt, zu einem bestimmten Zeitpunkt die ununterbrochene Folge der Wochentage zu durchbrechen. Wir verkennen nicht, dass dies eine ernste Sache ist, die vielen Menschen zunächst schwer annehmbar erscheinen dürfte; bei näherem Zusehen erkennt man jedoch, dass die Woche nicht jene unantastbare Heiligkeit besitzt, die man ihr gern zuschreibt. Wir haben oben erklärt, warum wir an ihr festhalten wollen; doch eine gelegentliche und seltene Unterbrechung der traditionellen Siebenerfolge scheint uns nur tief verwurzelte Vorurteile zu verletzen, die gerade deshalb auch überwunden werden können, weil die Maßnahme fast unbemerkt vorüberginge und sicher keinen positiven Nachteil nach sich zöge. Man müsste die gewöhnlichen Jahre aus 52 Wochen plus einem Tag zusammensetzen, der keinen der sieben geläufigen Namen erhielte und außerhalb jedes Siebentakts stünde; in Schaltjahren kämen zwei solcher Zusatztage hinzu. Offensichtlich wäre der bequemste Zeitpunkt für diese jährlich wiederkehrende Interkalation der Jahreswechsel, weil der erste Tag des Jahres ohnehin ein Feiertag ist, den man gemeinhin Neujahr nennt, an dem die gewöhnlichen Geschäfte ruhen und an dem man im allgemeinen ohnehin keinen der sieben Wochentagsnamen empfindet. Man kann fast sagen, dass der Neujahrstag heute bereits faktisch außerhalb der Woche steht und in ihr eine Lücke hinterlässt; genau diese Lücke wollen wir ausfüllen. Damit wäre das Problem zumindest für gewöhnliche Jahre gelöst. Für Schaltjahre wäre die Frage etwas heikler; doch wäre es wirklich so schwer hinzunehmen, dass auch dieser nur alle vier Jahre wiederkehrende Ergänzungstag einen festlichen Charakter wie der Neujahrstag erhielte? Wir glauben, dass sich das Publikum rasch daran gewöhnen würde, alle vier Jahre statt eines zwei Feiertage zum Jahreswechsel zu haben. Im Grunde ist die Lösung, die wir hier andeuten, dieselbe, die im zweiten der beiden oben genannten Artikel entwickelt wurde. Wir halten sie für die einzige praktische und annehmbare, und wir glauben, dass ihre Annahme durch die Mehrheit der zivilisierten Nationen die eigentliche Kalenderreform darstellen würde. Es bleibt dann selbstverständlich noch, die 52 Wochen des Jahres möglichst symmetrisch zu verteilen; eben darin unterscheiden sich die Projekte voneinander, deren Autoren sich auf diesen Boden gestellt haben und die uns deshalb die größte Aufmerksamkeit zu verdienen scheinen.

VI

UNTERSUCHUNG DER VERSCHIEDENEN VORGESCHLAGENEN PROJEKTE.

Projekte, die dem soeben entwickelten Programm vollständig entsprechen, gibt es drei. Dasjenige, das uns am glücklichsten angelegt erscheint, trägt in unserer Sammlung die Nummer 39; sein Aufbau ist folgender:

Das Jahr wird in vier gleiche Quartale von je 91 Tagen geteilt, verteilt auf drei Monate, von denen der erste 31 Tage, die beiden anderen je 30 Tage haben. Jedes Quartal umfasst damit genau 13 Wochen. Daraus folgt, dass dieselben Wochentage auf dieselben Daten nicht nur jedes Jahr, sondern sogar in jedem Quartal wiederkehren. Diese Vereinfachung erscheint uns sehr vorteilhaft, weil es bei ständigem Gebrauch dieses Kalenders nicht schwer sein wird, die Verteilung der 91 Tage auf drei Monate auswendig zu lernen; da die entsprechenden Monate jedes Quartals völlig gleich sind, braucht man im Grunde nur drei Monate zu kennen. Die zwölf Monate des Jahres, deren Namen beibehalten werden, ergeben so 364 Tage; zur Vervollständigung des Jahres wird der 365. Tag an den Beginn des Jahres gesetzt, außerhalb der Woche und außerhalb der Monate. Man kann ihm jeden beliebigen Namen geben; der Autor schlägt keinen vor. Er könnte der „Neujahrstag“ oder auch „Januar 0“ heißen. Dieser Tag wäre jedoch weder der 1. Januar noch der erste Tag der ersten Woche. Der Januar begänne an einem Montag, der der zweite Tag des Jahres wäre; er hätte 31 Tage. Die Monate April, Juli und Oktober begännen ebenfalls an einem Montag und hätten 31 Tage; Februar, Mai, August und November begännen an einem Donnerstag und hätten 30 Tage; die vier übrigen Monate begännen an einem Samstag und hätten ebenfalls 30 Tage. Der Autor misst dem Umstand eine gewisse Bedeutung bei, dass der erste Tag eines jeden Monats ein Werktag ist, weil dies Geschäfte und Fälligkeiten erleichtert, die so oft auf den Monatsersten gelegt werden. Dieser Gesichtspunkt hat auch für uns praktisches Gewicht. Was den 366. Tag der Schaltjahre angeht, so würde er unter irgendeinem Namen ans Jahresende gestellt; der Autor verlangt aber, dass er ebenso wie der Neujahrstag außerhalb von Monaten und Wochen bleibt und nicht einfach als 31. Dezember gezählt wird.

Der Verfasser streift auch die Frage des Jahresanfangs, ohne auf ihr zu bestehen. Er hält es wie wir für wünschenswert, den Jahresbeginn um etwa zehn Tage vorzuziehen und in die Nähe der Sonnenwende zu rücken. Darin sähe er zugleich den Vorteil, dass wir durch ein solches Opfer unserer Gewohnheiten die Völker des östlichen Europa vielleicht leichter zur Annahme des gemeinsamen Kalenders bewegen würden. Man könnte freilich einwenden, dass die slawischen Völker, wenn wir den Jahresanfang nicht ändern, nur zwölf Tage zu unterdrücken hätten, um mit uns übereinzustimmen, während sie nach seinem Vorschlag zweiundzwanzig tilgen müssten. Doch brauchen wir darauf nicht näher einzugehen, denn der Autor selbst erschrickt vor der Schwierigkeit, diese zweite Reform durchzusetzen, und erwähnt sie, wie er sagt, nur „pro memoria“. Man sieht: Dieses Projekt entspricht ganz den Ideen, die nach unserem Dafürhalten den Geist der Reform beherrschen müssen, und die Verteilung von Tagen und Monaten besitzt darin die glücklichste Symmetrie. Wir glauben nicht, dass es großen Widerstand hervorrufen würde, außergewöhnliche Tage wie den Neujahrstag und den Ergänzungstag der Schaltjahre außerhalb der Monate zu zählen.

Das Projekt Nr. 24 ähnelt dem vorigen sehr stark. Sein Verfasser hat uns lediglich eine einfache Tabelle ohne erläuternden Text übersandt; daraus darf man ihm keinen Vorwurf machen. Wie bei Nr. 39 ist das Jahr in vier gleiche Quartale geteilt, deren drei Monate nacheinander 31, 30 und 30 Tage haben, also auch hier genau 13 Wochen. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Der Dezember zählt in gewöhnlichen Jahren 31 und in Schaltjahren 32 Tage. Das Jahr beginnt mit dem Sonntag, dem 1. Januar. Es gibt somit vier Monate, die an einem Sonntag beginnen; der zweite Monat jedes Quartals beginnt an einem Mittwoch und der dritte an einem Freitag; der 30. Dezember ist ein Samstag; der 31. trägt keinen Wochentagsnamen und heißt completudi oder compledi, der 32. in Schaltjahren bissextudi oder bissexdi. Dieses Projekt erscheint uns aus zwei Hauptgründen etwas schwächer als das vorangehende: Zum einen ist der taglose Ergänzungstag nicht der traditionelle Neujahrstag; zum anderen gibt es außer Januar drei weitere Monate, die an einem Sonntag beginnen, nämlich April, Juli und Oktober. Für die Geschäfte ist es vorteilhafter, wenn alle Monate mit einem Werktag anfangen. Außerdem gefällt uns ein Monat mit 32 Tagen wenig; wir ziehen die Lösung vor, die die Ergänzungstage außerhalb der Monate platziert. Was den Beginn des Jahres mit einem Sonntag angeht, so wissen wir wohl, dass nach jüdisch-christlicher Tradition der Sonntag als erster Tag der Woche gilt; in der praktischen Vorstellung erscheint der Ruhetag jedoch eher als letzter Tag des Siebentakts, und im Übrigen sollte nicht eine solche Tradition maßgeblich sein, sondern die praktische Brauchbarkeit des Gesamtentwurfs.

Die Nr. 1 entspricht dem von uns angenommenen Programm ebenfalls recht gut. Dieses Projekt kam als gedruckte Tabelle mit dem Datum 1881 zu uns. Der Autor hat die bequeme und symmetrische Einteilung in vier gleiche Quartale nicht übernommen. Die zwölf aufeinanderfolgenden Monate haben abwechselnd 30 und 31 Tage, mit Ausnahme des zwölften, der eigentlich 31 haben müsste, in gewöhnlichen Jahren aber nur 30 und in Schaltjahren 31 zählt. Die Monate werden bloß durch Ordnungszahlen bezeichnet; der Autor wollte die Frage der Namen und jene des Jahresanfangs völlig offenlassen. Wie bei Nr. 39 erhält der Neujahrstag keinen Wochentagsnamen. Der Autor schlägt für ihn die Bezeichnung annidi oder heliodi vor oder auch equinodi oder solstidi, falls man das Jahr mit einem Äquinoktium oder einer Sonnenwende beginnen lassen wollte. Dieser Neujahrstag zählt zugleich als erster Tag des ersten Monats; der zweite Tag dieses Monats ist ein Montag, und das gewöhnliche Jahr endet an einem Sonntag. In Schaltjahren bleibt auch der 31. Tag des letzten Monats unter dem Namen bissextidi außerhalb der Woche. Dieses Projekt besitzt nicht die bemerkenswerte Symmetrie der beiden vorigen; die zwölf Monate beginnen beliebig an sämtlichen Wochentagen. Außerdem müssen wir es als unvollständig ansehen, da der Autor weder seine Meinung zum Jahresanfang äußert noch sagt, wie die abgeschafften Monatsnamen ersetzt werden sollen. Gleichwohl halten wir es für auszeichnungswürdig, wenn auch in geringerem Maß als die beiden vorigen.

Neben diesen drei Projekten, die den von uns so ausführlich dargelegten Anforderungen mehr oder weniger vollständig entsprechen, haben mehrere weitere Arbeiten unsere Aufmerksamkeit gefesselt und scheinen uns eine besondere Erwähnung zu verdienen. Projekt Nr. 19 stellt zunächst die Übereinstimmung zwischen Wochentagen und Monatsdaten her, indem es den ersten Tag des Jahres, den es annidi nennt, außerhalb der Woche stellt; dieser Tag ist zugleich der erste Tag des ersten Monats. Der zweite Tag desselben Monats ist ein Montag, und das gewöhnliche Jahr endet an einem Sonntag. In Schaltjahren heißt der 366. Tag bissexdi. Der Autor legt großen Wert darauf, dass der Kalender gewissermaßen das Bild der jährlichen Reise der Erde um die Sonne sei. Da er vor allem die stärker bewohnte Nordhalbkugel im Auge hat, will er den Sommermonaten größere Dauer zuweisen und legt deshalb mehr 31-Tage-Monate in diese Jahreszeit. Außerdem sollen die Zeiten der Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen, die er als Mitten der Jahreszeiten ansieht, in die Mitte der Monate fallen. Deshalb will er den Jahresanfang auf den gegenwärtigen 4. Februar verlegen. Die Namen der Monate bleiben erhalten, aber der erste Monat seines Jahres heißt März, sodass alle Monate im Durchschnitt um 35 Tage vorgerückt würden. Die Monatslängen lauten: März 30, April 30, Mai 31, Juni 30, Juli 31, August 31, September 30, Oktober 31, November 30, Dezember 31, Januar 30, Februar 30. Schließlich kennzeichnet er die Tage der Sonnenwenden und Äquinoktien als bürgerliche Feste unter den Namen Mittfrühling, Mittsommer und so weiter. Das Ganze besitzt ernsthafte Qualitäten und ist theoretisch sehr sorgfältig begründet. Praktisch jedoch erreicht dieser Kalender bei weitem nicht die Bequemlichkeit der Projekte Nr. 39 und 24, und man muss zugeben, dass die vorgeschlagenen Änderungen, besonders beim Jahresanfang und bei der Verschiebung der Monate, über das hinausgehen, was notwendig und wahrscheinlich überhaupt durchsetzbar ist.

In den Projekten Nr. 6 und 25 wollten die Verfasser die Übereinstimmung zwischen Wochentagen und Jahresdaten dadurch herstellen, dass das Jahr aus einer genauen Zahl von Wochen aufgebaut wird. Ihre Jahre sind daher bald „mangelhaft“, bald „reich“: die ersten haben 52 Wochen oder 364 Tage, die zweiten 53 Wochen oder 371 Tage. Sie mussten sich folglich auch um die Regel kümmern, nach der die 53-Wochen-Jahre unter die gewöhnlichen Jahre zu verteilen sind. Beide Autoren entschieden sich für etwas unterschiedliche Kombinationen, die aber beide dem mittleren Jahr genau die Dauer des gregorianischen Jahres geben; das heißt, ihr Zyklus umfasst 400 Jahre und enthält ebenso viele Tage wie der gleichlange Zyklus des gregorianischen Kalenders. Tatsächlich enthalten die 400 Jahre des gregorianischen Zyklus genau eine ganze Zahl von Wochen. Sie umfassen nämlich (365 × 400 + 97) Tage, also auch (364 × 400 + 497) Tage. Da 364 ein Vielfaches von 7 ist, gilt das auch für 364 × 400. Die verbleibenden 497 Tage ergeben genau 71 Wochen. Die Verteilung dieser 71 Wochen auf 400 Jahre war das Problem, das die beiden Autoren lösen wollten. Die Lösung von Nr. 25 erscheint uns vorzuziehen, weil sie nur zwei Arten von Jahren kennt: solche von 52 und solche von 53 Wochen. Nach diesem Projekt wären alle Jahre reich, deren Zahl durch 5, aber nicht durch 40 teilbar ist, es sei denn, sie wäre zugleich durch 400 teilbar. Damit ergäbe sich die Zahl der zusätzlichen Wochen in 400 Jahren zu:

400/5 - 400/40 + 1 = 80 - 10 + 1 = 71

Im Projekt Nr. 6 unterdrückt der Autor, verführt von einem scheinbar größeren Regelmaß, das fünfte reichhaltige Jahr nur alle 50 statt alle 40 Jahre. Dann ist er aber am Ende des 400-Jahres-Zyklus gezwungen, ein Jahr einzuführen, das man fast ein „doppelt mangelhaftes“ nennen könnte und das nur 51 Wochen zählt. Demnach wären reich alle Jahre, deren Zahl durch 5, aber nicht durch 50 teilbar ist, mit der Ausnahme, dass jedes durch 400 teilbare Jahr nur 51 Wochen umfasste. Die Zahl der eingeschobenen Wochen bleibt wiederum 71:

400/5 - 400/50 - 1 = 80 - 8 - 1 = 71

Dieses System hätte den Nachteil, zwischen verschiedenen Jahren Unterschiede von bis zu 14 Tagen zu schaffen; das Äquinoktium würde innerhalb eines Intervalls von 14 Tagen schwanken, also zwischen dem 10. und 24. März, während diese Spanne bei Nr. 25 auf 7 Tage begrenzt bliebe. Ein weiterer Unterschied trennt beide Projekte: Nr. 6 fordert die vollständige Abschaffung der Monate und schlägt vor, die Wochen des Jahres einfach von 1 bis 52 zu nummerieren. Man datierte dann etwa „Mittwoch 43“. Wir haben ausführlich erklärt, warum wir diesen Vorschlag nicht annehmen können. Nr. 25 behält die Monate bei, macht sie aber abwechselnd 28 Tage oder 4 Wochen und 35 Tage oder 5 Wochen lang, um die vollkommene Übereinstimmung von Wochentagen und Monatsdaten zu erreichen. Auch dieses Projekt will das Jahr im März beginnen lassen. Für das gewöhnliche, „mangelhafte“ Jahr gilt folgende Einteilung:

GEWÖHNLICHES ODER MANGELHAFTES JAHR

März 28 91 September 28 91
April 35 Oktober 35
Mai 28 November 28
Juni 28 91 Dezember 28 91
Juli 35 Januar 35
August 28 Februar 28

Das gewöhnliche Jahr ist also in vier gleiche und gleiche Quartale gegliedert; in reichen Jahren wird der Februar, der letzte Monat des Jahres, auf 35 Tage verlängert. Beide Projekte sind sehr sorgfältig durchdacht und stellen, vor allem Nr. 25, gewiss das Beste dar, was man von diesem Standpunkt aus erreichen kann. Doch die Umwälzungen, die sie den Gewohnheiten aufzwingen würden, sowie die Ungleichheit von Jahren mit 364 und 371 Tagen begründen aus unserer Sicht ihre deutliche Unterlegenheit gegenüber den vorangehenden Vorschlägen.

Nr. 25 ist nicht das einzige Projekt, das mit 28- und 35-Tage-Monaten eine vollkommene Übereinstimmung zwischen Wochentagen und Monatsdaten anstrebt; vier weitere sind derselben Art. In diesen Projekten bleibt der gregorianische Zyklus vollständig erhalten, und die Übereinstimmung wird am Ende jedes Jahres durch einen Ergänzungstag wiederhergestellt. Das Projekt Nr. 30 ist vielleicht das beste dieser Gruppe. Der Ergänzungstag liegt am Anfang des Jahres, außerhalb von Woche und Monat: Es ist der Neujahrstag. Der Rest des Jahres zerfällt in vier gleiche und gleiche Quartale aus einem ersten Monat mit 28 Tagen, einem zweiten mit 35 und einem dritten mit 28. In Schaltjahren kommt noch ein anonymer 366. Tag hinzu; der Autor sagt nicht, wo er ihn unterbringt. Der zweite Tag des Jahres, der zugleich der erste Tag des Quartals ist, ist ein Sonntag; das gewöhnliche Jahr endet daher an einem Samstag.

Im Projekt Nr. 26 wird der Ergänzungstag an das Jahresende gestellt. Das Jahr gliedert sich in vier Quartale; in jedem hat der erste Monat 35 und die beiden folgenden je 28 Tage, nur der zwölfte und letzte Monat hat in gewöhnlichen Jahren 29 und in Schaltjahren 30 Tage. Der Autor von Nr. 26 ist der einzige, der sich ausdrücklich um den geeigneten Zeitpunkt für die Einführung der Reform kümmert. Er empfiehlt dazu ein Jahr, das an einem Sonntag beginnt, da alle seine Jahre mit diesem Tag beginnen.

Nr. 13 sagt nicht, wo der Ergänzungstag liegen soll; dafür verlangt der Autor, das Jahr mit dem Frühlingsäquinoktium zu beginnen.

Unter der Nummer 4 haben wir ein ganzes Bündel von nicht weniger als zwölf Projekten zusammengefasst, die auf sehr unterschiedlichen Ideen beruhen. Unter ihnen finden sich drei, die dem Prinzip der beiden vorangehenden Vorschläge entsprechen und sich nur dadurch unterscheiden, an welcher Stelle des Quartals der 35-Tage-Monat liegt; er kann ja der erste, zweite oder dritte Monat des Quartals sein. In jedem Fall lässt der Autor von Nr. 4 das Jahr an einem Sonntag beginnen und setzt den Ergänzungstag ans Ende des letzten Monats. Wir wollen uns dabei nicht weiter aufhalten. Wer zwölf sehr verschiedene Projekte einsendet, darunter Jahre von 4, 6, 8, 12, 13, ja sogar 16 und 24 Monaten, der kann kaum vermeiden, unter ihnen auch einige glückliche Kombinationen zu treffen. Das eigentliche Verdienst in einer solchen Frage liegt für uns jedoch darin, unter der Vielzahl leicht ersinnbarer Kombinationen eine Entscheidung zu treffen. Deshalb begnügen wir uns damit, die drei letzten Projekte unter Nr. 4 zu nennen. Im Übrigen bedauern wir bei den Nummern 26, 13 und 4, dass ihre Autoren den Ergänzungstag an das Ende und nicht an den Beginn des Jahres gelegt haben.

Über die übrigen zum Wettbewerb eingesandten Projekte bleibt noch kurz etwas zu sagen. Wir haben sie nach Arten der vorgeschlagenen Änderungen klassifiziert und gehen sie nun der Reihe nach durch, beginnend mit den am wenigsten wünschenswerten.

ERSTE KLASSE.

Kalender, die nicht mit der Dauer des tropischen Jahres übereinstimmen.

Nr. 40: ein Dezimalkalender. Über diese Idee haben wir bereits gesprochen; der Autor des vorliegenden Projekts macht sie, wenn möglich, noch unhaltbarer. Er nimmt nicht den Tag, sondern den zwanzigsten Teil eines Tages als Grundeinheit und nennt ihn Stunde; dann folgen der Tag von 20 Stunden, eine Fünf-Tage-Periode namens centistheure, ein Monat von 50 Tagen, hilostheure, und ein Jahr von 500 Tagen, kilostheure. Von Jahreszeiten ist gar keine Rede; alle Tage des myriastheure sind großen Männern gewidmet, und das Ganze wird auf drei riesigen Blättern schönen Papiers mit einer prächtigen Uhr begleitet, die zugleich in 12 und in 10 geteilt ist, um die Entsprechung zwischen alten und neuen Stunden zu zeigen.

Nr. 3: noch ein Dezimalkalender. Der Autor sieht gerade darin einen Vorteil, dass der Kalender unabhängig von den Jahreszeiten sei. Er schlägt daher vor: 1. die Dekade von 10 Tagen, 2. den Monat von 10 Dekaden oder 100 Tagen, 3. das Jahr von 10 Monaten oder 1000 Tagen. Außerdem verlangt er eine neue Ära, die in unserer Zeit beginnen soll, zu Ehren der Astronomie, die uns erstmals über den Aufbau des Universums aufkläre und uns in der Wahrheit leben lasse.

Nr. 34: das vagabundierende 365-Tage-Jahr der alten Ägypter; der Autor sagt nichts über Woche oder Monate und will nur, dass alle Jahre gleich sind.

Nr. 44: Alle Jahre sollen 366 Tage zählen; riesige handschriftliche Tabellen begleiten das Projekt, doch ist es uns nicht gelungen zu verstehen, weshalb der Autor 366 dem 365 vorzöge.

ZWEITE KLASSE.

Hier finden sich nicht eigentlich Reformprojekte, sondern ewige Kalender oder Tabellen, die das Auffinden von Daten und Wochentagen für weit zurückliegende oder künftige Zeiten erleichtern.

Die Nr. 6, von der bereits die Rede war, ist von einer solchen Tabelle begleitet und sehr gut gebaut.

Nr. 7 enthält eine ähnliche, aber vollständigere und recht sinnreiche Tabelle, mit deren Hilfe sich der Wochentag jedes beliebigen Datums innerhalb einer weiten Spanne der gregorianischen Ära leicht bestimmen lässt. Dieselbe Tabelle gibt auch die Daten der beweglichen Feste an.

Nr. 8 ähnelt dem vorigen, ist aber erheblich weniger geschickt und sagt nichts über die beweglichen Feste.

Nr. 43 ist eine biblische, mystische und sonderbare Berechnung; dort ist von Jahren zu 364, 365 und 367 Tagen die Rede, doch fehlt ein wirkliches Reformprojekt.

Nr. 32, von der später noch die Rede sein wird, ist von einer Tabelle begleitet, die nichts anderes ist als jener ewige Kalender, der für wenige Centimes an Schulkinder verkauft wird.

DRITTE KLASSE.

Änderungen des gregorianischen Zyklus, um das mittlere Jahr näher an das tropische heranzubringen.

Nr. 9, auf die wir später zurückkommen, schlägt einen Zyklus von 33 Jahren mit 8 Schaltjahren vor; damit ergäbe sich erst nach 4800 Jahren ein Fehler von einem Tag.

Nr. 37 schlägt einen Zyklus von 128 Jahren mit 31 Schaltjahren vor. Das mittlere Jahr hätte dann 365,24219 Tage, und ein ganzer Tag Fehler träte erst nach etwa 30.000 Jahren auf. Leider ist die Berechnung der Schaltjahre kompliziert, zumal der Autor sie im 128-Jahres-Zyklus auf wenig einfache Weise verteilt. Dasselbe Projekt verlangt außerdem, die christliche Ära durch die Ära der Schöpfung zu ersetzen, und enthält empirische Regeln zur Berechnung von Mondphasen. Seine Rechnungen beruhen auf der mit völliger Sicherheit vorgetragenen Annahme, dass der erste Neumond des ersten Schöpfungsjahres am fünften Tag um 5 Uhr 39 Minuten 10 Sekunden nachmittags stattgefunden habe. Das Jahr 1 der christlichen Ära entspräche danach dem Jahr 6305 der Schöpfung.

Nr. 41 übernimmt ebenfalls den Zyklus von 128 Jahren, verteilt die Schaltjahre aber wenigstens regelmäßig alle vier Jahre auf die 32 durch 4 teilbaren Jahre, mit Ausnahme des letzten Jahres des Zyklus, das gemein bleibt. Nach seinen genauen Berechnungen ergäbe sich erst nach 28.800 Jahren eine Abweichung von einem Tag, und er schlägt naiv vor, dann am Ende des 128-Jahres-Zyklus das 32. Schaltjahr wieder einzusetzen. Auf dieses Projekt mit 13 Monaten werden wir in der fünften Klasse zurückkommen.

VIERTE KLASSE.

Reformprojekte, die die Woche abschaffen.

Hierzu gehören zunächst die Nummern 3 und 40 aus der ersten Klasse.

Nr. 9 bietet drei Reformen an, die der Autor als radikal, intermediär und gemäßigt bezeichnet. In der radikalen gäbe es einen 33-Jahres-Zyklus, die Schöpfungsära (-6640), zwölf Monate mit Nummernnamen, abwechselnd 30 und 31 Tage, unterteilt entweder in Dekaden oder in abwechselnde Wochen von 7 und 8 Tagen, wobei der 31. Tag außerhalb von Dekade oder Woche bliebe. Das Jahr begänne im Frühling, und der Tag würde dezimal geteilt. Die intermediäre Reform behält die gewöhnliche Ära und den gregorianischen 400-Jahres-Zyklus bei. Die gemäßigte beschränkt sich darauf, das Jahr im Frühling beginnen zu lassen und die Monate abwechselnd 30 und 31 Tage lang zu machen. Eine klare Schlussfolgerung fehlt.

Nr. 10 enthält zwei Projekte. Im ersten bleiben unsere Monate unverändert, doch jeder Monat wird in drei Dekaden geteilt, deren Tage die Bezeichnungen des republikanischen Kalenders tragen, dazu kommt in 31-Tage-Monaten ein extradi. Décadis und extradis sind Feiertage, sodass im Jahr sechs Paare aufeinanderfolgender Feiertage entstehen. Die letzte Dekade des Februars bleibt unvollständig. Das zweite Projekt gehört in die fünfte Klasse.

Nr. 15 teilt die Monate in abwechselnde Siebener- und Achterperioden. Dieses Projekt war schon einige Jahre früher vom Autor der Nr. 19 erarbeitet, aber später zugunsten von Nr. 19 aufgegeben worden; es wurde von einer anderen Person als Druckschrift eingesandt und ist daher nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Nr. 17 ließe das Jahr mit der Wintersonnenwende beginnen und teilte es in 73 Fünfertakte oder in 12 Monate zu 3 Dekaden.

Nr. 20 will die Woche mit der Lunation in Einklang bringen. Dazu erfindet der Autor abwechselnde Wochen von 7 und 8 Tagen, von denen jeweils vier zusammen eine Periode bilden, die der astronomischen Lunation ungefähr entspricht. Welchen praktischen Nutzen eine solche Reform haben soll, bleibt schwer erkennbar. Immerhin macht er die Monate abwechselnd 30 und 31 Tage lang und beseitigt so die Unregelmäßigkeit des Februars.

Nr. 22 bringt Wochen von 6 Tagen namens primus, secundus ... sextus, dazu 12 Monate zu 30 Tagen, 5 oder 6 Ergänzungstage am Ende, eine universelle Ära beginnend 1901 und schließlich eine dezimale Tageseinteilung in 20 Stunden.

Nr. 23 bildet ein Jahr zu 366 Tagen mit 12 Monaten zu 30 und 31 Tagen, dazu alle 8 Jahre ein defizientes Jahr von 360 Tagen und alle 800 Jahre zwei solcher Jahre, womit im Durchschnitt wiederum die gregorianische Dauer erreicht werden soll. Welch seltsame Interkalation! Das Jahr beginnt im Frühling, und die Woche wird, damit eine ganze Zahl in das Jahr passt, auf 6 Tage verkürzt.

Nr. 27 ist eine sehr lange Denkschrift, die auf 12 Monate hinausläuft, von denen die ersten sieben 30 und die letzten fünf 31 Tage haben; der letzte hätte in Schaltjahren 32 Tage. Die Woche wird durch Sechs-Tage-Perioden ersetzt; der 31. Tag reicher Monate bleibt außerhalb dieser Periode und heißt festat; der Schalttag der Schaltjahre heißt sextile. Die Monate erhalten neue Namen, die recht gut gebildet sind.

Nr. 36 bildet 60 Wochen von 6 Tagen, verteilt auf 12 Monate zu 30 Tagen, plus eine weitere 6-Tage-Woche; alle 8 Jahre gibt es nur 60 Wochen, um die zu viel gezählten Tage zu beseitigen. Varianten sehen 60 Sechs-Tage-Wochen plus eine Schlussreihe von 5 Tagen und in Schaltjahren 6 Tagen vor, oder behalten die gewöhnliche Woche und gehören dann in die folgende Klasse.

Nr. 29 ist eine lange Denkschrift, die die Vorzüge des republikanischen Kalenders beweisen und ihn unverändert wieder einführen will.

Nr. 38 ist eine ebenso lange wie interessante Abhandlung über die Geschichte des republikanischen Kalenders. Sie entlehnt ihm die Monatsnamen und die Dekade, macht aber nur 10 Monate zu je 36 Tagen, die mit einem Bürgertag beginnen und zweieinhalb Dekaden enthalten; die Dekade beginnt in jedem Monat neu. Drei Varianten betreffen den Jahresanfang. Insgesamt bleibt das Projekt dem republikanischen Kalender klar unterlegen.

Nr. 35 bildet ein ganz außergewöhnliches Werk von extremer Originalität. Das Jahr wird in vier Quartale zu 90 oder 92 Tagen geteilt, die in Dekaden mit je zwei aufeinanderfolgenden Ruhetagen gegliedert sind. Das Jahr beginnt an der Wintersonnenwende. Sämtliche Namen werden geändert und aus der alten keltischen Sprache entlehnt. Der Autor geht mit großer Sorgfalt auf die Verteilung der Tätigkeiten jedes einzelnen Tages ein und versieht jede Kalenderzeile mit einer Maxime oder nützlichen Vorschrift. Selbst die bürgerlichen Feste des Jahres werden bis ins Detail geregelt. So soll etwa der Schalttag alle vier Jahre dem großen astronomischen Fest gewidmet sein und den Namen Ilanaddez tragen; die Nachtfeier soll unter anderem eine große leuchtende Sonne und eine Vorrichtung zur Darstellung der Mondbewegungen umfassen. In einem anderen Fest thront eine allegorische Figur namens Télopre mit achtbrüstigem Lederkorsett auf einem Wagen. Diese wenigen Zitate genügen, um den Geist dieser 48-seitigen Denkschrift zu kennzeichnen.

FÜNFTE KLASSE.

Reformprojekte, die die Woche beibehalten, aber die Monate völlig umstürzen.

Hier sind zunächst noch einmal die Nummern 6, 25, 13, 26 und 30 sowie drei Projekte der Nr. 4 zu nennen, die bereits oben erwähnt wurden.

Am zahlreichsten sind jene Projekte, die das Jahr in 13 Monate zu 28 Tagen teilen. Ihre Autoren waren von der Bequemlichkeit verführt, die sich aus Monaten mit genau vier Wochen ergäbe, ohne sich an den Nachteilen einer Teilung des Jahres in 13 statt 12 Teile zu stoßen. In diese Gruppe gehört Nr. 12, der „Kalender der Angestellten“, weil nach Meinung des Autors die monatlich besoldeten Angestellten glücklich wären, ihren Monatslohn 13 Mal statt 12 Mal zu erhalten.

Nr. 41, die bereits in der dritten Klasse erwähnt wurde, nennt den 13. Monat Rectember.

Nr. 31 stellt den Zusatztag außerhalb der Woche an den Anfang des Jahres und den Schalttag der Schaltjahre an die zweite Stelle des Jahres. Das Jahr soll mit dem Frühlingsäquinoktium beginnen, der Tag in 20 Stunden geteilt werden; die Monate tragen Zahlennamen, und die Reihenfolge der Wochentage wird geändert, um sie an die Entfernung der Planeten von der Sonne anzupassen.

Nr. 16 gibt ihren 13 Monaten Astronomennamen und den 7 Wochentagen Namen von Erfindungen, von denen als Beispiel nur electrodi genannt wird. Das Jahr soll mit dem Herbstäquinoktium beginnen. Außerdem schlägt der Autor den Meridian des Himalaya als internationalen Nullmeridian vor, weil er angeblich der längste sei.

Nr. 18 schafft die Übereinstimmung zwischen Wochentagen und Jahresdaten durch einen namenlosen Ergänzungstag am Jahresende. Die 13 Monate erhalten Namen aus dem republikanischen Kalender, die Wochentage heißen pridi, duodi, tesdi, cardi, quindi usw.; alle Monate beginnen an einem quindi.

Weitere Projekte wählen andere Einteilungen des Jahres. Nr. 2 macht 10 Monate zu 36 Tagen mit 5 oder 6 Ergänzungstagen am Jahresende. Der Autor betont den kaufmännischen Nutzen eines fiktiven 360-Tage-Jahres; notfalls würde er auch 12 Monate akzeptieren, sofern sie alle 30 Tage hätten und die 5 oder 6 Ergänzungstage an Anfang oder Ende des Jahres verbannt würden.

Nr. 28 sieht ebenfalls 10 Monate zu 36 Tagen vor, von denen jeder 5 Wochen plus einen zusätzlichen Tag enthält, der keinen Wochentagsnamen trägt und final heißt.

Nr. 10 teilt das Jahr im zweiten Projekt in vier quadrins zu 91 Tagen, von denen das letzte 92 oder 93 Tage zählt. Alle Namen werden geändert; mehrere Varianten unterscheiden sich nach der Lage des Jahresanfangs. Jedes quadrin enthält genau 13 Wochen, und am Jahresende stehen stets ein oder zwei namenlose Tage.

Nr. 36 ähnelt diesen Projekten, abgesehen von den Bezeichnungen und davon, dass der heutige Jahresanfang beibehalten wird. Wo der Schalttag liegen soll, sagt der Autor nicht.

Nr. 33 schlägt 10 Monate zu 35 Tagen und einen elften zu 15 Tagen vor; der letzte Tag des Jahres liegt außerhalb der Woche, und das Jahr beginnt an einem Montag.

Schließlich enthält die bereits genannte Nr. 4 auch Kalender von 6, 8, 16 und 24 Monaten.

SECHSTE KLASSE.

Teilreformen, die den Jahresanfang, die Zahl der Monatstage, die Benennungen und Ähnliches betreffen, ohne eine Übereinstimmung zwischen Woche und Jahr herzustellen.

Nr. 5 beschränkt sich auf neue Bezeichnungen, macht die Monate abwechselnd 30 und 31 Tage lang und ersetzt die gewöhnliche Ära durch eine sogenannte Renaissance-Ära, die mit dem Jahr 1400, dem Geburtsjahr Gutenbergs, beginnen soll. Der Autor scheint alle Jahre zu 366 Tagen machen zu wollen und sagt nichts über Schaltjahre.

Nr. 9 lässt das Jahr im Frühling beginnen und macht die Monate abwechselnd 30 und 31 Tage lang.

Nr. 11 beginnt mit der Wintersonnenwende; die Monate haben 30 oder 31 Tage, die Sommermonate 31, die Wintermonate 30, wobei der letzte Wintermonat in gewöhnlichen Jahren 30 Tage zählt. Der Autor möchte auf die Monatsnamen des republikanischen Kalenders zurückgreifen oder, falls nicht, die vier letzten Monate in Pythagoras, Kopernikus, Kepler und Christoph Kolumbus umbenennen. Die neue Ära soll mit der Entdeckung Amerikas beginnen.

Nr. 12 beschränkt sich darauf, allen Sonntagen bürgerliche Feste zuzuweisen und die Namen der Heiligen durch Namen berühmter Persönlichkeiten zu ersetzen.

Nr. 14 gibt Frühlings- und Sommermonaten 31 Tage, den übrigen 30, außer dem letzten Wintermonat mit 29 Tagen. Das Jahr beginnt an der Wintersonnenwende; für die Monate werden entweder die Namen des republikanischen Kalenders oder Reihen wie Primose, Décimose, Tertiose, Quartinal, Quintial usw. vorgeschlagen. Die Wochentage sollen Farbnamen tragen.

Nr. 21 lässt das Jahr im Frühling beginnen, ordnet die Monate nach Sonnenwenden und Äquinoktien und gibt ihnen Namen wie Vernal, bivernal, trivernal, fugal, bifugal, trifugal, médial, bimédial, trimédial, nodal, binodal und trinodal. Die Wochentage tragen Nummernnamen.

Nr. 32 macht die Monate abwechselnd 31 und 30 Tage lang, außer dem letzten, der je nach Jahr 29 oder 30 zählt; die Namen werden zu primile, deutérile und so weiter verändert und unterscheiden sich sogar zwischen Nord- und Südhalbkugel.

Nr. 45 verschiebt nur den Jahresanfang und benennt die Monate nach den Tierkreiszeichen. Über die Woche sagt der Autor nichts.

VII

ZU VERGEBENDE PREISE

Daher schlagen wir vor, den Preis von fünftausend Francs wie folgt aufzuteilen:

Diese Preise bestehen aus Medaillen, ergänzt um den jeweiligen Geldbetrag.

VIII

ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSS.

Eine Reform des Kalenders ist wünschenswert.

Die Jahre können alle einander gleich sein. Statt sich jedes Jahr zu ändern, kann der Kalender dauerhaft werden.
In dem hier angenommenen Reformprojekt würden die Jahre aus zwölf Monaten bestehen, die in vier gleiche Quartale geteilt sind; jedes Quartal setzte sich aus drei Monaten zu 31, 30 und 30 Tagen zusammen und enthielte genau 13 Wochen.
Der 365. Tag, also der Zusatztag nach den 52 Wochen, würde als außerhalb von Woche und Monat stehend betrachtet und hieße „Neujahrstag“ oder Januar 0.

In Schaltjahren gäbe es beim Jahreswechsel zwei Feiertage.
Alle Jahre könnten mit einem Montag beginnen, alle sähen einander gleich, und dieselben Daten entsprächen auf unbegrenzte Zeit denselben Wochentagen. Es wäre wünschenswert, dass sich im Zusammenhang mit der Weltausstellung von 1889 ein internationaler Kongress versammelte, um sich über die Vorteile und die Zweckmäßigkeit dieser Reform zu verständigen, die trotz ihrer Bedeutung umso leichter anzuwenden wäre, als sie fast unbemerkt bliebe.

Der Berichterstatter,
PHILIPPE GÉRIGNY.

VERGEBENE PREISE

SITZUNG VOM 14. DEZEMBER 1887.

Die Kommission, bestehend aus dem Vorstand der Gesellschaft für 1887:

hat nach Billigung des vorstehenden Berichts den Preis von fünftausend Francs in der Sitzung vom 14. Dezember 1887 wie folgt verteilt:

KALENDERREFORM

Projekt, das als erstes ausgezeichnet wurde, weil es den am Ende des Wettbewerbs dargelegten Grundsätzen entspricht (S. 69). Autor: Herr G. Armelin.

Wenn man sich mit der Kalenderfrage beschäftigt und das gregorianische System reformieren will, muss man sich vor allem klar darüber sein, dass jede Reform, wenn sie Aussicht auf Erfolg haben soll, leicht anwendbar sein muss, das heißt einfach und unter praktischen Gesichtspunkten konzipiert.

Die Frage der Monatsnamen und jene, ob der Jahresanfang mit dem Beginn einer Jahreszeit zusammenfallen soll, sind beide von rein spekulativer Natur. Sie verdienen zwar Beachtung, stellen aber nicht die Punkte dar, auf die sich die Aufmerksamkeit in erster Linie richten muss.

Die wichtigsten Mängel des gregorianischen Kalenders unter praktischem Gesichtspunkt sind die folgenden:

Hat man sich diese Gesichtspunkte vor Augen geführt, muss man zugleich begreifen, wie wichtig es ist, die Sieben-Tage-Woche zu bewahren, jene Einteilung, die seit den ältesten ägyptischen Zeiten in unsere Sitten eingegangen ist und die man nicht abschaffen könnte, ohne Gefühle zu verletzen, Interessen zu schädigen, tief verwurzelte Gewohnheiten zu durchkreuzen und zugleich zu übersehen, dass die Mühen jeder Arbeit eine solche Periodisierung rechtfertigen.

Teilt man das Jahr nun in vier Jahreszeiten oder vier Quartale, so erhält man 91 Tage plus einen Bruch; und da die ganze Zahl 91 glücklicherweise durch 7 teilbar ist, ergibt das pro Quartal eine ganze Zahl von Wochen, nämlich genau 13. Damit lassen sich vier gleiche und identische Quartale bilden, die alle mit demselben Wochentag beginnen, etwa einem Montag.

Da diese vier Quartale wegen des unvermeidlich vernachlässigten Bruchteils nur 364 Tage ergeben, würde der 365. Tag außerhalb von Monat und Woche gestellt, damit die vollkommene Harmonie des Jahres nicht zerstört wird. Er wäre gleichsam ein Ergänzungstag und fiele auf den Neujahrstag, gewissermaßen als Tag 0.

Alle vier Jahre gäbe es zusätzlich einen Schalttag, ebenfalls ergänzend, außerhalb von Monat und Woche, und am Ende des vierten Jahres eingefügt, natürlich mit der bekannten gregorianischen Ausnahme von drei Jahrhundertjahren unter vier. Auf diese Weise glichen alle Jahre und sogar alle Quartale einander, und der ewige Kalender reduzierte sich auf die folgende Tafel:

1. NEUJAHRSTAG
Erster Monat jedes Quartals.
Januar
April
Juli
Oktober
Zweiter Monat jedes Quartals.
Februar
Mai
August
November
Dritter Monat jedes Quartals.
März
Juni
September
Dezember
1 Montag
2 Dienstag
3 Mittwoch
4 Donnerstag
5 Freitag
6 Samstag
7 Sonntag
8 Montag
9 Dienstag
10 Mittwoch
11 Donnerstag
12 Freitag
13 Samstag
14 Sonntag
15 Montag
16 Dienstag
17 Mittwoch
18 Donnerstag
19 Freitag
20 Samstag
21 Sonntag
22 Montag
23 Dienstag
24 Mittwoch
25 Donnerstag
26 Freitag
27 Samstag
28 Sonntag
29 Montag
30 Dienstag
31 Mittwoch
1 Donnerstag
2 Freitag
3 Samstag
4 Sonntag
5 Montag
6 Dienstag
7 Mittwoch
8 Donnerstag
9 Freitag
10 Samstag
11 Sonntag
12 Montag
13 Dienstag
14 Mittwoch
15 Donnerstag
16 Freitag
17 Samstag
18 Sonntag
19 Montag
20 Dienstag
21 Mittwoch
22 Donnerstag
23 Freitag
24 Samstag
25 Sonntag
26 Montag
27 Dienstag
28 Mittwoch
29 Donnerstag
30 Freitag
1 Samstag
2 Sonntag
3 Montag
4 Dienstag
5 Mittwoch
6 Donnerstag
7 Freitag
8 Samstag
9 Sonntag
10 Montag
11 Dienstag
12 Mittwoch
13 Donnerstag
14 Freitag
15 Samstag
16 Sonntag
17 Montag
18 Dienstag
19 Mittwoch
20 Donnerstag
21 Freitag
22 Samstag
23 Sonntag
24 Montag
25 Dienstag
26 Mittwoch
27 Donnerstag
28 Freitag
29 Samstag
30 Sonntag
Alle vier Jahre ein Schalttag nach dem 30. Dezember

Mit diesem Kalendersystem wiederholt sich dasselbe Quartal endlos und bleibt sich immer gleich.

Wenn es sich leicht durchführen ließe, wäre es logisch, den Jahresanfang auf die Wintersonnenwende vorzuverlegen, also auf jenen für uns vernünftigen Beginn, an dem die Tage wieder länger werden und der ohnehin unserem heutigen Neujahr nahe liegt. Auch wäre es wünschenswert, die Monatsnamen zu ändern, zumindest die letzten vier, und sie durch Namen von Gelehrten oder Tierkreiszeichen zu ersetzen. Da diese beiden Punkte jedoch schwerer durchzusetzen wären und die praktische Einführung der Reform gefährden könnten, müssen sie vorbehalten bleiben und werden hier nur zur Erinnerung erwähnt.

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